T Tierlexikon.net
← Lexikon

Mittelwand

M

Fachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Vogelhaltung & Imkerei

Definition & Überblick

Die Mittelwand ist eine industriell oder handwerklich vorgefertigte Platte aus reinem Bienenwachs, in die beidseitig das typische Sechseck-Muster der Bienenwabe eingeprägt ist. Sie dient den Honigbienen als Bauvorlage und Starthilfe beim Wabenbau innerhalb einer Beute (dem Bienengehege). In der modernen Imkerei gehört die Mittelwand zu den grundlegenden Betriebsmitteln und wird in Rähmchen eingelötet oder eingeklemmt, damit die Bienen darauf gleichmäßige, gerade Waben errichten können.

Ohne Mittelwände bauen Bienen im sogenannten Naturbau oder Wildbau ihre Waben frei nach eigenem Muster. Das kann zwar artgerecht und naturnah sein, erschwert jedoch die Kontrolle des Bienenvolkes, die Honigernte und die Varroa-Behandlung erheblich. Die Mittelwand stellt daher einen Kompromiss zwischen tiergerechter Haltung und praktischer Betriebsführung dar.

Typische Mittelwände bestehen aus gereinigtem Bienenwachs mit einer Stärke von etwa 1,5 bis 2 Millimetern. Die aufgeprägten Zellmuster haben in der Regel eine Zellgröße von 5,3 bis 5,4 Millimetern – das entspricht der natürlichen Zellgröße für Arbeiterinnenzellen. Es gibt auch Mittelwände mit kleinerem Zellmaß (4,9 mm), die in der bienengerechten und wesensgemäßen Imkerei bevorzugt werden.

Grundlagen & Voraussetzungen

Damit Mittelwände sinnvoll eingesetzt werden können, müssen einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Passende Rähmchenmaße: Die Mittelwand muss exakt zum verwendeten Beutenmaß passen. Gängige Formate in Deutschland sind Deutsch Normalmaß (DNM), Zander, Dadant und Langstroth. Ein falsches Maß führt zu Wildbau und instabilen Waben.
  • Reines, rückstandsfreies Wachs: Die Qualität des Wachses ist entscheidend für die Gesundheit des Bienenvolkes. Verunreinigtes Wachs – etwa mit Pestiziden, Varroazid-Rückständen oder Paraffin versetzt – kann Brut schädigen und die gesamte Volksentwicklung beeinträchtigen. Artgerechte Bienenhaltung beginnt beim Wachs.
  • Drahtung der Rähmchen: In der Regel werden die Holzrähmchen vor dem Einlöten der Mittelwand mit Edelstahldraht bespannt. Dieser Draht gibt der fertigen Wabe Stabilität, besonders beim Schleudern der Honigwaben.
  • Einlötgerät oder Trafo: Zum Befestigen der Mittelwand im Rähmchen wird der Draht elektrisch erhitzt, sodass er leicht in das Wachs einsinkt. Alternativ gibt es Methoden mit Walze oder Dampf.

Wer aus Tierschutzgründen auf Mittelwände verzichten möchte, kann mit Anfangsstreifen arbeiten – schmalen Wachsstreifen, die den Bienen lediglich eine Richtung vorgeben, den eigentlichen Wabenbau aber dem Volk überlassen.

Praktische Umsetzung

Der Einbau einer Mittelwand in ein Rähmchen folgt einem bewährten Ablauf:

  • Rähmchen vorbereiten: Die Seitenleisten werden mit Ösen versehen, durch die der Edelstahldraht (0,4 mm) in drei bis fünf waagerechten Bahnen gespannt wird. Der Draht muss straff sitzen, aber nicht so fest, dass das Holz reißt.
  • Mittelwand einlegen: Die Wachsplatte wird zwischen die Drähte geschoben und an der Oberleiste fixiert – entweder durch eine Nut, einen Keil oder Einschmelzen.
  • Einlöten: Über einen Transformator oder ein spezielles Einlötgerät wird Strom durch den Draht geleitet. Die entstehende Wärme lässt den Draht wenige Millimeter in das Wachs einsinken, ohne es vollständig zu durchschmelzen. Dieser Vorgang dauert pro Rähmchen nur wenige Sekunden und erfordert etwas Übung.
  • Einhängen in die Beute: Die fertigen Rähmchen werden dem Bienenvolk zugehängt – idealerweise während einer Trachtperiode, wenn die Bienen bauwillig sind. Die Bienen ziehen die vorgeprägten Zellen zu vollständigen Waben aus und nutzen sie für Brut, Pollen- und Honigeinlagerung.

In der Praxis sollte der Wabenbau regelmäßig kontrolliert werden. Schiefe oder verbogene Mittelwände, die vor dem Ausbau nicht korrigiert wurden, führen zu ungleichmäßigen Waben und Problemen bei der Entnahme.

Häufige Fehler

  • Wachs minderer Qualität verwenden: Billiges Importwachs enthält häufig Rückstände oder ist mit Paraffin oder Stearin gestreckt. Die Bienen nehmen solche Mittelwände schlecht an, und die Brut kann geschädigt werden. Immer auf zertifiziertes, seuchenfreies Wachs achten oder eigenen Wachskreislauf aufbauen.
  • Zu starkes Einlöten: Wird der Strom zu lange angelegt, schmilzt der Draht komplett durch die Mittelwand. Die Wachsplatte fällt heraus oder wird instabil.
  • Mittelwände bei Kälte verarbeiten: Kaltes Wachs ist spröde und bricht leicht. Mittelwände sollten bei Raumtemperatur (mindestens 20 °C) verarbeitet werden.
  • Falsche Zellgröße wählen: Drohnenzell-Mittelwände im Brutraum führen zu massiver Drohnenbrut und erhöhen den Varroa-Druck. Arbeiterinnenzell-Mittelwände gehören in den Brutraum, Drohnenbau kann gezielt zur biotechnischen Varroa-Bekämpfung eingesetzt werden.
  • Alte Waben nicht austauschen: Auch ausgebaute Mittelwandwaben haben eine begrenzte Lebensdauer. Nach drei bis fünf Jahren sollten Brutwaben erneuert werden, da sich Krankheitserreger und