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Mistkäfer

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Tierart – Insekten > Käfer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Geotrupes stercorarius (Gemeiner Mistkäfer)
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Familie: Mistkäfer (Geotrupidae)
  • Gattung: Geotrupes
  • Lebensraum: Weiden, Wiesen, Waldränder, extensiv genutztes Grünland
  • Größe: 12–25 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 1–3 g
  • Lebenserwartung: 2–3 Jahre (einschließlich Larvalstadium)

Aussehen & Merkmale

Der Gemeine Mistkäfer besitzt einen kräftig gebauten, hochgewölbten Körper mit einer auffallend glatten, glänzenden Oberseite. Die Deckflügel (Elytren) weisen sieben deutliche Längsrillen auf und schimmern je nach Lichteinfall in Blau, Violett oder Grünlich auf schwarzem Grund. Die Unterseite des Körpers zeigt eine intensiv stahlblaue bis violette Metallfärbung, die den Käfer von verwandten Arten unterscheidet.

Der Kopf trägt ein breites, schaufelförmiges Kopfschild (Clypeus), das beim Graben als Werkzeug dient. Die Fühler sind kurz und enden in einer charakteristischen dreigliedrigen Keule – ein typisches Merkmal der Blatthornkäfer (Scarabaeoidea), zu deren Überfamilie die Mistkäfer zählen. Die Beine sind kräftig und mit deutlichen Grabdornen besetzt, besonders die Vorderbeine, die als Schaufelwerkzeuge dienen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur geringfügig; beim Männchen sind die Hinterschienen leicht gebogen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Geotrupes stercorarius erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Sibirien. In Mitteleuropa gehört der Gemeine Mistkäfer zu den häufigsten Vertretern seiner Familie. Sein bevorzugtes Habitat sind extensiv bewirtschaftete Weiden und Wiesen, auf denen Rinder, Pferde oder Schafe gehalten werden. Auch an Waldrändern, auf Waldwegen und in lichten Laubwäldern ist er regelmäßig anzutreffen.

Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit von Dung großer Pflanzenfresser. Intensiv bewirtschaftete Flächen, auf denen Entwurmungsmittel (Ivermectin und verwandte Substanzen) eingesetzt werden, bieten dem Mistkäfer ein deutlich schlechteres Biotop, da die Wirkstoffe über den Kot der behandelten Tiere in die Nahrungskette der Dungfauna gelangen und dort toxisch wirken.

Ernährung

Mistkäfer sind koprophag – sie ernähren sich von den Exkrementen großer Säugetiere. Bevorzugt werden Rinder- und Pferdedung, gelegentlich auch Schaf-, Hirsch- oder Kaninchenkot. Sowohl die adulten Käfer als auch die Larven nutzen Dung als Nahrungsquelle. Die Adulttiere nehmen den Dung direkt auf und filtern daraus Nährstoffe, Mikroorganismen und halbverdaute Pflanzenreste. Gelegentlich fressen Mistkäfer auch an Pilzen oder an zersetzendem Pflanzenmaterial.

Durch ihre Ernährungsweise erfüllen Mistkäfer eine zentrale ökologische Funktion: Sie zersetzen und vergraben Dung, was die Nährstoffzufuhr in den Boden beschleunigt, die Bodenbelüftung verbessert und die Verbreitung von Parasiten wie Magen-Darm-Würmern auf Weideflächen deutlich reduziert. In Regionen, in denen Dungkäfer fehlen, akkumuliert Dung auf der Oberfläche und degradiert die Weidequalität erheblich.

Verhalten & Lebensweise

Geotrupes stercorarius ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, lässt sich an warmen Tagen aber auch tagsüber beim Fliegen beobachten. Der Flug ist schwerfällig und von einem tiefen Brummton begleitet, der durch die vibrierende Flügelmuskulatur erzeugt wird. Die Käfer orientieren sich bei der Nahrungssuche über den Geruchssinn – frischer Dung wird über Distanzen von mehreren hundert Metern wahrgenommen und gezielt angeflogen.

Mistkäfer leben solitär, treten aber an ergiebigen Dungquellen in hoher Dichte auf, ohne territoriales Verhalten zu zeigen. Unter einem einzelnen Kuhfladen können sich Dutzende Individuen verschiedener Dungkäferarten versammeln. Werden Mistkäfer gestört oder ergriffen, stellen sie sich häufig tot (Thanatose) und sondern zwischen den Beingelenken eine bräunliche, unangenehm riechende Flüssigkeit ab, die potenzielle Fressfeinde abschreckt.

Eine weitere Auffälligkeit: Mistkäfer sind regelmäßig von Milben (Gamasina) besiedelt, die als Kommensalen auf dem Käfer sitzen und sich von diesem zu frischen Dungquellen transportieren lassen – eine Form der Phoresie.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Oktober. Nach der Paarung graben Männchen und Weibchen gemeinsam senkrechte Brutröhren unter einem Dunghaufen. Diese Gänge erreichen Tiefen von 30 bis 60 Zentimetern, in Einzelfällen über einen Meter. Am Ende jedes Gangs legt das Weibchen eine birnenförmige Brutkammer an, in die es eine Dungportion presst und ein einzelnes Ei ablegt.

Pro Brutsaison werden etwa 6 bis 15 solcher Brutkammern angelegt. Die Larve schlüpft nach etwa zwei Wochen und ernährt sich vom vorbereiteten Dungvorrat. Sie durchläuft drei Larvenstadien (Instare), die sich über mehrere Monate erstrecken. Die Verpuppung erfolgt im Herbst oder im folgenden Frühjahr in der unterirdischen Kammer. Die neue Käfergeneration schlüpft im Frühsommer und kann noch im selben Jahr geschlechtsreif werden. Die Elterngeneration zeigt eine für Käfer ungewöhnliche Brutfürsorge, da beide Geschlechter aktiv an der