Mehlwurm
MTierart – Insekten > Käfer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tenebrio molitor (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Schwarzkäfer (Tenebrionidae)
- Gattung: Tenebrio
- Lebensraum: Vorratsräume, Getreidespeicher, Mühlen, Bäckereien; sekundär in Vogelnestern und unter Baumrinde
- Größe: Larve bis 30 mm, adulter Käfer 12–18 mm
- Gewicht: Larve ca. 100–160 mg, adulter Käfer ca. 100–200 mg
- Lebenserwartung: Gesamter Lebenszyklus 6–12 Monate; adulte Käfer leben etwa 2–3 Monate
Aussehen & Merkmale
Der Begriff „Mehlwurm" bezeichnet streng genommen nicht einen Wurm, sondern das Larvenstadium des Mehlkäfers (Tenebrio molitor). Die Larve besitzt einen langgestreckten, zylindrischen Körper, der in zahlreiche Segmente gegliedert ist. Ihre Chitinhülle ist glatt und glänzend, die Farbe variiert von gelblich-braun bis dunkelbraun. Am Kopfende befinden sich kräftige Mundwerkzeuge vom kauend-beißenden Typ sowie kurze, dreigliedrige Antennen. Die drei vorderen Körpersegmente tragen jeweils ein Paar kurzer Brustbeine, die der Fortbewegung dienen. Abdominale Beinpaare fehlen, was die Larve deutlich von echten Raupen unterscheidet.
Der adulte Mehlkäfer zeigt die typische Gestalt der Schwarzkäfer: ein abgeflachter, länglich-ovaler Körper mit verhärteten Flügeldecken (Elytren), die feine Längsrillen aufweisen. Frisch gehäutete Imagines sind zunächst hellbraun und dunkeln innerhalb weniger Tage zu einem matten Schwarzbraun nach. Die fadenförmigen Fühler bestehen aus elf Gliedern und sind perlschnurartig aufgebaut. Obwohl der Käfer voll ausgebildete Hinterflügel unter den Elytren besitzt, fliegt er nur selten und bei warmen Temperaturen.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Tenebrio molitor liegt vermutlich in den gemäßigten Regionen Europas. Durch den weltweiten Handel mit Getreide und anderen Lebensmitteln hat sich die Art als Kulturfolger kosmopolitisch ausgebreitet. Heute kommt sie auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor.
Das bevorzugte Habitat des Mehlkäfers sind dunkle, warme und trockene Orte mit reichlichem Zugang zu stärkehaltigen Substanzen. In der Natur besiedelt die Art gelegentlich Baumhöhlen, Vogelnester und die Nester von Hautflüglern, wo sich organisches Material ansammelt. Weit häufiger trifft man Tenebrio molitor jedoch in anthropogenen Biotopen an: Getreidespeicher, Mehlmühlen, Bäckereien, Lagerhäuser und Futtermittelvorräte bieten ideale Lebensbedingungen. Die optimale Temperatur für die Entwicklung liegt zwischen 25 und 30 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60–70 %.
Ernährung
Mehlwürmer sind Allesfresser mit einer Vorliebe für pflanzliche Kost. In ihrem typischen Umfeld ernähren sich die Larven vorwiegend von Mehl, Getreideprodukten, Kleie, Haferflocken und anderen stärkereichen Substraten. Daneben fressen sie auch tote Insekten, abgestorbenes Pflanzenmaterial und gelegentlich frisches Obst oder Gemüse, das ihnen als Feuchtigkeitsquelle dient. Kannibalismus tritt auf, wenn die Besatzdichte hoch ist oder die Nahrung knapp wird – insbesondere frisch gehäutete Larven und Puppen werden dann von Artgenossen angefressen.
Die adulten Käfer nehmen ebenfalls Getreideprodukte und organische Abfälle zu sich, fressen jedoch insgesamt weniger als die Larven. Im Larvenstadium wird der größte Teil der Energie für Wachstum und die Anlage von Fettreserven aufgewendet, die später der Metamorphose dienen.
Verhalten & Lebensweise
Tenebrio molitor ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sich Larven und adulte Käfer in dunklen Spalten, unter Brettern oder tief im Substrat. Bei Dunkelheit werden die Tiere aktiv und suchen nach Nahrung. Die Larven bewegen sich grabend durch das Substrat, während die Käfer langsam auf der Oberfläche umherlaufen. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten oder die Bildung sozialer Gruppen sind nicht bekannt – die Tiere leben gesellig, ohne organisierte Sozialstruktur.
Bei Störung zeigen die Larven ein typisches Totstell-Verhalten (Thanatose): Sie rollen sich zusammen und verharren regungslos. Adulte Käfer sondern bei Bedrohung über Drüsen im Hinterleib ein übelriechendes Sekret ab, das Benzochinone enthält. Diese chemische Abwehr ist charakteristisch für viele Vertreter der Familie Tenebrionidae und verleiht ihnen den Namen „Stinkkäfer".
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung beginnt wenige Tage nach dem Schlüpfen der adulten Käfer. Eine spezifische Balz im engeren Sinne findet nicht statt; die Männchen lokalisieren paarungsbereite Weibchen über Pheromone. Nach der Kopulation legt das Weibchen über einen Zeitraum von mehreren Wochen insgesamt 200 bis 500 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen ins Substrat ab. Die weißlichen, ovalen Eier sind etwa 1,5 mm lang und mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Bei Temperaturen um 25 °C schlüpfen die Larven nach 10 bis 14 Tagen. Sie durchlaufen je nach Umweltbedingungen 9 bis 20 Häutungen (Larvenstadien), wobei die gesamte Larvalentwicklung zwischen zwei und sechs Monaten dauert. Am Ende der Larvalphase verpuppt sich das Tier. Die Puppe ist zunächst weiß und weich, dunkelt aber rasch nach. Das Puppenstadium dauert etwa 6 bis 20 Tage, bevor der fertige