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Milz

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Die Milz (lat. Lien, griech. Splen) ist ein parenchymatöses, unpaares Organ des lymphatischen Systems und das größte sekundäre lymphatische Organ im Körper der Haussäugetiere und Vögel. Sie liegt intraperitoneal in der linken Bauchhälfte, in engem Kontakt zum Magen, und ist über das Ligamentum gastrolienale (Aufhängeband) mit der großen Kurvatur des Magens verbunden. Die Milz gehört funktionell sowohl zum Immunsystem als auch zum Blutkreislauf, da sie an der Blutfiltration, der Immunabwehr und – je nach Tierart – auch als Blutspeicher beteiligt ist. Obwohl die Milz kein lebenswichtiges Organ darstellt und eine Splenektomie (operative Entfernung) überlebt werden kann, erfüllt sie zahlreiche Aufgaben, die nach ihrem Verlust nur teilweise von anderen Organen kompensiert werden.

Aufbau & Struktur

Die Milz wird von einer derben Bindegewebskapsel (Tunica fibrosa) umgeben, die bei vielen Tierarten reichlich glatte Muskulatur enthält (Tunica muscularis). Von der Kapsel ziehen bindegewebige Septen, die sogenannten Trabekel (Trabeculae lienis), ins Organinnere und bilden ein Gerüstwerk. Am Hilus lienis (Milzhilus) treten die Arteria lienalis und die Vena lienalis sowie Nerven und Lymphgefäße ein bzw. aus.

Das Milzparenchym – die Pulpa lienis – wird in zwei funktionell und morphologisch unterscheidbare Anteile gegliedert:

  • Weiße Pulpa (Pulpa alba): Sie besteht aus lymphatischem Gewebe, das die Zentralarterien in Form der periarteriolären lymphatischen Scheiden (PALS) umgibt. In die PALS eingelagert finden sich Milzknötchen (Noduli lymphoidei lienales, auch Malpighi-Körperchen), die B-Lymphozyten-Areale mit Keimzentren enthalten. Die Marginalzone bildet den Übergang zur roten Pulpa.
  • Rote Pulpa (Pulpa rubra): Sie macht den größten Anteil des Parenchyms aus und besteht aus einem Netzwerk von Milzsinus (Sinus venosi lienis) und den dazwischenliegenden Milzsträngen (Pulpastränge, Billroth-Stränge). In den Milzsträngen befinden sich Makrophagen, Erythrozyten, Thrombozyten und weitere Blutzellen.

Hinsichtlich der Blutströmung unterscheidet man einen geschlossenen Kreislauf, bei dem das Blut direkt von den Arterien in die Sinus übertritt, und einen offenen Kreislauf, bei dem das Blut zunächst in das retikuläre Maschenwerk der Pulpastränge gelangt und erst sekundär in die Sinus eintritt. Die meisten Haussäugetiere besitzen einen überwiegend offenen Milzkreislauf, wobei das Verhältnis tierartlich variiert.

Funktion

Die Milz erfüllt mehrere zentrale Aufgaben:

  • Blutfiltration und Blutzellabbau (Blutmauserung): Überalterte oder geschädigte Erythrozyten werden in der roten Pulpa durch Makrophagen erkannt und phagozytiert. Dabei wird das Hämoglobin abgebaut und das Eisen recycelt.
  • Immunabwehr: In der weißen Pulpa findet die Antigenpräsentation statt. T-Lymphozyten in den PALS und B-Lymphozyten in den Milzknötchen werden durch blutbürtige Antigene aktiviert. Die Milz ist das wichtigste Organ für die Immunantwort gegen im Blut zirkulierende Erreger.
  • Blutspeicherung: Insbesondere bei Tierarten mit muskelstarker Kapsel dient die Milz als Blutreservoir. Durch Kontraktion der glatten Muskulatur in Kapsel und Trabekeln kann bei körperlicher Belastung, Stress oder Blutverlust ein erhebliches Blutvolumen in den Kreislauf ausgestoßen werden.
  • Extravaskuläre Hämatopoese: Während der Fetalperiode ist die Milz ein bedeutender Ort der Blutbildung. Im adulten Tier kann die Hämatopoese unter pathologischen Bedingungen (z. B. bei chronischer Anämie) reaktiviert werden – man spricht dann von extramedullärer Hämatopoese.
  • Thrombozytenspeicherung: Ein relevanter Anteil der Thrombozyten wird in der Milz gespeichert und bei Bedarf freigesetzt.

Unterschiede zwischen Tierarten

Form, Größe und funktionelle Ausprägung der Milz variieren erheblich zwischen den Tierarten:

  • Pferd (Equus caballus): Die Milz ist besonders groß, sichelförmig und besitzt eine stark muskuläre Kapsel. Sie fungiert als hocheffektiver Blutspeicher. Unter Belastung kann die Milzkontraktion den Hämatokrit um bis zu 10–15 Prozentpunkte steigern – eine wichtige physiologische Anpassung an die Fluchttiernatur.
  • Hund (Canis lupus familiaris): Die Milz ist zungenförmig, relativ groß und besitzt ein stark ausgeprägtes Sinussystem. Sie neigt vergleichsweise häufig zu Neoplasien, insbesondere zum Hämangiosarkom.
  • Katze (Felis catus): Die Milz ist kleiner und schmaler als beim Hund, mit weniger ausgeprägter Speicherfunktion.
  • Wiederkäuer (Ruminantia): Bei Rind, Schaf und Ziege ist die Milz oval bis rundlich und liegt am dorsalen Pansenblindsack bzw. an der linken Seite des Pansens. Sie ist relativ kompakt und weniger als Blutspeicher ausgelegt.
  • Schwein (Sus scrofa domesticus): Die Milz ist lang und zungenförmig, mit vergleichsweise geringer Speicherkapazität.
  • Vögel (Aves): Die Milz ist klein und rundlich. Im