Marienkäfer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Coccinellidae (Familie)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Unterordnung: Polyphaga
- Familie: Coccinellidae
- Anzahl der Arten: Weltweit ca. 6.000, in Mitteleuropa rund 80
- Lebensraum: Wiesen, Gärten, Waldränder, Hecken, landwirtschaftliche Flächen
- Größe: 1–12 mm je nach Art
- Gewicht: ca. 20–40 mg (beim Siebenpunkt-Marienkäfer)
- Lebenserwartung: 1–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Marienkäfer besitzen den für Käfer typischen Körperbau mit drei Abschnitten: Kopf, Halsschild und Hinterleib. Ihr Körper ist halbkugelig gewölbt und an der Unterseite abgeflacht. Die auffälligsten Strukturen sind die Deckflügel (Elytren), die als verhärtete Chitinschilde das darunterliegende zweite Flügelpaar und den Hinterleib schützen. Diese Deckflügel tragen bei den meisten Arten ein kontrastreiches Punktmuster – typischerweise schwarze Punkte auf rotem oder gelbem Grund. Die Zahl der Punkte variiert je nach Art und ist kein Hinweis auf das Alter des Tieres, wie ein verbreiteter Irrglaube besagt.
Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata), die bekannteste einheimische Art, erreicht eine Körperlänge von 5,2 bis 8 mm. Er trägt auf den roten Deckflügeln sieben schwarze Punkte – drei auf jedem Flügel und einen gemeinsamen am Schildchen (Scutellum). Der Kopf ist schwarz mit zwei weißen Flecken. Die kurzen, keulenförmigen Fühler (Antennen) bestehen aus elf Gliedern und dienen vor allem dem Tast- und Geruchssinn.
Nicht alle Marienkäfer sind rot mit schwarzen Punkten. Der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Psyllobora vigintiduopunctata) ist zitronengelb, der Vierzehnpunkt-Marienkäfer (Propylea quatuordecimpunctata) zeigt ein schwarz-gelbes Schachbrettmuster. Einige Arten besitzen gar keine Punkte.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie der Coccinellidae ist nahezu weltweit verbreitet. Marienkäfer besiedeln unterschiedlichste Habitate von der Meeresküste bis in alpine Höhenlagen von über 2.500 Metern. Ihr bevorzugtes Biotop sind offene und halboffene Landschaften mit krautiger Vegetation: Wiesen, Gärten, Feldränder, Hecken und lichte Wälder. Entscheidend für die Wahl des Lebensraums ist das Vorkommen von Blattläusen und anderen Beutetieren.
In Mitteleuropa zählen der Siebenpunkt-Marienkäfer, der Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) und der Vierzehnpunkt-Marienkäfer zu den häufigsten Arten. Seit Beginn der 2000er-Jahre breitet sich zudem der aus Ostasien stammende Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) als Neozoon stark in Europa aus. Dieser wurde ursprünglich zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführt und verdrängt durch seine hohe Reproduktionsrate und Nahrungskonkurrenz zunehmend einheimische Arten.
Ernährung
Die meisten Marienkäferarten ernähren sich räuberisch. Blattläuse (Aphidoidea) bilden die Hauptnahrung der bekanntesten Vertreter. Ein einzelner Siebenpunkt-Marienkäfer kann im Laufe seines Lebens bis zu 5.000 Blattläuse vertilgen, eine Larve frisst während ihrer Entwicklung etwa 400 bis 600 Stück. Neben Blattläusen stehen Schildläuse, Spinnmilben, Weiße Fliegen und die Eier anderer Insekten auf dem Speiseplan.
Einige Arten weichen von dieser räuberischen Ernährungsweise ab. Die Gattung Psyllobora ernährt sich von Mehltaupilzen, die auf Blattoberflächen wachsen. Andere Arten, etwa der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata), sind Pflanzenfresser und können gelegentlich an Kulturpflanzen Schäden verursachen.
Verhalten & Lebensweise
Marienkäfer sind tagaktive Insekten, die sich bei Sonnenschein und warmen Temperaturen am aktivsten zeigen. Bei Bedrohung setzen sie eine gelbliche, alkaloidhaltige Flüssigkeit aus den Beingelenken frei – ein Vorgang, der als Reflexbluten bezeichnet wird. Diese Hämolymphe schmeckt bitter und signalisiert Fressfeinden wie Vögeln, Eidechsen oder Spinnen, dass der Käfer ungenießbar ist. Die auffällige Warnfärbung (Aposematismus) der Deckflügel unterstützt diesen Schutzmechanismus.
Ein charakteristisches Verhalten zeigen Marienkäfer im Herbst: Zur Überwinterung versammeln sie sich oft in großen Aggregationen an geschützten Stellen – unter Laub, in Mauerritzen, Dachböden oder an Felsen. Diese Winterquartiere können von mehreren Hundert bis zu Millionen von Individuen besetzt sein. Die Tiere fallen in eine Winterstarre (Diapause), während der sie von ihren Fettreserven zehren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Überwinterung beginnt die Paarungszeit im Frühjahr, sobald die Temperaturen dauerhaft über 12 °C liegen. Das Weibchen legt nach der Begattung mehrere Hundert Eier in kleinen Gelegen von 10 bis 60 Stück an die Unterseite von Blättern – bevorzugt in der Nähe von Blattlauskolonien, um den schlüpfenden Larven unmittelbaren Zugang zu Nahrung zu sichern.
Die Larven schlüpfen nach etwa einer Woche. Sie durchlaufen vier Larvenstadien und häuten sich dabei dreimal. Die Larven sind länglich, dunkel gefärbt und mit Dornen oder Warzen besetzt