Leptospirose
LTiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten
Definition & Überblick
Die Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch spiralförmige Bakterien der Gattung Leptospira verursacht wird. Sie zählt zu den Zoonosen – Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind – und besitzt daher neben ihrer tiermedizinischen auch eine erhebliche humanmedizinische Bedeutung. Weltweit sind über 300 verschiedene Serovare (Untertypen) von Leptospira interrogans sensu lato bekannt, von denen zahlreiche pathogen, also krankheitsauslösend, sind.
Betroffen sind vor allem Hunde, aber auch Rinder, Schweine, Pferde und Kleinsäuger. Katzen erkranken seltener klinisch, können jedoch Träger der Bakterien sein. Beim Hund war die Leptospirose früher als Stuttgarter Hundeseuche oder Weil-Krankheit bekannt – Bezeichnungen, die auf die schwere Nieren- und Leberbeteiligung hinweisen. Ohne rechtzeitige Behandlung kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
Ursachen & Risikofaktoren
Leptospiren werden hauptsächlich über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden. Als wichtigste Reservoirwirte gelten Ratten, Mäuse und andere Nagetiere, die die Bakterien oft symptomlos in ihren Nieren beherbergen und dauerhaft über den Harn in die Umwelt abgeben. Die Erreger überleben besonders gut in feuchter, warmer Umgebung – stehende Gewässer, Pfützen, schlammige Uferböden und überflutete Wiesen sind typische Infektionsquellen.
Die Übertragung auf Haustiere erfolgt über mehrere Wege:
- Direkter Kontakt mit infiziertem Urin oder kontaminiertem Wasser über Haut- oder Schleimhautverletzungen
- Orale Aufnahme von verunreinigtem Wasser beim Trinken aus Pfützen oder Teichen
- Transplazentare Übertragung von der Mutter auf ungeborene Welpen
- Seltener durch Bisse von Nagetieren oder den Verzehr infizierter Beutetiere
Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen häufiger Kontakt mit stehenden Gewässern, das Leben in ländlichen oder rattenbefallenen Gebieten, unzureichender Impfschutz sowie eine hohe Nagetier-Populationsdichte in der Umgebung. Saisonale Häufungen treten in den Spätsommer- und Herbstmonaten auf, wenn feuchte Witterungsbedingungen das Überleben der Bakterien in der Umwelt begünstigen. Überschwemmungen und Starkregenereignisse erhöhen das Infektionsrisiko zusätzlich.
Symptome & Erkennung
Das klinische Bild der Leptospirose ist ausgesprochen variabel und hängt vom betroffenen Serovar, der Erregermenge sowie dem Immunstatus des Tieres ab. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel vier bis zwölf Tage. Der Verlauf reicht von subklinischen Infektionen ohne erkennbare Krankheitszeichen bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Organschäden.
Typische Symptome beim Hund umfassen:
- Allgemeine Krankheitszeichen: Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall
- Nierenbeteiligung (Nephritis): vermehrter Durst (Polydipsie), erhöhter Harnabsatz (Polyurie) oder im fortgeschrittenen Stadium verminderte Harnproduktion (Oligurie bis Anurie), Dehydratation
- Leberbeteiligung (Hepatitis): Gelbsucht (Ikterus) mit Gelbfärbung der Schleimhäute und Skleren, dunkler Urin
- Blutgerinnungsstörungen: punktförmige Blutungen (Petechien) an Haut und Schleimhäuten, blutiger Stuhl, Nasenbluten
- Muskelschmerzen und Bewegungsunlust durch Myositis
- In schweren Fällen: Lungenblutungen (leptospirose-assoziiertes pulmonales Hämorrhagiesyndrom, LPHS) mit akuter Atemnot
Bei Rindern stehen Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte und ein plötzlicher Milchrückgang im Vordergrund. Pferde können neben systemischen Symptomen eine rezidivierende Uveitis (periodische Augenentzündung, sogenannte Mondblindheit) entwickeln.
Diagnose
Die Diagnose der Leptospirose stellt aufgrund der unspezifischen Symptomatik eine Herausforderung dar und erfordert die Kombination mehrerer Untersuchungsverfahren:
- Blutuntersuchung: Die Blutchemie zeigt häufig erhöhte Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin) und Leberenzyme (ALT, AP, Bilirubin). Im Blutbild finden sich oft eine Leukozytose und Thrombozytopenie.
- Mikroagglutinationstest (MAT): Dieser serologische Test gilt als Goldstandard. Er weist Antikörper gegen verschiedene Leptospira-Serovare nach. Ein vierfacher Titeranstieg in gepaarten Serumproben im Abstand von zwei bis vier Wochen sichert die Diagnose.
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Der molekularbiologische Erregernachweis aus Blut oder Urin ermöglicht eine frühzeitige Diagnose bereits in der akuten Krankheitsphase, noch bevor Antikörper gebildet werden.
- Urinuntersuchung: Dunkelfeldmikroskopie und Urin-PCR können Leptospiren im Harn nachweisen, wobei die Dunkelfeldmikroskopie allein wenig sensitiv ist.
- Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchungen von Nieren und Leber helfen, das Ausmaß der Organschädigung zu beurteilen. Röntgenaufnahmen des Thorax sind bei Verdacht auf Lungenbeteiligung ind