Naturbrut
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Definition & Überblick
Unter Naturbrut versteht man das Ausbrüten von Eiern durch einen Vogel selbst – also durch die Henne, den Hahn oder beide Elternteile gemeinsam –, im Gegensatz zur Kunstbrut, bei der Eier in einem Brutapparat (Inkubator) maschinell bebrütet werden. Die Naturbrut ist die älteste und ursprünglichste Form der Vermehrung in der Geflügel- und Ziervogelhaltung und wird von vielen Haltern als die artgerechteste Methode angesehen, da sie dem natürlichen Verhalten der Tiere entspricht.
Der Begriff wird überwiegend in der Hühner- und Geflügelhaltung verwendet, findet aber ebenso Anwendung in der Zucht von Ziervögeln wie Wellensittichen, Nymphensittichen, Kanarienvögeln sowie bei Tauben, Enten, Gänsen und Wachteln. Auch in der Imkerei existiert der Begriff Naturbrut im Zusammenhang mit dem natürlichen Brutverhalten von Bienenvölkern, wobei die Königin Eier in von den Arbeiterinnen vorbereitete Wabenzellen legt und die Brut durch die Stockwärme des Volkes gepflegt wird.
Die Naturbrut bietet gegenüber der Kunstbrut einige Vorteile: Die Glucke reguliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit instinktiv, wendet die Eier selbstständig und führt die Küken nach dem Schlupf. Die Küken lernen von Anfang an soziale Verhaltensweisen und werden von der Mutterhenne vor Kälte, Fressfeinden und Gefahren geschützt. Gleichzeitig bringt die Naturbrut Einschränkungen mit sich, etwa die Abhängigkeit vom Bruttrieb der Henne und die begrenzte Kontrolle über den Brutverlauf.
Grundlagen & Voraussetzungen
Damit eine Naturbrut gelingt, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- Bruttrieb der Henne: Nicht jede Henne wird glucking (brutlustig). Manche Rassen, insbesondere Hochleistungs-Legehybriden, haben den Bruttrieb weitgehend verloren. Alte Rassen wie Seidenhühner, Cochin, Orpington oder Sussex gelten als besonders brutfreudig. Bei Ziervögeln wie Wellensittichen oder Zebrafinken ist der Bruttrieb in der Regel stark ausgeprägt.
- Befruchtete Eier: Ein Hahn oder männlicher Zuchtvogel muss die Eier befruchtet haben. Die Befruchtungsrate hängt vom Gesundheitszustand, Alter und dem Verhältnis von Hähnen zu Hennen ab. In der Hühnerhaltung wird ein Hahn auf sechs bis zehn Hennen empfohlen.
- Geeigneter Nistplatz: Die Glucke benötigt einen ruhigen, geschützten Bereich im Gehege oder Stall. Das Nest sollte dunkel, zugluftfrei und vor Störungen durch andere Tiere gesichert sein. Bei Ziervögeln sind artgerechte Nistkästen in passender Größe bereitzustellen.
- Gesunde Elterntiere: Nur gesunde, parasitenfreie und gut genährte Vögel sollten zur Zucht zugelassen werden. Eine Entwurmung und Milbenbehandlung vor der Brutzeit ist sinnvoll.
- Gesetzliche Vorgaben: Je nach Vogelart können Zuchtgenehmigungen, Beringungspflichten oder Meldepflichten beim Veterinäramt bestehen. Der Tierschutz schreibt vor, dass Zuchttiere artgerecht gehalten und nicht übermäßig zur Brut eingesetzt werden dürfen.
Praktische Umsetzung
Sobald eine Henne eindeutig gluckt – erkennbar an aufgeplustertem Gefieder, glucksenden Lauten und dem Verweilen auf dem Nest – kann die Naturbrut beginnen. Im Idealfall sammelt der Halter über einige Tage befruchtete Eier und legt sie der Glucke gesammelt unter, damit alle Küken möglichst zeitgleich schlüpfen. Die Eier sollten nicht älter als sieben bis zehn Tage sein und bei etwa 12–15 °C zwischengelagert werden.
Die Brutdauer variiert je nach Vogelart: Hühner brüten etwa 21 Tage, Enten 28 Tage, Gänse 28–34 Tage, Wellensittiche 18 Tage und Kanarienvögel rund 13–14 Tage. Während der Brutzeit verlässt die Henne das Nest nur kurz für Futter, Wasser und Kotabsatz. Frisches Wasser und hochwertiges Futter sollten in unmittelbarer Nähe bereitstehen.
Um die Entwicklung zu kontrollieren, kann der Halter die Eier ab dem 7. Bruttag schieren (Durchleuchten mit einer starken Lampe). Unbefruchtete Eier und abgestorbene Embryonen werden entfernt, damit sie nicht im Nest verfaulen.
Nach dem Schlupf führt die Glucke ihre Küken selbstständig. Sie zeigt ihnen Futter, wärmt sie unter ihrem Gefieder und verteidigt sie. Der Halter stellt sicher, dass der Auslauf kükensicher ist: Keine Spalten, in denen Küken eingeklemmt werden können, Schutz vor Katzen, Greifvögeln und Ratten sowie eine flache Wasserschale, in der Küken nicht ertrinken können.
Häufige Fehler
- Störungen am Nest: Häufiges Kontrollieren, Umsetzen der Glucke oder Lärm führen dazu, dass die Henne das Gelege aufgibt. Ruhe ist das oberste Gebot.
- Zu viele Eier: Eine Henne kann nur so viele Eier bebrüten, wie sie zuverlässig mit ihrem Körper bedecken kann. Bei Hühnern sind das je nach Körpergröße 8–15 Eier. Überzählige Eier werden nicht gleichmäßig erwärmt und sterben ab.
- Falsche Nestbeschaffenheit: Zu glattes Nistmaterial lässt Eier wegrollen. Bewährt haben sich Stroh, Heu oder Hobelspäne in einer leichten Mulde.
- Vernachlässigung der Glucke: Manche Hennen fressen während der Brut zu wenig und magern stark ab. Der Halter sollte das Gewicht und den Allgemeinzu