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Maul- und Klauenseuche

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hochansteckende, akut verlaufende Viruserkrankung, die nahezu ausschließlich Paarhufer (Artiodactyla) befällt. Betroffen sind vor allem Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer wie Rehe, Hirsche und Wildschweine. Die Erkrankung zählt weltweit zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Tierseuchen und ist in Deutschland sowie der gesamten Europäischen Union anzeigepflichtig. Das bedeutet: Bereits der Verdacht auf MKS muss unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.

Charakteristisch für die Maul- und Klauenseuche ist die Bildung von Bläschen (Vesikeln) und Erosionen an den Schleimhäuten des Mauls, am Kronsaum der Klauen sowie am Euter. Obwohl die Sterblichkeit bei erwachsenen Tieren vergleichsweise gering ist, kann sie bei Jungtieren – insbesondere bei Kälbern und Ferkeln – durch eine virusbedingte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) erheblich ansteigen. Die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung ergibt sich weniger aus der direkten Mortalität als vielmehr aus Leistungseinbußen bei der Milchproduktion, Gewichtsverlust, Fruchtbarkeitsstörungen und den drastischen Handelsrestriktionen, die ein Seuchenausbruch nach sich zieht.

Ursachen & Risikofaktoren

Erreger der MKS ist das Maul-und-Klauenseuche-Virus (MKSV), ein unbehülltes RNA-Virus aus der Familie der Picornaviridae, Gattung Aphthovirus. Es existieren sieben Serotypen (O, A, C, SAT 1–3, Asia 1) mit zahlreichen Subtypen, was die Bekämpfung durch Impfung erheblich erschwert. Eine durchgemachte Infektion mit einem Serotyp schützt nicht vor der Ansteckung mit einem anderen.

Das Virus ist außerordentlich kontagiös. Die Übertragung erfolgt auf mehreren Wegen:

  • Direkter Kontakt zwischen infizierten und empfänglichen Tieren über Speichel, Nasensekret, Milch, Samen und Bläschenflüssigkeit
  • Indirekter Kontakt über kontaminierte Kleidung, Gerätschaften, Fahrzeuge, Futtermittel oder Einstreu
  • Aerogene Ausbreitung über die Luft, insbesondere bei Schweinen, die große Virusmengen ausatmen – unter günstigen Witterungsbedingungen über Distanzen von bis zu 60 Kilometern über Land und noch weiter über Wasser

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen der Import von Tieren oder tierischen Erzeugnissen aus endemisch betroffenen Regionen (Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas), unzureichende Biosicherheitsmaßnahmen in Betrieben sowie eine hohe Tierdichte in Viehbeständen. Auch die Verfütterung nicht ausreichend erhitzter Speiseabfälle kann als Eintragsquelle dienen – ein Umstand, der historisch bei mehreren europäischen Ausbrüchen nachgewiesen wurde.

Symptome & Erkennung

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis acht Tage, kann aber je nach Infektionsdosis und Erregertyp zwischen einem und vierzehn Tagen variieren. Das klinische Bild unterscheidet sich je nach Tierart:

Rinder zeigen typischerweise hohes Fieber (bis 41 °C), gefolgt von starkem Speichelfluss (Ptyalismus) mit schmatzenden Kaubewegungen. An der Maulschleimhaut, der Zunge und den Lippen bilden sich flüssigkeitsgefüllte Blasen (Aphthen), die rasch aufbrechen und schmerzhafte Erosionen hinterlassen. Parallel entstehen Bläschen am Kronsaum und im Zwischenklauenspalt, was zu deutlicher Lahmheit führt. Am Euter treten Zitzenläsionen auf, die eine Mastitis begünstigen können. Die Futteraufnahme ist stark reduziert, der Milchertrag sinkt drastisch.

Schweine fallen vor allem durch ausgeprägte Klauenläsionen auf, die zu schwerem Lahmen bis hin zum Festliegen führen. Maulbefunde sind häufig weniger auffällig als beim Rind, dafür kann es zum vollständigen Ausschuhen kommen – dem Ablösen des Klauenschuhs.

Schafe und Ziegen erkranken oft milder, was die frühzeitige Erkennung erschwert. Gerade bei Schafen bleibt die Infektion nicht selten klinisch unauffällig, weshalb sie als unerkannte Virusverbreiter eine besondere epidemiologische Rolle spielen.

Bei Jungtieren verläuft die Erkrankung häufig perakut: Ohne vorherige Bläschenbildung kommt es durch eine akute Myokarditis zu plötzlichen Todesfällen, wobei die Letalität bei Kälbern und Ferkeln bis zu 50 Prozent und mehr betragen kann.

Diagnose

Die klinische Verdachtsdiagnose stützt sich auf das typische Bild von Fieber, Bläschenbildung an Maul und Klauen sowie Lahmheit bei Paarhufern. Differenzialdiagnostisch müssen andere vesikuläre Erkrankungen abgegrenzt werden, insbesondere die Bläschenstomatitis (Vesikulärstomatitis), die Bläschenkrankheit der Schweine (Vesikuläre Schweinekrankheit) sowie die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) und die Blauzungenkrankheit.

Die labordiagnostische Bestätigung erfolgt ausschließlich in zugelassenen Referenzlaboratorien. Dabei kommen folgende Verfahren zum Einsatz: