Leishmaniose
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Definition & Überblick
Leishmaniose ist eine durch einzellige Parasiten der Gattung Leishmania hervorgerufene Infektionskrankheit, die vor allem Hunde betrifft, aber auch bei Katzen, Pferden und anderen Säugetieren auftreten kann. Die Erkrankung zählt zu den Vektorkrankheiten – also zu jenen Infektionen, die durch einen Überträger (Vektor) weitergegeben werden. Im Fall der Leishmaniose sind das Sandmücken (Phlebotominae), auch Schmetterlingsmücken genannt. Die für Hunde bedeutsamste Erregerart ist Leishmania infantum, die eine viszerale (die inneren Organe betreffende) Verlaufsform auslöst.
Leishmaniose gilt als eine der wichtigsten importierten Reisekrankheiten bei Hunden in Mitteleuropa. Ursprünglich in den Mittelmeerländern, dem Nahen Osten, Zentral- und Südamerika sowie Teilen Asiens und Afrikas endemisch, wird die Krankheit zunehmend auch nördlich der Alpen diagnostiziert – bedingt durch Reiseverkehr, Hundeimporte aus dem Ausland und die klimabedingte Ausbreitung der Sandmücken. Eine Infektion verläuft häufig chronisch, kann ohne Behandlung tödlich enden und ist nach derzeitigem Wissensstand nicht vollständig heilbar, sondern lediglich kontrollierbar.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Übertragung erfolgt durch den Stich infizierter weiblicher Sandmücken der Gattungen Phlebotomus (Alte Welt) und Lutzomyia (Neue Welt). Beim Saugakt gelangen die Promastigoten – die begeißelte, bewegliche Form des Parasiten – in die Haut des Wirtstieres. Dort werden sie von Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) aufgenommen, wandeln sich in die unbegeißelte Form (Amastigoten) um und vermehren sich intrazellulär. Über Blut- und Lymphwege breiten sich die Erreger in Milz, Leber, Knochenmark, Lymphknoten und weitere Organe aus.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Aufenthalt in Endemiegebieten – insbesondere Mittelmeerraum (Spanien, Italien, Griechenland, Portugal, Südfrankreich)
- Import von Hunden aus betroffenen Regionen ohne vorherige Testung
- Fehlender Mückenschutz während der Aktivitätszeit der Sandmücken (Dämmerung und Nacht, von Mai bis Oktober)
- Immunsuppression – ein geschwächtes Immunsystem begünstigt den Ausbruch der Erkrankung nach einer Infektion
- Genetische Prädisposition – bestimmte Rassen wie Boxer, Deutscher Schäferhund und Dobermann scheinen anfälliger zu sein, während der Ibizenko (Podenco Ibicenco) eine gewisse natürliche Resistenz zeigt
Selten kann eine Übertragung auch über Bluttransfusionen, transplazentär (von der Mutter auf die Welpen) oder durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut und Sekreten erfolgen. Eine direkte Ansteckung von Hund zu Mensch ohne Sandmücke als Vektor gilt als extrem unwahrscheinlich, dennoch ist Leishmaniose eine Zoonose – also grundsätzlich auf den Menschen übertragbar.
Symptome & Erkennung
Die Inkubationszeit ist außerordentlich variabel und reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Viele infizierte Hunde bleiben zunächst klinisch unauffällig (subklinische Infektion). Bricht die Krankheit aus, zeigt sie ein ausgesprochen vielgestaltiges Bild, das die Diagnose erschweren kann:
- Hautveränderungen (kutane Form): Schuppenbildung (vor allem an Ohren, Nase, um die Augen – sogenannte „Brillenbildung"), nicht juckende Hautverdickungen, Ulzerationen (Geschwüre), übermäßiges Krallenwachstum (Onychogrypose), haarloses und verdicktes Gewebe
- Generalisierte Lymphknotenschwellung (Lymphadenomegalie)
- Gewichtsverlust und Muskelschwund trotz erhaltenem oder vermindertem Appetit
- Augenerkrankungen: Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Hornhautentzündung (Keratitis), Uveitis
- Nierenerkrankung: Glomerulonephritis als häufige und prognostisch schwerwiegende Komplikation – oft die Haupttodesursache
- Nasenbluten (Epistaxis), Lahmheit durch Gelenkbeteiligung (Polyarthritis), Durchfall, Fieberschübe und allgemeine Lethargie
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labordiagnostik und Erregernachweis. Folgende Verfahren kommen zum Einsatz:
- Serologie (Antikörpernachweis): Der IFAT (Immunfluoreszenztest) gilt als Goldstandard. Auch ELISA-Tests und Schnelltests werden verwendet. Zu beachten ist, dass Antikörper erst Wochen bis Monate nach der Infektion nachweisbar sein können.
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Hochsensitiver Nachweis von Leishmanien-DNA aus Knochenmark, Lymphknoten, Blut oder Hautbiopsien. Besonders geeignet zur Früherkennung und Therapiekontrolle.
- Zytologie und Histopathologie: Direkter mikroskopischer Nachweis der Amastigoten in Aspiraten aus Knochenmark, Lymphknoten oder Hautläsionen mittels Giemsa-Färbung.
- Blutbild und klinische Chemie: Typisch sind Hyperproteinämie mit Hyperglobulinämie (erhöhte Gammaglobuline), Hypoalbuminämie, Anämie, Thrombozytopenie und erhöhte Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff, UPC-Quotient).