Mangrove
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Definition und Überblick
Mangroven sind tropische und subtropische Gezeitenwälder, die an geschützten Küstenabschnitten, in Flussmündungen, Lagunen und Ästuaren wachsen. Der Begriff bezeichnet sowohl den gesamten Lebensraum – das Mangrovenökosystem – als auch die darin vorkommenden salztoleranten Gehölzpflanzen. Weltweit erstrecken sich Mangrovenwälder über eine Fläche von rund 150.000 Quadratkilometern, verteilt auf über 120 Länder zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis. Sie bilden eine der produktivsten und zugleich am stärksten bedrohten Vegetationsformen der Erde.
Als Übergangszone zwischen Land und Meer nehmen Mangroven eine ökologische Sonderstellung ein. Ihr dichtes Wurzelgeflecht steht regelmäßig unter dem Einfluss der Gezeiten und schafft dabei ein komplexes Habitatmosaik, das für Hunderte von Tier- und Pflanzenarten Lebensgrundlage, Kinderstube und Nahrungsquelle zugleich ist.
Verbreitung und Standortbedingungen
Mangrovenwälder gedeihen in einem Gürtel rund um den Äquator, vorwiegend zwischen 25° nördlicher und 25° südlicher Breite. Die artenreichsten Bestände finden sich in Südostasien – insbesondere in Indonesien, Malaysia und Myanmar –, gefolgt von Westafrika, dem Golf von Bengalen und der Karibik. Vereinzelt reichen Mangroven bis in warmgemäßigte Zonen, etwa an die Küsten Japans, Neuseelands oder Floridas.
Die Standortansprüche sind spezifisch: Mangroven benötigen flache, schlammige oder sandig-schlickige Küstenabschnitte mit geringem Wellengang. Entscheidend sind regelmäßige Überflutung durch Salzwasser oder Brackwasser, ganzjährig warme Temperaturen über 20 °C und ein ausreichendes Sedimentangebot. In Bereichen mit starker Brandung oder felsigem Untergrund können sich keine Mangrovenwälder etablieren.
Anpassungen der Mangrovenpflanzen
Weltweit sind etwa 70 Baumarten als echte Mangroven klassifiziert, darunter Gattungen wie Rhizophora (Rote Mangrove), Avicennia (Schwarze Mangrove), Sonneratia und Bruguiera. Diese Pflanzen haben im Laufe der Evolution außergewöhnliche Anpassungen an ihren extremen Lebensraum entwickelt:
- Salztoleranz (Halophilie): Manche Arten filtern Salz bereits an den Wurzeln heraus (Ultrafiltration), andere scheiden es über spezielle Salzdrüsen an den Blättern aus. Einige Gattungen lagern Salz in alten Blättern ein, die anschließend abgeworfen werden.
- Luftwurzeln: Da der sauerstoffarme Schlickboden keine reguläre Wurzelatmung erlaubt, bilden Mangroven verschiedene Typen von Atemwurzeln. Rhizophora entwickelt bogenförmige Stelzwurzeln, während Avicennia sogenannte Pneumatophoren – fingerartige, senkrecht aus dem Boden ragende Atemorgane – ausbildet.
- Viviparie: Viele Mangrovenarten zeigen Lebendgeburt bei ihren Samen: Die Keimlinge entwickeln sich bereits an der Mutterpflanze zu langen, speerförmigen Propagulae, die nach dem Abfallen im Schlamm steckenbleiben oder mit der Strömung verdriftet werden und andernorts wurzeln.
Tierwelt der Mangroven
Die Mangrove beherbergt eine außerordentlich vielfältige Fauna, die sich über sämtliche Stockwerke des Ökosystems verteilt – vom Schlickboden über die Wasseroberfläche bis in die Baumkronen.
Im Wurzelbereich unter Wasser siedeln Austern, Seepocken, Schwämme und Algen, die das Wurzelgeflecht als Hartsubstrat nutzen. Zwischen den Stelzwurzeln finden juvenile Fische, Garnelen und Krabben Schutz vor Raubfischen. Zahlreiche kommerziell genutzte Fischarten – darunter Barramundi, Schnapper und Meeräschen – verbringen ihre Jugendstadien in Mangrovenbereichen, weshalb diese Wälder als Kinderstube der Meere gelten.
Auf den Schlickflächen leben Winkerkrabben (Gattung Uca), die mit ihren übergroßen Scheren Reviere verteidigen und Balzrituale vollführen. Der Schlammspringer (Periophthalmus), ein amphibisch lebender Fisch, bewegt sich auf Brustflossen über den freiliegenden Schlamm und klettert sogar auf Wurzeln. Dieses Verhalten stellt eine der ungewöhnlichsten Anpassungen an den Gezeitenrhythmus dar.
In den Baumkronen und am Waldrand leben zahlreiche Vogelarten. Mangroven dienen Reihern, Kormoranen, Pelikanen und Ibissen als Brut- und Rastplatz. In Südostasien bewohnt der Nasenaffe (Nasalis larvatus) bevorzugt Küsten- und Flussmangrovenwälder auf Borneo. Auch Krokodile – insbesondere das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) – nutzen Mangrovenbuchten als Jagdrevier und Nistgebiet. In den Gewässern mancher Mangrovengebiete kommen zudem Seekühe (Dugongs) und verschiedene Delfinarten vor.
Ökologische Funktionen
Mangrovenwälder erfüllen eine Reihe zentraler ökologischer und geophysikalischer Funktionen:
- Küstenschutz: Das dichte Wurzelsystem bremst die Energie von Sturmfluten, Tsunamis und Wellenschlag. Studien nach dem Tsunami von 2004 im Indischen Ozean zeigten, dass Küstenabschnitte mit intakten Mangrovengürteln deutlich weniger Zerstörung erlitten.
- Sedimentfang und Erosionsschutz: Mangroven stabilisieren Küstenlinien, indem sie Sedimente aus dem Wasser filtern und im Wurzelbereich festhalten. So verhindern sie den Abtrag von Küstenland.
- Kohlenstoffspeicher: