Nachtschwalbe
NTierart – Vögel > Spechte & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Caprimulgus europaeus
- Ordnung: Schwalmvögel (Caprimulgiformes)
- Familie: Nachtschwalben (Caprimulgidae)
- Gattung: Caprimulgus
- Lebensraum: Lichte Wälder, Heiden, Trockenrasen, Waldlichtungen
- Größe: 24–28 cm Körperlänge, Flügelspannweite 52–59 cm
- Gewicht: 50–100 g
- Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Nachtschwalbe, auch als Europäischer Ziegenmelker bekannt, gehört zu den am besten getarnten Vögeln Europas. Ihr Gefieder zeigt ein komplexes Muster aus Grau-, Braun- und Beigetönen mit feinen schwarzen Strichen und Flecken. Diese Rindenzeichnung macht den Vogel auf dem Waldboden oder einem Ast nahezu unsichtbar, sobald er reglos verharrt.
Der Körperbau ist langgestreckt und flach. Der Kopf wirkt breit und abgeflacht, die Augen sind auffallend groß und dunkel – eine Anpassung an die dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise. Der Schnabel ist kurz und unscheinbar, kann jedoch extrem weit aufgesperrt werden. Der Rachenspalt reicht bis hinter die Augen und wird von steifen Borsten, den sogenannten Rictalborsten, umrahmt. Diese vergrößern den Fangbereich beim Insektenfang im Flug.
Die Flügel sind lang und spitz, der Schwanz ebenfalls lang und leicht gerundet. Männchen lassen sich an weißen Flecken auf den äußeren Schwanzfedern und an den Flügelspitzen erkennen. Weibchen zeigen an diesen Stellen stattdessen cremefarbene bis bräunliche Markierungen. Die Füße sind klein und schwach – die Nachtschwalbe läuft kaum und bewegt sich am Boden eher rutschend vorwärts.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Nachtschwalbe erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Sie brütet von Nordwestafrika über Europa bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa besiedelt sie bevorzugt lichte Kiefernwälder, Heideflächen, Kahlschläge, Trockenrasen und Waldränder auf sandigen oder kiesigen Böden. Entscheidend für die Habitatwahl sind vegetationsarme Flächen am Boden in Kombination mit Gehölzstrukturen als Tagesruheplätze.
Als Langstreckenzieher verbringt die Nachtschwalbe den Winter im tropischen und südlichen Afrika, südlich der Sahara. Der Herbstzug beginnt im August und September, die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt meist Ende April bis Mitte Mai. In Deutschland liegen die Schwerpunkte des Vorkommens in der Norddeutschen Tiefebene, in Brandenburg, Niedersachsen und in Teilen Bayerns.
Der Bestand ist in vielen Regionen Europas rückläufig, da geeignete Biotope durch Aufforstung, Sukzession und Flächenversiegelung verloren gehen. Offene, halbnatürliche Landschaften, wie sie durch historische Bewirtschaftungsformen entstanden, werden zunehmend seltener.
Ernährung
Die Nachtschwalbe ernährt sich ausschließlich von Insekten, die sie im Flug erbeutet. Nachtfalter machen den größten Anteil der Nahrung aus, ergänzt durch Käfer, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Schnaken und andere fliegende Insekten. Die Jagd findet in der Dämmerung und während der Nacht statt. Der Vogel fliegt dabei in wendigen, schmetterlingsartigen Bahnen durch die Luft und fängt die Beute mit dem weit aufgerissenen Schnabel.
Die großen Augen ermöglichen eine gute Orientierung auch bei schwachem Licht. Zudem spielen akustische Reize bei der Beuteortung eine Rolle. An insektenreichen Stellen – etwa über Gewässern, an beleuchteten Waldwegen oder an Viehweiden – sammeln sich Nachtschwalben bisweilen in lockeren Gruppen, ohne dabei ein soziales Gefüge zu bilden.
Verhalten & Lebensweise
Die Nachtschwalbe ist streng nachtaktiv. Tagsüber ruht sie reglos auf dem Boden, auf einem flachen Ast oder einem Zaunpfahl, wobei sie sich parallel zur Unterlage ausrichtet – eine Haltung, die ihre Tarnung perfektioniert. Erst mit Einbruch der Dämmerung wird der Vogel aktiv.
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet. Männchen besetzen ein Revier und machen durch ihren charakteristischen Gesang auf sich aufmerksam: ein langgezogenes, mechanisch klingendes Schnurren, das minutenlang anhalten kann und in seiner Tonhöhe leicht schwankt. Dieses „Schnurren" oder „Leiern" ist über mehrere hundert Meter hörbar und eines der typischen Geräusche warmer Sommernächte in geeigneten Lebensräumen. Zusätzlich zeigen Männchen auffällige Balzflüge, bei denen sie die weißen Flügelflecken präsentieren und mit den Flügeln klatschen.
Nachtschwalben sind Einzelgänger und territorial während der Brutzeit. Außerhalb der Fortpflanzungsperiode verhalten sie sich weniger standorttreu und zeigen kein ausgeprägtes Sozialverhalten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Ein Nest im eigentlichen Sinne baut die Nachtschwalbe nicht. Das Weibchen legt seine in der Regel zwei Eier direkt auf den nackten Boden – bevorzugt auf Sand, Kies, trockenes Laub oder Nadelstreu. Die Eier sind oval, weißlich bis cremefarben mit graubrauner Marmorierung und fügen sich nahtlos in die Umgebung ein.
Die Brutdauer beträgt 17 bis 21 Tage. Beide Elternvögel brüten, wobei das Weibchen den größeren Anteil übernimmt. Die Küken sind Nestflüchter im weiteren Sinne: Sie schlüpfen mit einem dichten Dunenkleid und können sich bereits nach wenigen Tagen kurze Strecken vom Legeplatz entfernen. Flügge werden die Jungvögel nach etwa 16 bis