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Lungenenzian-Ameisenbläuling

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phengaris alcon (syn. Maculinea alcon)
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
  • Gattung: Phengaris (früher Maculinea)
  • Lebensraum: Feuchte bis nasse Magerwiesen, Streuwiesen, Niedermoore mit Beständen des Lungen-Enzians
  • Flügelspannweite: 30–36 mm
  • Gewicht: ca. 0,04–0,06 g
  • Lebenserwartung: ca. 10–11 Monate (gesamter Lebenszyklus), Imagines leben nur wenige Tage bis etwa zwei Wochen

Aussehen & Merkmale

Der Lungenenzian-Ameisenbläuling ist ein mittelgroßer Tagfalter aus der Familie der Bläulinge. Die Flügeloberseiten der Männchen zeigen ein kräftiges, leicht violett schimmerndes Blau mit einem schmalen dunklen Rand. Die Weibchen sind oberseits deutlich dunkler gefärbt, oft bräunlich mit variabel ausgeprägten blauen Schuppen im Basalbereich der Flügel. Die Flügelunterseiten beider Geschlechter sind graubraun bis hellbraun und tragen eine Reihe schwarzer, hell umrandeter Augenflecken, die in einer geschwungenen Linie über Vorder- und Hinterflügel verlaufen. Ein schmaler weißer Saum begrenzt die Flügelränder. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt mit einer deutlich verdickten Kolbe an der Spitze. Die Raupen sind in den ersten Stadien gelblichweiß bis rosafarben, im Endstadium innerhalb des Ameisennests blass cremefarben und gedrungen gebaut.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Lungenenzian-Ameisenbläulings erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Westsibirien. In Deutschland konzentrieren sich die Vorkommen auf Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und vereinzelte Standorte in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Die Art besiedelt ein sehr spezielles Habitat: Sie ist an das Vorkommen des Lungen-Enzians (Gentiana pneumonanthe) gebunden, der auf extensiv genutzten Feucht- und Streuwiesen, in Niedermooren sowie auf wechselfeuchten Heiden wächst. Diese Biotope müssen zugleich Kolonien bestimmter Knotenameisen der Gattung Myrmica beherbergen, ohne die der Entwicklungszyklus nicht abgeschlossen werden kann. Die Art gilt als Charakterart nährstoffarmer Feuchtgrünländer und reagiert äußerst empfindlich auf Veränderungen der Standortbedingungen. Durch Entwässerung, Nutzungsintensivierung und das Brachfallen von Streuwiesen sind viele ehemalige Vorkommensflächen in den letzten Jahrzehnten verschwunden.

Ernährung

Die ausgewachsenen Falter (Imagines) nehmen Nektar auf, bevorzugt an Blüten des Lungen-Enzians, aber auch an anderen Pflanzen feuchter Wiesengesellschaften. Die Raupen ernähren sich in den ersten Larvenstadien ausschließlich von den Fruchtknoten und Samenanlagen des Lungen-Enzians, in dessen geschlossenen Blütenkelchen sie sich entwickeln. Nach dem vierten Larvenstadium lassen sich die Raupen zu Boden fallen und werden von Knotenameisen der Art Myrmica rubra – seltener Myrmica ruginodis – adoptiert. Im Ameisennest angekommen, stellen sie ihre Ernährung vollständig um: Sie werden von den Arbeiterinnen mit Futtersaft versorgt oder fressen die Ameisenbrut. Diese Phase im Ameisennest dauert etwa zehn Monate und stellt den überwiegenden Teil des Larvenwachstums dar.

Verhalten & Lebensweise

Der Lungenenzian-Ameisenbläuling ist tagaktiv. Die Flugzeit der Imagines liegt je nach Region und Witterung zwischen Anfang Juli und Mitte August. Die Falter halten sich bevorzugt in unmittelbarer Nähe der Enzianbestände auf und zeigen nur einen geringen Aktionsradius. Männchen patrouillieren in niedrigem Flug über der Vegetation und suchen nach paarungsbereiten Weibchen. Beide Geschlechter ruhen bei kühler Witterung und nachts mit zusammengeklappten Flügeln an Grashalmen. Die Art ist nicht territorial im engeren Sinne, jedoch bleiben die Populationen stark an ihre Wirtspflanzenbestände gebunden, was zu einer ausgeprägten Standorttreue führt. Die Mobilität zwischen einzelnen Populationen ist gering, Ausbreitungsflüge über größere Distanzen sind selten – was die Art gegenüber Habitatfragmentierung besonders anfällig macht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an die geschlossenen Blütenknospen des Lungen-Enzians. Ein Weibchen produziert während seiner kurzen Lebensspanne etwa 50 bis 100 Eier. Die Eiablage erfolgt gezielt an noch geschlossenen oder halb geöffneten Blüten. Die Raupen schlüpfen nach ein bis zwei Wochen und bohren sich in das Innere der Blüte, wo sie sich von den Samenanlagen ernähren. Nach etwa drei Wochen und dem Erreichen des vierten Larvenstadiums verlassen die Raupen die Pflanze und lassen sich auf den Boden fallen. Dort sondern sie ein chemisches Sekret ab, das in seiner Zusammensetzung dem Oberflächenprofil der Ameisenbrut ähnelt. Knotenameisen, die auf Nahrungssuche unterwegs sind, nehmen die Raupen daraufhin auf und tragen sie in ihr Nest. Im Nest täuschen die Raupen zusätzlich durch akustische Signale – Stridulationslaute, die denen der Ameisenkönigin ähneln – einen hohen sozialen Rang vor. Die Arbeiterinnen füttern sie bevorzugt, teils auf Kosten der eigenen Brut. Die Raupe überwintert im Ameisennest, verpuppt sich im Frühjahr und schlüpft als fertiger Falter, der das Nest möglichst rasch verlässt, bevor die Ameisen die Täuschung erkennen.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Lungenenzian-Ameisenbläuling gilt in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets als stark gef