Meer
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Definition und Überblick
Als Meer bezeichnet man die zusammenhängende Wassermasse aus Salzwasser, die rund 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt. In der Biologie und Ökologie stellt das Meer den größten zusammenhängenden Lebensraum des Planeten dar – das marine Ökosystem. Synonym werden die Begriffe Ozean, See (im Sinne von „hohe See") und Weltmeer verwendet, wobei „Ozean" im engeren Sinne die großen Ozeanbecken (Pazifik, Atlantik, Indischer Ozean, Arktischer Ozean und Südpolarmeer) meint. Nebenmeere wie die Nordsee, das Mittelmeer oder die Ostsee sind über Meerengen mit den Ozeanen verbunden und weisen teilweise eigene ökologische Bedingungen auf.
Das Meer beherbergt nach aktuellen Schätzungen zwischen einer und zwei Millionen beschriebener Arten – von mikroskopisch kleinen Bakterien über Planktonorganismen bis hin zu den größten Tieren, die jemals gelebt haben, wie dem Blauwal. Gleichzeitig gelten weite Bereiche der Tiefsee als kaum erforscht, sodass die tatsächliche Artenvielfalt deutlich höher liegen dürfte.
Physikalische und chemische Eigenschaften
Der durchschnittliche Salzgehalt (Salinität) des Meerwassers beträgt etwa 3,5 Prozent, wobei Natriumchlorid den Hauptanteil ausmacht. In abgeschlossenen Meeresbecken wie dem Roten Meer liegt die Salinität höher, in Randmeeren mit starkem Süßwasserzufluss wie der Ostsee deutlich niedriger. Der Salzgehalt beeinflusst die Artenzusammensetzung erheblich: Viele marine Organismen sind stenohalin, also nur an einen engen Salinitätsbereich angepasst, während euryhaline Arten wie der Europäische Aal oder der Lachs zwischen Süß- und Salzwasser wechseln können.
Die Wassertemperatur reicht von etwa –2 °C unter polarem Meereis bis über 30 °C in tropischen Flachwasserzonen. Unterhalb der lichtdurchfluteten Oberflächenschicht sinkt die Temperatur in der sogenannten Thermokline rasch ab. In der Tiefsee herrschen nahezu konstant Temperaturen zwischen 1 und 4 °C. Meeresströmungen – darunter der Golfstrom, der Humboldtstrom und der Kuroshio – transportieren Wärme und Nährstoffe über große Entfernungen und prägen sowohl das Klima als auch die Verteilung mariner Lebensgemeinschaften.
Gliederung des marinen Lebensraums
Das Meer wird ökologisch in verschiedene Zonen unterteilt, die sich nach Tiefe und Lichteinfall richten:
- Pelagial – der Freiwasserbereich, untergliedert in Epipelagial (0–200 m), Mesopelagial (200–1.000 m), Bathypelagial (1.000–4.000 m), Abyssopelagial (4.000–6.000 m) und Hadopelagial (über 6.000 m, Tiefseegräben).
- Benthal – der Meeresboden mit seinen Lebensgemeinschaften, vom Flachwasser der Küste (Litoral) bis zur abyssalen und hadalen Zone.
- Euphotische Zone – die oberen rund 200 Meter, in denen genügend Licht für Photosynthese vorhanden ist. Hier findet der Großteil der marinen Primärproduktion statt.
- Aphotische Zone – der lichtlose Bereich unterhalb von etwa 1.000 Metern, in dem Organismen auf Chemosynthese, herabsinkende organische Partikel (Meeresschnee) oder hydrothermale Quellen angewiesen sind.
Lebensgemeinschaften und ökologische Bedeutung
Die Basis der marinen Nahrungsnetze bilden Phytoplanktonorganismen – einzellige Algen wie Kieselalgen (Diatomeen) und Dinoflagellaten. Sie erzeugen durch Photosynthese etwa die Hälfte des globalen Sauerstoffs und binden enorme Mengen an Kohlendioxid. Das Zooplankton, darunter Copepoden, Krill und Larven von Fischen und Wirbellosen, ernährt sich vom Phytoplankton und bildet seinerseits die Nahrungsgrundlage für Fische, Wale und Seevögel.
Zu den artenreichsten marinen Lebensräumen gehören Korallenriffe, die trotz ihres geringen Flächenanteils (unter 0,1 Prozent der Meeresoberfläche) rund ein Viertel aller bekannten Meeresarten beherbergen. Riffbildende Steinkorallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen, einzelligen Algen, die ihnen durch Photosynthese Energie liefern. Weitere artenreiche Habitate sind Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Kelpwälder, die als Kinderstube für zahlreiche Fischarten dienen und Küsten vor Erosion schützen.
In der Tiefsee existieren eigenständige Ökosysteme an hydrothermalen Quellen (Black Smokers) und kalten Sickerstellen (Cold Seeps). Dort nutzen chemolithoautotrophe Bakterien Schwefelwasserstoff oder Methan als Energiequelle. Röhrenwürmer, Muscheln und Tiefseekrabben leben in Symbiose mit diesen Bakterien – unabhängig vom Sonnenlicht.
Bedrohungen und Umweltprobleme
Marine Ökosysteme stehen unter erheblichem Druck. Die Überfischung hat zahlreiche Fischbestände auf kritische Niveaus reduziert; laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelten über ein Drittel der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt. Industrielle Fangmethoden wie Grundschleppnetzfischerei zerstören Bodenlebensgemeinschaften und erzeugen hohen Beifang.
Die Ozeanerwärmung infolge des Klimawandels führt zur Korallenbleiche, verschiebt Verbreitungsgebiete von Tierarten polwärts und verändert Strömungsmuster. Parallel dazu sinkt der pH-Wert des Meerwassers durch verstärkte CO₂-Aufnahme – ein Vorgang, der als Ozeanversauerung