Madagaskar-Boa
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Acrantophis madagascariensis
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Boas (Boidae)
- Gattung: Acrantophis
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Trockenwälder und buschige Savannen Madagaskars
- Größe: 200–300 cm, gelegentlich bis 320 cm
- Gewicht: 5–15 kg, je nach Ernährungszustand und Geschlecht
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn ca. 20 Jahre, in Gefangenschaft bis über 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Madagaskar-Boa ist eine kräftig gebaute Riesenschlange mit einem massigen, muskulösen Körper. Der Kopf ist deutlich vom Hals abgesetzt und besitzt eine dreieckige, leicht abgeflachte Form. Die Grundfärbung variiert von einem hellen Beige bis hin zu einem satten Rotbraun oder Olivbraun. Über den gesamten Rücken zieht sich ein Muster aus dunkelbraunen bis schwarzen, rautenförmigen oder sattelartigen Flecken, die von helleren Rändern eingefasst sind. Die Flanken weisen häufig kleinere, rundliche Flecken auf. Die Bauchseite ist gelblich-weiß und meist ungemustert oder nur schwach gefleckt.
Die Schuppen der Madagaskar-Boa sind glatt und besitzen einen leichten Glanz. Wie bei anderen Vertretern der Familie der Boas befinden sich an beiden Seiten der Kloake rudimentäre Beckenknochen mit sichtbaren Aftersporen – Überreste der bei Vorfahren vorhandenen Hintergliedmaßen. Die Aftersporen sind bei Männchen in der Regel stärker ausgeprägt als bei Weibchen. An der Oberlippe befinden sich Labialgruben, wärmeempfindliche Sinnesorgane, die der Schlange helfen, warmblütige Beutetiere auch in völliger Dunkelheit zu orten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Madagaskar-Boa beschränkt sich ausschließlich auf die Insel Madagaskar, wo sie als Endemit vorkommt. Innerhalb der Insel besiedelt sie vorwiegend die feuchten tropischen Regenwälder im Osten und Nordosten, findet sich aber auch in den Trockenwäldern des westlichen Tieflandes sowie in Sekundärwäldern und Buschland. Ihr bevorzugtes Habitat reicht von Meereshöhe bis in Höhenlagen von etwa 800 Metern.
Die Art ist bodenbewohnend, hält sich aber gelegentlich auch in niedrigem Geäst oder Buschwerk auf, insbesondere juvenile Tiere klettern häufiger. Bevorzugte Biotope bieten ausreichend Deckung durch Laub, Baumstämme und Felsformationen. In der Nähe menschlicher Siedlungen wird die Madagaskar-Boa mitunter in Reisfeldern, Gärten und verlassenen Gebäuden angetroffen, wo sie dem Angebot an Nagetieren folgt.
Die eng verwandte Dumerils Boa (Acrantophis dumerili) besiedelt dagegen die trockeneren Regionen im Süden und Westen Madagaskars. Beide Arten der Gattung Acrantophis sind auf die Insel beschränkt und stellen die einzigen Vertreter der Boidae auf Madagaskar dar.
Ernährung
Die Madagaskar-Boa ernährt sich als Lauerjäger von einer Vielzahl warmblütiger Beutetiere. Hauptsächlich stehen kleine bis mittelgroße Säugetiere auf dem Speiseplan, darunter Ratten, Tenreks und gelegentlich Lemuren. Auch Vögel und deren Eier sowie in seltenen Fällen Reptilien werden erbeutet. Die Schlange wartet regungslos an geeigneten Stellen, etwa entlang von Wildwechseln oder an Gewässerrändern, bis ein Beutetier in Reichweite kommt.
Das Ergreifen der Beute erfolgt durch einen schnellen Vorstoß, bei dem die Schlange zubeißt und das Tier sofort mit ihren Körperwindungen umschlingt. Der Tod tritt durch Konstriktion ein – die Beute wird mit jeder Ausatmung fester umschlungen, bis der Kreislauf versagt. Anschließend verschlingt die Madagaskar-Boa das Beutetier mit dem Kopf voran als Ganzes. Zwischen größeren Mahlzeiten können mehrere Wochen vergehen, da der Stoffwechsel wie bei den meisten Schlangen vergleichsweise langsam arbeitet.
Verhalten & Lebensweise
Die Madagaskar-Boa ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht sie in Verstecken unter Baumstämmen, in Laubhaufen oder zwischen Wurzeln. Bei kühleren Temperaturen kann sie sich jedoch auch am Tage zum Sonnen zeigen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren – ein typisches Verhalten für ektotherme Reptilien.
Die Art lebt einzelgängerisch. Ein festes Revier im strengen Sinne verteidigt sie nicht, doch zeigen telemetrische Untersuchungen, dass Individuen über Wochen und Monate ein relativ begrenztes Streifgebiet nutzen. Bei Bedrohung rollt sich die Schlange zusammen und kann heftig zustoßen, obwohl sie grundsätzlich nicht aggressiv ist. Häufig verharrt sie stattdessen regungslos und verlässt sich auf ihre Tarnfärbung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die kühleren Monate von Mai bis August. Männchen suchen paarungsbereite Weibchen vermutlich über Pheromone auf. Während der Balz kommt es zum sogenannten Kommentkampf zwischen rivalisierenden Männchen, bei dem sich die Tiere mit den vorderen Körperabschnitten umwinden und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken. Bei der Kopulation setzt das Männchen seine Aftersporen ein, um das Weibchen zu stimulieren.
Als vivipare Schlange bringt die Madagaskar-Boa lebende Jungtiere zur Welt. Nach einer Tragzeit von etwa vier bis sechs Monaten werden zwischen 2 und 12 Jungtiere geboren, die bei der Geburt eine Länge von 30 bis