Mauerfuchs
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lasiommata megera
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
- Gattung: Lasiommata
- Lebensraum: Trockene, warme Offenlandschaften, Mauern, Felsfluren, Wegränder
- Flügelspannweite: 40–52 mm
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung: Etwa 10–12 Monate (gesamter Lebenszyklus); Falter leben ca. 2–4 Wochen
Aussehen & Merkmale
Der Mauerfuchs ist ein mittelgroßer Tagfalter mit einer Flügelspannweite von 40 bis 52 Millimetern. Die Flügeloberseiten zeigen eine warme, orangebraune Grundfärbung, die von einem deutlichen Netz dunkelbrauner Linien durchzogen ist. Dieses gitterartige Muster unterscheidet ihn gut von anderen heimischen Augenfaltern. An den Vorderflügelspitzen befindet sich je ein auffälliger Augenfleck mit schwarzem Kern und hellem Pupillenpunkt. Die Hinterflügel tragen auf der Oberseite eine Reihe kleinerer Augenflecke, die in einer gebogenen Linie angeordnet sind.
Die Flügelunterseiten sind deutlich matter gefärbt. Die Unterseite der Hinterflügel zeigt ein fein marmoriertes Muster in Grau- und Brauntönen mit einer Reihe kleiner, hell umrandeter Augenflecke. Diese Tarnfärbung macht den Falter bei zusammengeklappten Flügeln auf Steinen und Felsen nahezu unsichtbar. Die Vorderflügelunterseite wiederholt das orange Grundmuster der Oberseite, ist jedoch blasser.
Ein Geschlechtsdimorphismus ist vorhanden: Männchen besitzen auf den Vorderflügeln einen deutlichen, schräg verlaufenden Duftschuppenstreifen (Androkonien), der den Weibchen fehlt. Weibchen sind insgesamt etwas größer und heller gefärbt. Der Körper ist bräunlich behaart, die Fühler enden in einer deutlich abgesetzten Kolbe. Die Raupen sind grün mit feinen, hellen Längslinien und erreichen eine Länge von etwa 25 mm.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Mauerfuchses erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Westasiens. In Europa reicht das Areal von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln bis nach Kleinasien und in den Kaukasus. Nördlich kommt die Art bis Südschweden und ins Baltikum vor, südlich bis Nordafrika einschließlich Marokko, Algerien und Tunesien.
In Mitteleuropa besiedelt der Mauerfuchs bevorzugt trockene, sonnige und wärmebegünstigte Habitate. Typische Biotope sind Trockenmauern, Felshänge, Steinbrüche, Bahndämme, Ruderalflächen, magere Wegränder und lückige Trockenrasen. Der Name der Art leitet sich von der Vorliebe der Falter für Mauern und steinige Strukturen ab, auf denen sie sich häufig zum Sonnen niederlassen. In den Alpen ist der Mauerfuchs bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern anzutreffen, in Südeuropa auch höher.
In Teilen Nordwesteuropas, darunter in den Niederlanden und Teilen Großbritanniens, hat die Art in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Bestandsrückgänge erfahren – ein Phänomen, das Gegenstand laufender Forschung ist und möglicherweise mit veränderten klimatischen Bedingungen zusammenhängt.
Ernährung
Die adulten Falter ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Zu den bevorzugten Nektarquellen gehören Thymian, Oregano, Flockenblumen, Disteln und verschiedene Doldenblütler. Daneben saugen Mauerfüchse gelegentlich an feuchten Bodenstellen, um Mineralsalze aufzunehmen – ein Verhalten, das als „Mud-Puddling" bezeichnet wird und vor allem bei Männchen beobachtet wird.
Die Raupen des Mauerfuchses fressen ausschließlich an Süßgräsern (Poaceae). Zu den nachgewiesenen Futterpflanzen zählen unter anderem Schafschwingel (Festuca ovina), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Gewöhnliches Rispengras (Poa trivialis) und verschiedene weitere Gräserarten. Die Raupen fressen überwiegend in der Dämmerung und nachts, tagsüber ruhen sie gut getarnt an den Grashalmen.
Verhalten & Lebensweise
Der Mauerfuchs ist ein ausgesprochen wärmeliebender Tagfalter. Er zeigt ein charakteristisches Sonnverhalten: Die Falter setzen sich mit ausgebreiteten Flügeln auf helle Steine, Mauern oder unbewachsene Bodenstellen und richten ihren Körper so aus, dass sie maximale Sonneneinstrahlung aufnehmen. Dieses Thermoregulationsverhalten ermöglicht es ihnen, schon bei relativ niedrigen Außentemperaturen flugaktiv zu werden.
Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Sie besetzen exponierte, sonnige Sitzwarten und verteidigen diese gegen Artgenossen und andere vorbeifliegende Schmetterlinge durch kurze, schnelle Verfolgungsflüge. Nach diesen Patrouillenflügen kehren sie häufig zum gleichen Sitzplatz zurück. Der Flug des Mauerfuchses ist schnell und wendig, mit kurzen Gleitphasen.
In Mitteleuropa fliegt die Art in zwei bis drei Generationen pro Jahr. Die erste Generation erscheint von April bis Juni, die zweite von Juli bis September. In warmen Jahren und südlichen Regionen kann eine partielle dritte Generation im Oktober auftreten. In kühleren Klimaten oder höheren Lagen bildet sich nur eine Generation aus.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Mauerfüchse beginnt mit der Revierverteidigung des Männchens. Nähert sich ein Weibchen, führt das Männchen einen Balzflug durch, bei dem die Duftschuppen der Vorderflügel