Meerechse
MTierart – Reptilien > Echsen – Agamen & Leguane
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Amblyrhynchus cristatus
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
- Familie: Leguane (Iguanidae)
- Gattung: Amblyrhynchus (monotypisch)
- Lebensraum: Felsküsten und Lavastrände der Galápagos-Inseln
- Größe: 60–100 cm (Gesamtlänge, je nach Unterart und Geschlecht)
- Gewicht: 1–12 kg
- Lebenserwartung: ca. 25–30 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Meerechse ist die weltweit einzige Echse, die sich regelmäßig im Meer aufhält und dort Nahrung sucht. Ihr gedrungener, kräftiger Körperbau ist an das Leben zwischen Brandungszone und Lavafels angepasst. Die Grundfärbung ist überwiegend dunkelgrau bis schwarz, was die Absorption von Sonnenwärme begünstigt – ein entscheidender Vorteil für ein ektothermes Reptil, das nach dem Tauchen im kalten Pazifik rasch Körpertemperatur zurückgewinnen muss. Während der Paarungszeit entwickeln Männchen auf einigen Inseln, insbesondere auf Española, leuchtend rote und grüne Farbtöne an Flanken und Schultern.
Der Kopf ist stumpf und breit; die Schnauze ist abgeflacht, damit das Tier Algen effizient von Felsen abweiden kann. Dreizackige, seitlich abgeplattete Zähne sitzen eng beieinander und funktionieren wie eine Raspel. Entlang des Nackens und des Rückens erstreckt sich ein Kamm aus stacheligen Schuppen, der bei adulten Männchen besonders ausgeprägt ist. Der seitlich abgeflachte Schwanz dient als Hauptantrieb beim Schwimmen, während die fünf bekrallten Zehen an den kräftigen Gliedmaßen dem Tier festen Halt auf glatten, wellenumspülten Lavafelsen verschaffen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Meerechse beschränkt sich ausschließlich auf den Galápagos-Archipel, der rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors im Pazifik liegt. Die Tiere besiedeln nahezu alle größeren Inseln des Archipels. Ihr bevorzugtes Habitat sind flache, felsige Küstenabschnitte mit ausgedehnten Gezeitenzonen, in denen submarine Algenrasen gedeihen. Sandstrände dienen vor allem als Eiablageplätze. Mangrovenküsten werden ebenfalls genutzt, dort teilt sich die Meerechse das Biotop bisweilen mit dem nahe verwandten Galápagos-Landleguan (Conolophus subcristatus). Auf der Insel South Plaza kommt es sogar zu natürlichen Hybridisierungen zwischen beiden Gattungen.
Aufgrund geografischer Isolation und unterschiedlicher Selektionsdrücke auf den einzelnen Inseln werden derzeit elf Unterarten anerkannt. Die Tiere auf Española und Genovesa unterscheiden sich in Körpergröße, Färbung und Tauchverhalten teils erheblich von den Populationen auf Isabela oder Santa Cruz.
Ernährung
Die Meerechse ernährt sich fast ausschließlich herbivor. Hauptnahrungsquelle sind marine Rot- und Grünalgen der Gattungen Ulva, Gelidium und Centroceras, die auf untergetauchten Lavasteinen wachsen. Große Männchen tauchen dafür bis in Tiefen von 10–15 Metern und bleiben dabei bis zu 30 Minuten unter Wasser. Kleinere Tiere und Weibchen weiden dagegen meist in der Gezeitenzone, ohne vollständig abzutauchen.
Beim Fressen nimmt die Meerechse zwangsläufig größere Mengen Salzwasser auf. Um das überschüssige Salz auszuscheiden, verfügt sie über spezielle Salzdrüsen in der Nasenhöhle. Das konzentrierte Sekret wird in regelmäßigen Abständen durch kräftiges Niesen ausgestoßen – ein Verhalten, das sich gut beobachten lässt, wenn sich die Echsen nach dem Tauchgang auf den Felsen sonnen.
Verhalten & Lebensweise
Meerechsen sind tagaktiv. Den überwiegenden Teil des Tages verbringen sie mit Thermoregulation: Morgens liegen sie dicht gedrängt in großen Ansammlungen auf dunklen Lavafelsen, um sich aufzuwärmen, bevor sie ins kühle Wasser gehen. Nach dem Nahrungserwerb kehren sie an Land zurück und richten sich flach zur Sonne aus, um die Körpertemperatur auf optimale 35–37 °C zu bringen. Bei Überhitzung heben sie den Körper vom Substrat ab oder öffnen das Maul, ähnlich dem Hecheln bei Krokodilen.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit zeigen die Tiere kaum territoriales Verhalten. Sie bilden lose Aggregationen, die mehrere Hundert Individuen umfassen können. Gegenüber Fressfeinden – vor allem dem Galápagos-Bussard (Buteo galapagoensis) und verwilderten Hauskatzen – reagieren sie mit Erstarren oder Flucht ins Wasser. Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen ausschließlich die Männchen während der Balzzeit.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt auf die kühleren Monate zwischen Januar und April, variiert jedoch leicht zwischen den Inseln. Männchen verteidigen während der Balz kleine Territorien, indem sie sich seitlich aufstellen, den Rückenkamm aufrichten und Rivalen durch Kopfnicken und Zubeißen vertreiben. Dominante Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen (Polygynie).
Etwa vier bis sechs Wochen nach der Kopulation legen die Weibchen ein bis sechs lederschalige Eier in selbst gegrabene Nester in Sand- oder Ascheböden. Die Inkubationszeit beträgt je nach Bodentemperatur 85–120 Tage. Die Schlüpflinge sind rund 12–15 cm lang und vollständig auf sich gestellt. Besonders in der ersten Lebensphase fallen viele Jungtiere den auf einigen Inseln eingeschleppten Galápagos-Nattern (Pseudal