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Myxomatose

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Die Myxomatose ist eine hochansteckende, durch das Myxomavirus (Leporipoxvirus myxomatosis) verursachte Viruserkrankung, die vorwiegend Haus- und Wildkaninchen befällt. Das Virus gehört zur Familie der Poxviridae und ist eng mit den Pockenviren verwandt. Die Erkrankung wurde erstmals 1898 in Uruguay wissenschaftlich beschrieben und in den 1950er-Jahren gezielt in Australien und Frankreich zur biologischen Bekämpfung von Wildkaninchenpopulationen eingesetzt – mit verheerenden Folgen für die Bestände.

Die Sterblichkeitsrate (Letalität) liegt bei nicht immunen Hauskaninchen je nach Virusstamm zwischen 20 und nahezu 100 Prozent. Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) sind besonders empfänglich, während Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus-Arten) als natürliche Reservoirwirte in Amerika häufig nur milde Verlaufsformen zeigen. Für den Menschen und andere Haustiere ist das Myxomavirus nicht gefährlich – es handelt sich um keine Zoonose. In Deutschland unterliegt die Myxomatose der Meldepflicht nach der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten.

Ursachen & Risikofaktoren

Der Erreger wird hauptsächlich durch blutsaugende Insekten übertragen, insbesondere durch Stechmücken (Culicidae), Kaninchenflöhe (Spilopsyllus cuniculi) und andere Ektoparasiten. Diese fungieren als mechanische Vektoren: Das Virus vermehrt sich nicht im Insekt, sondern haftet an den Mundwerkzeugen und wird beim nächsten Stich auf ein neues Wirtstier übertragen.

Daneben ist eine direkte Übertragung von Tier zu Tier durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Augen, Nase und Genitalbereich möglich. Auch kontaminierte Gegenstände wie Futternäpfe, Einstreu oder Käfiggitter können als indirekte Infektionsquelle dienen (Schmierinfektion).

Wesentliche Risikofaktoren sind:

  • Außenhaltung ohne Insektenschutz, besonders in den warmen Monaten (Mai bis Oktober)
  • Nähe zu Wildkaninchenbeständen, die als Erregerreservoir dienen
  • Fehlende oder unvollständige Impfung
  • Immunschwäche durch Stress, Mangelernährung oder Begleiterkrankungen
  • Hohe Besatzdichte in Zuchtbetrieben oder Tierheimen

Symptome & Erkennung

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 10 Tage, kann aber je nach Virusstamm und Immunstatus des Tieres zwischen 2 und 14 Tagen variieren. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Verlaufsformen:

Klassische (noduläre) Form: Diese akute Verlaufsform beginnt typischerweise mit Schwellungen und Ödemen im Bereich der Augenlider (Blepharitis), die rasch zu einer beidseitigen, eitrigen Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit vollständigem Lidschluss führen. Es bilden sich charakteristische Myxome – gallertartige, knotige Schwellungen der Haut und Unterhaut – bevorzugt an Kopf, Ohren, Augenlidern, Lippen, Nase und im Anogenitalbereich. Der Kopf der betroffenen Kaninchen wirkt durch die massiven Ödeme löwenkopfartig aufgedunsen. Weitere Symptome umfassen:

  • Hohes Fieber (bis über 40 °C)
  • Nasenausfluss (zunächst serös, dann mukopurulent)
  • Apathie und zunehmende Fressunlust (Anorexie)
  • Atemnot durch Schwellung der Atemwege
  • Schwellung der Genitalien mit eitrigem Ausfluss
  • Fortschreitende Abmagerung und Dehydratation

Amyxomatöse (respiratorische) Form: Diese durch attenuierte Virusstämme hervorgerufene Verlaufsform äußert sich primär durch Atemwegssymptome wie Niesen, Nasenausfluss und Lungenentzündung (Pneumonie). Die klassischen Hautknoten können fehlen oder nur schwach ausgeprägt sein, was die Diagnose erschwert. Die Letalität ist tendenziell geringer, liegt aber immer noch bei 30 bis 50 Prozent.

Der Tod tritt bei der akuten Form häufig innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach Symptombeginn ein, meist infolge von bakteriellen Sekundärinfektionen, Sepsis oder Organversagen.

Diagnose

Erfahrene Tierärztinnen und Tierärzte können die klassische Myxomatose häufig bereits anhand des klinischen Bildes – insbesondere der typischen Kopfschwellungen und Myxome in Kombination mit Konjunktivitis – als Verdachtsdiagnose stellen. Zur Absicherung und bei unklaren Fällen stehen labordiagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Nachweis viraler DNA aus Tupferproben, Hautbiopsien oder Gewebeproben – die zuverlässigste und schnellste Methode
  • Histopathologische Untersuchung: Mikroskopische Beurteilung von Gewebeproben mit Nachweis typischer Myxomzellen und intrazytoplasmatischer Einschlusskörperchen
  • Elektronenmikroskopie: Direkter Virusnachweis, heute selten eingesetzt
  • Virusanzucht: Kultivierung des Erregers auf Zellkulturen, zeitaufwendig und spezialisierten Laboren vorbehalten

Differenzialdiagnostisch müssen unter anderem Pasteurellose, Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa cuniculi), Abszesse anderer Genese sowie die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) abgegrenzt werden.

Behandlung & Therapie

Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Myxomavirus existiert derzeit nicht. Die Behandlung beschränkt sich auf supportive und symptomatische Ma