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Moor

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Biologie & Ökologie > Lebensräume – Typen

Definition und Überblick

Ein Moor ist ein Landschaftstyp, in dem sich unter dauerhaft wassergesättigten Bedingungen Torf ansammelt – also nur unvollständig zersetzte Pflanzenreste. Die ständige Wassersättigung des Bodens verhindert, dass Mikroorganismen das abgestorbene Pflanzenmaterial vollständig abbauen. Dadurch wächst die Torfschicht über Jahrhunderte und Jahrtausende an. Als Moor gilt eine Fläche per Konvention ab einer Torfmächtigkeit von mindestens 30 Zentimetern. Moore bedecken weltweit nur etwa drei Prozent der Landoberfläche, speichern jedoch rund doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder der Erde zusammen. In Mitteleuropa gehören sie zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen.

Hochmoor und Niedermoor – die beiden Grundtypen

Die gängigste Unterscheidung teilt Moore nach ihrer Wasserversorgung in zwei Haupttypen:

  • Niedermoore (Flachmoore) werden durch Grundwasser, Quellwasser oder Überflutungswasser gespeist. Das mineralstoffreiche Wasser erlaubt eine vergleichsweise hohe Artenvielfalt. Typische Pflanzen sind Seggen, Schilf, Binsen und verschiedene Moosarten. Niedermoore entstehen häufig in Flusstälern, Senken und an Seeufern.
  • Hochmoore (Regenmoore) beziehen ihr Wasser ausschließlich aus Niederschlägen. Da Regenwasser kaum Mineralstoffe enthält, herrschen extrem nährstoffarme, saure Bedingungen. Torfmoose der Gattung Sphagnum dominieren und bilden die charakteristischen uhrglasförmig aufgewölbten Moorkörper. Hochmoore wachsen im Durchschnitt nur etwa einen Millimeter pro Jahr in die Höhe.

Daneben existieren Übergangsmoore (Zwischenmoore), die Merkmale beider Typen vereinen, sowie Sonderformen wie Quellmoore, Kesselmoore und Hangmoore, die jeweils durch ihre spezifische hydrologische Situation geprägt werden.

Entstehung und Entwicklung

Die meisten mitteleuropäischen Moore begannen ihre Entwicklung nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 bis 12.000 Jahren. Man unterscheidet zwei Entstehungswege: Bei der Verlandung füllt sich ein stehendes Gewässer durch absterbendes Pflanzenmaterial allmählich auf, bis ein Niedermoor entsteht. Bei der Versumpfung steigt der Grundwasserspiegel in einer Landschaft so weit an, dass der Boden dauerhaft wassergesättigt bleibt und Torfbildung einsetzt.

Aus einem Niedermoor kann sich über lange Zeiträume ein Hochmoor entwickeln: Wenn die Torfschicht so mächtig wird, dass die Vegetation den Kontakt zum Grundwasser verliert, übernehmen Torfmoose die Oberflächenbildung. Dieser Prozess dauert in der Regel mehrere Tausend Jahre.

Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten

Moore bieten Lebensbedingungen, die nur wenige Organismen tolerieren: saures Milieu, Nährstoffarmut, Staunässe und starke Temperaturschwankungen an der Oberfläche. Die hier vorkommenden Arten sind daher oft hochspezialisiert.

Zu den charakteristischen Pflanzen der Hochmoore zählen Torfmoose, Wollgräser (Eriophorum), Moosbeere, Rosmarinheide und der Rundblättrige Sonnentau – eine fleischfressende Pflanze, die den Nährstoffmangel durch Insektenfang ausgleicht.

Die Tierwelt der Moore umfasst zahlreiche Spezialisten:

  • Vögel: Bekassine, Birkhuhn, Großer Brachvogel, Kranich und Raubwürger nutzen offene Moorflächen als Brut- und Rastgebiete. Für viele Wiesenbrüter sind intakte Moorlandschaften überlebenswichtig.
  • Amphibien und Reptilien: Moorfrosch, Kreuzotter und Waldeidechse finden in Moorrandbereichen geeignete Habitate. Der Moorfrosch ist mit seiner zeitweisen Blaufärbung zur Paarungszeit eng an Moorgewässer gebunden.
  • Insekten: Moore beherbergen spezialisierte Libellenarten wie die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) und die Arktische Smaragdlibelle. Auch Hochmoor-Laufkäfer, Torfmoos-Blattwespen und verschiedene Schmetterlingsarten wie der Hochmoor-Gelbling kommen fast ausschließlich in Mooren vor.
  • Spinnen: Die Sumpfwolfsspinne (Pardosa sphagnicola) und verschiedene Baldachinspinnen sind typische Bewohner der Torfmoosoberfläche.

Viele dieser Arten stehen auf Roten Listen und gelten als Indikatorarten für den Zustand von Moorökosystemen.

Ökologische Bedeutung

Intakte Moore erfüllen zentrale Ökosystemfunktionen. Als Kohlenstoffspeicher binden sie über Jahrtausende enorme Mengen organischen Kohlenstoffs im Torf. Solange ein Moor nass bleibt, gibt es diesen Kohlenstoff nicht an die Atmosphäre ab. Moore wirken zudem als Wasserspeicher und Hochwasserpuffer, da Torf wie ein Schwamm große Wassermengen aufnehmen und langsam wieder abgeben kann. Darüber hinaus filtern Moore Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser und tragen so zur Reinigung von Grund- und Oberflächenwasser bei.

Bedrohung und Zerstörung

In Deutschland sind rund 95 Prozent der ursprünglichen Moorflächen durch menschliche Eingriffe geschädigt oder vollständig zerstört. Hauptursachen sind:

  • Entwässerung durch Gräben und Drainagen zur landwirtschaftlichen Nutzung
  • Torfabbau für Gartenbau und Brennstoffgewinnung
  • Aufforstung ehemaliger Moorflächen
  • Nährstoffeintrag