Lippfisch
LTierart – Fische > Meerwasserfische – Aquarium
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Labridae
- Ordnung: Lippfischartige (Labriformes)
- Familie: Lippfische (Labridae)
- Lebensraum: Korallenriffe, Felsküsten, Seegraswiesen tropischer, subtropischer und gemäßigter Meere
- Größe: 5 cm (Zwerglippfische) bis über 230 cm (Napoleon-Lippfisch)
- Gewicht: wenige Gramm bis über 190 kg
- Lebenserwartung: 3–30 Jahre, je nach Art
Aussehen & Merkmale
Lippfische gehören zu den formenreichsten Fischfamilien überhaupt. Mit rund 600 beschriebenen Arten in etwa 80 Gattungen zeigt die Familie Labridae eine enorme Vielfalt an Körperformen, Größen und Farbmustern. Gemeinsam ist den meisten Vertretern ein seitlich abgeflachter, gestreckter bis hochrückiger Körper, der von festen Cycloidschuppen bedeckt ist. Die namensgebenden fleischigen, wulstigen Lippen sind ein zentrales Erkennungsmerkmal: Sie schützen das darunter liegende Gebiss und unterstützen das Aufnehmen von Nahrung aus Spalten und von Hartsubstraten.
Das Maul ist endständig und oft vorstülpbar. Im Rachen sitzen kräftige Schlundzähne (Pharyngealia), mit denen hartschalige Beute zermalmt wird. Die Rückenflosse ist durchgehend und besteht aus einem vorderen Stachel- sowie einem hinteren Weichstrahlteil. Die Brustflossen dienen vielen Arten als primäres Antriebsorgan – Lippfische schwimmen häufig mit ruderartigen Schlägen der Pectoralflossen, was ihnen eine hohe Wendigkeit im Riff verleiht.
Die Färbung variiert innerhalb der Familie extrem stark. Tropische Gattungen wie Thalassoma, Halichoeres oder Labroides tragen leuchtend blaue, grüne, gelbe und rote Farbtöne, die sich je nach Geschlecht, Alter und sozialem Status verändern. Europäische Vertreter wie der Goldmaid (Symphodus melops) oder der Meerjunker (Coris julis) zeigen ebenfalls geschlechtsabhängige Farbunterschiede, wenn auch weniger kontrastreich.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Lippfische erstreckt sich über alle tropischen, subtropischen und gemäßigten Ozeane. Die größte Artendichte findet sich im Indopazifik, insbesondere im Korallendreieck zwischen den Philippinen, Indonesien und Papua-Neuguinea. Im Atlantik kommen zahlreiche Gattungen sowohl an der Westküste (Karibik) als auch an der Ostküste (Mittelmeer, europäische Atlantikküste) vor.
Als typisches Habitat dienen Korallenriffe, Felsriffe, Seegraswiesen und Algenwälder – also strukturreiche Biotope mit vielen Versteckmöglichkeiten. Die meisten Arten leben im Flachwasser bis etwa 30 Meter Tiefe, einige Gattungen besiedeln jedoch auch tiefere Zonen bis über 200 Meter. Im Aquarium werden vor allem kleinere tropische Arten gehalten, die an das Leben im Riffbecken angepasst sind, darunter Putzerlippfische (Labroides dimidiatus), Zwerglippfische der Gattung Cirrhilabrus und verschiedene Halichoeres-Arten.
Ernährung
Die Ernährung der Lippfische ist so vielfältig wie die Familie selbst. Die Mehrzahl der Arten ernährt sich carnivor von kleinen Wirbellosen: Krebstiere, Schnecken, Muscheln, Seeigel und Würmer stehen auf dem Speiseplan. Die kräftigen Schlundzähne ermöglichen es, selbst dickschalige Beute zu knacken. Einige großwüchsige Arten wie der Napoleon-Lippfisch (Cheilinus undulatus) fressen zusätzlich Seesterne, darunter den riffschädigenden Dornenkronenseestern.
Eine Sonderstellung nehmen die Putzerlippfische ein. Labroides dimidiatus betreibt an festen „Putzerstationen" Ektoparasitenentfernung bei anderen Fischen und ernährt sich dabei von Parasiten, abgestorbenem Gewebe und Schleim. Dieses Verhalten stellt eine der bekanntesten Formen von Mutualismus im Meer dar.
Im Meerwasseraquarium werden Lippfische mit Frost- und Lebendfutter ernährt. Mysis, Artemia, Krill, fein gehacktes Muschelfleisch und qualitativ hochwertiges Granulat bilden eine geeignete Grundlage. Für Arten, die auf Ektoparasiten spezialisiert sind, ist eine Haltung ohne natürliche Nahrungsgrundlage schwierig und wird von erfahrenen Aquarianern oft kritisch bewertet.
Verhalten & Lebensweise
Lippfische sind tagaktive Fische. Mit Einbruch der Dämmerung suchen viele Arten Schutz in Spalten, Höhlen oder graben sich im Sandboden ein – ein Verhalten, das unter anderem bei Thalassoma, Halichoeres und Coris beobachtet wird. Manche Arten spinnen dabei einen Schleimkokon um den Körper, der vermutlich den Eigengeruch kaschiert und nachtaktive Räuber wie Muränen abschreckt.
Die Sozialstruktur ist artabhängig. Viele tropische Lippfische leben in Haremsgruppen: Ein dominantes Männchen (Terminalmännchen) kontrolliert ein Revier, in dem mehrere Weibchen leben. Andere Arten bilden lose Gruppen oder leben eher solitär. Territorial- und Imponierverhalten spielen im Alltag eine große Rolle. Im Aquarium sollte man Arten mit ausgeprägtem Revierverhalten nur in ausreichend dimensionierten Becken halten, um Stress und Aggressionen unter den Tieren zu vermeiden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Ein hervorstechendes Merkmal der Lippfische ist der protogyne Geschlechtswechsel. Die meisten Arten werden als Weibchen geboren und wandeln sich unter bestimmten sozialen Bedingungen in funktionsfähige Männchen um. Dieses Phän