Mohrenfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Erebia (Gattung mit über 90 Arten weltweit)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
- Lebensraum: Bergwiesen, alpine Matten, lichte Wälder, Moorlandschaften
- Flügelspannweite: 28–52 mm (je nach Art)
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung (Imago): 2–4 Wochen
- Vorkommen: Paläarktis, Schwerpunkt Europa und Zentralasien
Aussehen & Merkmale
Mohrenfalter sind mittelgroße Tagfalter mit einer vorherrschend dunkelbraunen bis schwarzbraunen Grundfärbung der Flügeloberseiten. Dieses dunkle Erscheinungsbild hat der Gattung ihren deutschen Trivialnamen eingebracht. Die Flügel tragen auf der Oberseite häufig rotbraune bis orangefarbene Binden oder Flecken, in denen kleine, schwarz gekernte und oft weiß gepupillte Augenflecken (Ozellen) sitzen. Anzahl, Größe und Anordnung dieser Ozellen sind wichtige Bestimmungsmerkmale, um die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden.
Die Flügelunterseiten sind bei vielen Arten ähnlich gezeichnet, aber insgesamt matter und kontrastreicher marmoriert, was der Tarnung im Ruhezustand dient. Die Schuppen auf den Flügeln sind fein und dicht angeordnet. Der Körper ist ebenfalls dunkel behaart. Die Fühler sind keulenförmig verdickt, wie es für Tagfalter typisch ist. Die Beine der Vorderbeine sind – ein Familienmerkmal der Edelfalter – zu sogenannten Putzpfoten reduziert und werden nicht zum Laufen genutzt.
Zwischen den Geschlechtern besteht ein meist geringer Sexualdimorphismus: Die Weibchen sind oft etwas größer und blasser gefärbt als die Männchen, und ihre Flügelbinden können breiter ausfallen.
Lebensraum & Verbreitung
Die Gattung Erebia ist mit über 90 beschriebenen Arten die artenreichste Tagfaltergattung Europas. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gesamte Paläarktis, von der Iberischen Halbinsel bis nach Japan und in die Gebirge Zentralasiens. Einzelne Arten kommen auch in Nordamerika vor.
Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Gebirgsregionen Europas. Die Alpen beherbergen die größte Artendichte – rund 40 Arten kommen dort vor. Typische Habitate sind alpine und subalpine Grasmatten, Bergwiesen oberhalb der Baumgrenze, lichte Lärchen- und Fichtenwälder sowie Hochmoore. Einige Arten wie der Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops) besiedeln auch tiefere Lagen und kommen in lichten Laubwäldern und auf kalkreichen Magerrasen vor. Der Kleine Mohrenfalter (Erebia melampus) ist dagegen ein typischer Bewohner der Almwiesen zwischen 1.000 und 2.500 Metern Höhe.
Viele Arten haben eng begrenzte Biotope und zeigen eine ausgeprägte Standorttreue. Einzelne Spezies sind Endemiten bestimmter Gebirgszüge – etwa der Pyrenäen, des Apennin oder des Balkans – und kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor.
Ernährung
Die erwachsenen Falter (Imagines) ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Bevorzugt werden niedrigwüchsige Gebirgspflanzen wie Thymian, Skabiosen, Flockenblumen, Disteln und verschiedene Kleearten. Einige Arten wurden auch beim Saugen an feuchten Bodenstellen beobachtet, wo sie Mineralsalze aufnehmen.
Die Raupen der Mohrenfalter leben ausschließlich von Gräsern (Poaceae). Je nach Art dienen Schwingel (Festuca), Rispen (Poa), Schmielen (Deschampsia) oder Seggen (Carex, Familie Cyperaceae) als Nahrungspflanzen. Die Raupen fressen überwiegend nachts und verbergen sich tagsüber zwischen den Grashorsten am Boden.
Verhalten & Lebensweise
Mohrenfalter sind tagaktiv und fliegen bei Sonnenschein mit einem charakteristisch langsamen, gaukelnden und bodennahen Flug über ihre Habitate. Bei Bewölkung oder Wind setzen sie sich rasch in die Vegetation und klappen die Flügel zusammen, sodass nur die unauffällige Unterseite sichtbar ist. Die dunkle Flügelfärbung hat einen thermoregulatorischen Vorteil: Sie ermöglicht eine effiziente Aufnahme von Sonnenwärme, was in den kühlen Gebirgshabitaten entscheidend ist. Häufig lassen sich die Falter beim sogenannten „Sonnenbaden" mit ausgebreiteten Flügeln auf Steinen oder am Boden beobachten.
Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten und patrouillieren über geeignete Wiesenflächen, um Weibchen zu finden. Dabei kommt es regelmäßig zu Verfolgungsflügen zwischen rivalisierenden Männchen. Die Flugzeit variiert je nach Art und Höhenlage, liegt aber bei den meisten Arten zwischen Juni und August. In höheren Lagen verschiebt sich die Flugperiode in den Hochsommer.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an Gräsern ab oder lassen sie – bei einigen Arten – im Flug in die Vegetation fallen. Die Eier sind rundlich und anfangs hell gefärbt, dunkeln aber nach kurzer Zeit nach. Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und sind schlank, längsgestreift und an beiden Körperenden zugespitzt – eine für Satyrinae-Raupen typische Körperform.
Ein wesentliches Merkmal der Entwicklungsbiologie ist die lange Larvalphase. Bei den meisten Erebia-Arten überwintern die Raupen ein- oder sogar zweimal, bevor sie sich verpu