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Murnau-werdenfelser

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Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Oberbayern, Deutschland (Region Murnau, Werdenfels, Garmisch-Partenkirchen)
  • Rassetyp: Zweinutzungsrind (Milch und Fleisch), gefährdete Haustierrasse
  • Rassestandard: Anerkannt durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL); geführt in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH)
  • Größe (Widerristhöhe): Kühe ca. 125–135 cm, Bullen ca. 138–148 cm
  • Gewicht: Kühe 500–600 kg, Bullen 800–1.000 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre bei guter Haltung
  • Fell/Farben: Einfarbig gelb bis semmelfarben, dunkelbraun bis rotbraun; charakteristisch dunkles Flotzmaul, dunkle Klauen und dunkle Schwanzquaste; gelegentlich heller Aalstrich

Herkunft & Geschichte

Das Murnau-Werdenfelser Rind gehört zu den ältesten Rinderrassen Bayerns und ist eng mit der Kulturlandschaft des oberbayerischen Voralpenlandes verbunden. Die Abstammung dieser Rasse reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, wobei die Zuchtgeschichte vermutlich deutlich älter ist. Ursprünglich entstand die Rasse aus Landschlägen, die im Werdenfelser Land rund um Murnau, Garmisch-Partenkirchen und das Loisachtal gehalten wurden. Einkreuzungen von Tiroler Grauvieh, Schweizer Braunvieh und möglicherweise auch von Innviertler Rindern prägten die Rasse in ihrer heutigen Form.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war das Murnau-Werdenfelser Rind die dominierende Rinderrasse in der Region. Es diente als klassisches Dreinutzungsrind: Milch, Fleisch und Zugleistung. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft und dem Aufkommen leistungsstärkerer Hochzuchtrassen wie Fleckvieh und Braunvieh ging der Bestand dramatisch zurück. In den 1970er-Jahren war die Rasse akut vom Aussterben bedroht – nur noch wenige Dutzend reinrassige Tiere existierten.

Dank engagierter Züchter, der Unterstützung durch den Zuchtverband und Förderprogramme des Freistaats Bayern konnte der Bestand stabilisiert werden. Die GEH führt das Murnau-Werdenfelser Rind in der Kategorie „stark gefährdet". Heute leben wieder rund 1.500 bis 2.000 Tiere, vornehmlich in Oberbayern. Die Rasse gilt als wichtiges Kulturgut und wird im Rahmen von Erhaltungszuchtprogrammen gezielt gefördert.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist ein mittelgroßes, harmonisch gebautes Rind mit kräftigem, aber nicht grobem Knochenbau. Der Kopf ist ausdrucksvoll mit breiter Stirn und einem charakteristisch dunklen, fast schwarzen Flotzmaul, das als eines der auffälligsten Rassemerkmale gilt. Die Hörner sind mittellang, leicht nach vorn und aufwärts geschwungen, an der Basis hell und an den Spitzen dunkel gefärbt.

Die Fellfarbe variiert von hellem Semmelgelb über warmes Rotbraun bis hin zu dunklem Kastanienbraun. Das Fell ist dicht und an die rauen klimatischen Bedingungen des Voralpenlandes angepasst. Typisch sind die dunklen Klauen, die als besonders hart und widerstandsfähig gelten, sowie die dunkle Schwanzquaste. Der Körperbau zeigt eine gute Bemuskelung bei gleichzeitig erkennbarem Milchcharakter – ein deutliches Zeichen für den Zweinutzungstyp.

Die Euter sind mittelgroß, fest angesetzt und für die Handmelke ebenso geeignet wie für maschinellen Melkbetrieb. Insgesamt wirkt das Murnau-Werdenfelser Rind elegant und robust zugleich – ein Tier, das jahrhundertelang unter anspruchsvollen Gebirgsbedingungen Leistung erbringen musste.

Charakter & Wesen

Das Murnau-Werdenfelser Rind zeichnet sich durch ein ausgeglichenes, ruhiges Temperament aus. Die Tiere gelten als besonders gutmütig, umgänglich und menschenbezogen. Im Vergleich zu vielen Hochleistungsrassen zeigen sie wenig Nervosität, was die tägliche Arbeit im Stall und auf der Weide erheblich erleichtert. Kühe sind in der Regel treue und aufmerksame Mütter mit guter Kälberführung.

Bemerkenswert ist die hohe Anpassungsfähigkeit der Rasse an schwieriges Gelände. Die Tiere sind trittsicher, genügsam und bewähren sich hervorragend auf steilen Almflächen, wo andere Rassen an ihre Grenzen stoßen. Ihre Wachsamkeit gegenüber Veränderungen in der Umgebung, gepaart mit ihrer grundsätzlichen Gelassenheit, macht sie zu idealen Weidetieren auch in extensiven Haltungssystemen.

Haltung & Pflege

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist prädestiniert für extensive und standortangepasste Haltungsformen. Die Rasse fühlt sich in Weidehaltung mit Zugang zu Almflächen am wohlsten, eignet sich aber auch für Laufstallhaltung mit ausreichend Auslauf. Reine Anbindehaltung sollte vermieden werden, auch wenn die Tiere sie aufgrund ihres ruhigen Wesens tolerieren.

Die Pflege ist vergleichsweise unkompliziert. Das dichte Fell benötigt keine besondere Fellpflege, sollte jedoch regelmäßig auf Parasitenbefall kontrolliert werden. Die Klauenpflege ist essenziell – auch wenn die dunklen Klauen als besonders robust gelten, ist ein professioneller Klauenschnitt mindestens zweimal jährlich notwendig. Die Tiere brauchen ausreichend Beschäftigung und Sozialkontakt innerhalb der Herde, um ihr natürliches Verhalten ausleben zu können.

Ernährung

Als typische Gebirgsrasse ist das Murnau-Werdenfelser Rind genügsam und verwertet auch rohfaserreiches, energieärmeres Grundfutter hervorragend. Heu, Gras und