Lippegans
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Steckbrief
- Herkunft: Nordrhein-Westfalen, Deutschland (Region Lippe/Ostwestfalen)
- Rassestandard: Anerkannt vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG); Rassegruppe: Schwere Gänserassen
- Gewicht Ganter: 7–8 kg
- Gewicht Gans: 6–7 kg
- Legeleistung: ca. 15–20 Eier pro Jahr, Eigewicht ca. 150–180 g
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre bei artgerechter Haltung
- Gefieder/Farben: Reinweiß mit dicht anliegendem, geschlossenem Federkleid
- Besonderheiten: Alte, gefährdete Nutztierrasse; auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH)
Herkunft & Geschichte
Die Lippegans stammt aus dem Gebiet entlang des Flusses Lippe in Ostwestfalen-Lippe, einer Region im heutigen Nordrhein-Westfalen. Ihre Abstammung geht auf schwere Landgänse zurück, die in dieser Gegend über Jahrhunderte hinweg als Wirtschaftsgeflügel gehalten wurden. Die Bauern der Region selektierten konsequent auf ein hohes Schlachtgewicht, gute Fleischqualität und Widerstandsfähigkeit gegenüber dem feuchten, teils rauen Klima der Lippeauen.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Lippegans ein fester Bestandteil der bäuerlichen Selbstversorgung. Sie lieferte Fleisch, Fett, Daunen und Federn. Mit der Industrialisierung der Geflügelhaltung und der zunehmenden Verbreitung schnellwüchsiger Hybridrassen geriet die Lippegans jedoch in Vergessenheit. Mitte des 20. Jahrhunderts war der Bestand auf ein kritisches Minimum gesunken.
Erst das Engagement einzelner Züchter und die Arbeit von Erhaltungszuchtvereinen sorgten dafür, dass die Rasse nicht vollständig ausstarb. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) führt die Lippegans in ihrer Roten Liste als stark gefährdete Rasse. Der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) erkennt sie im Rassestandard an, doch die Zahl aktiver Züchter bleibt überschaubar. Jedes Zuchtpaar trägt daher unmittelbar zum Fortbestand dieser wertvollen genetischen Ressource bei.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Lippegans ist eine große, schwere Gans mit einem kräftigen, walzenförmigen Körperbau. Der Rumpf wirkt massig und breit, die Brust ist tief und gut bemuskelt. Der Rücken verläuft leicht abfallend und geht in einen breiten, vollen Bauch über, der bei älteren Tieren eine gut ausgeprägte, doppelte Bauchwamme zeigen darf.
Das Gefieder ist durchweg reinweiß, dicht und straff anliegend, was der Gans eine kompakte, geschlossene Silhouette verleiht. Der Kopf ist mittellang mit einer leicht gewölbten Stirn. Der Schnabel ist kräftig, mittellang und orangefarben. Die Augen sind blau. Die Läufe und Schwimmhäute zeigen ein kräftiges Orange bis Rotorange.
Im Rassestandard wird auf einen harmonischen Gesamteindruck Wert gelegt: Der Körper soll Substanz und Breite zeigen, ohne plump oder überladen zu wirken. Ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus ist erkennbar – Ganter sind merklich schwerer und stehen aufrechter als die etwas gedrungeneren Gänse. Grobes Gefieder, gelbe Augen oder Farbflecken im Gefieder gelten als schwerwiegende Zuchtfehler.
Charakter & Wesen
Die Lippegans ist eine ruhige, ausgeglichene Gänserasse mit einem ausgeprägten Herdeninstinkt. Im Vergleich zu manch anderer Gänserasse zeigt sie sich vergleichsweise umgänglich und wenig schreckhaft, sofern sie von klein auf an den Menschen gewöhnt wird. Dennoch besitzt sie das für Gänse typische wachsame Wesen und meldet Fremde sowie ungewohnte Geräusche zuverlässig durch lautes Schnattern.
Innerhalb der Gruppe verhalten sich Lippegänse sozial und verträglich. Sie eignen sich gut für die Haltung in kleinen Herden und lassen sich mit anderen Geflügelarten problemlos vergesellschaften. Ganter können während der Brutzeit territorial werden, sind aber bei respektvoller Handhabung gut führbar. Insgesamt gilt die Rasse als treu, standorttreu und genügsam – Eigenschaften, die sie für die extensive Weidehaltung prädestinieren.
Haltung & Pflege
Die Lippegans ist eine robuste Weidegans, die für die ganzjährige Freilandhaltung bestens geeignet ist. Sie benötigt eine ausreichend große Weidefläche mit Grasaufwuchs – als Richtwert gelten mindestens 100 bis 150 Quadratmeter pro Tier. Der Zugang zu einer natürlichen oder künstlichen Badegelegenheit ist unverzichtbar, da Gänse Wasser für die Gefiederpflege und ihr Wohlbefinden brauchen. Ein flacher Teich, ein Bachlauf oder zumindest eine großzügig dimensionierte Wanne sollten stets verfügbar sein.
Ein wetterfester, zugluftfreier Stall dient als Nachtquartier und Schutz vor Raubwild, insbesondere vor Fuchs und Marder. Eingestreut wird mit Stroh oder Hobelspänen, die regelmäßig gewechselt werden sollten, um Parasitenbefall und Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Die Gefiederpflege übernehmen die Tiere weitgehend selbst, vorausgesetzt, sie haben Zugang zu Badewasser.
Beschäftigung ergibt sich bei der Lippegans vor allem über das natürliche Weideverhalten. Die Tiere verbringen den Großteil des Tages mit Grasen, Baden und sozialer Interaktion innerhalb der Herde. Ein abwechslungsreich gestaltetes Gelände mit Büschen, Schattenspendern und unterschiedlichen Untergründen fördert das Wohlbefinden.
Ernährung
Als typische Weidegans deckt die Lippegans einen Großteil