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Nesseltiere

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Nesseltiere (Cnidaria) bilden einen artenreichen Tierstamm überwiegend mariner Organismen, der weltweit über 11.000 beschriebene Arten umfasst. Der Name leitet sich vom griechischen Wort knide (Nessel) ab und verweist auf das namensgebende Merkmal dieser Tiere: die Nesselzellen (Cnidozyten), die spezielle Organellen – sogenannte Nesselkapseln (Cniden oder Nematocysten) – enthalten. Diese dienen dem Beutefang und der Verteidigung. Nesseltiere gehören zu den stammesgeschichtlich ältesten Vielzellern (Metazoa) und treten seit dem späten Präkambrium vor über 600 Millionen Jahren fossil auf. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Quallen, Korallen, Seeanemonen und Hydren.

Körperbau und Grundformen

Der Bauplan der Nesseltiere ist radiärsymmetrisch, das heißt, der Körper lässt sich durch mehrere Ebenen spiegelsymmetrisch teilen. Es handelt sich um diploblastische Organismen: Ihre Körperwand besteht aus zwei Keimblättern – dem äußeren Ektoderm (Epidermis) und dem inneren Entoderm (Gastrodermis). Zwischen beiden liegt eine gallertige Stützschicht, die Mesogloea. Ein echtes Mesoderm fehlt, weshalb Nesseltiere keine Organe im engeren Sinne ausbilden. Der Gastralraum (Gastrovaskularsystem) dient gleichzeitig der Verdauung und dem Stofftransport. Eine einzige Körperöffnung fungiert als Mund und After zugleich und ist von Tentakeln umgeben.

Nesseltiere treten in zwei morphologischen Grundformen auf:

  • Polyp: Die sessile, festsitzende Form. Der zylindrische Körper ist mit der Fußscheibe am Substrat befestigt, die Mundöffnung mit dem Tentakelkranz zeigt nach oben. Beispiele sind Seeanemonen und Korallenpolypen.
  • Meduse: Die freischwimmende Form. Der schirmförmige Körper bewegt sich durch rhythmische Kontraktionen fort, die Mundöffnung zeigt nach unten. Die typische Schirmqualle ist eine Meduse.

Viele Arten durchlaufen im Laufe ihres Lebenszyklus beide Formen im sogenannten Generationswechsel (Metagenese), bei dem sich eine ungeschlechtliche Polypengeneration mit einer geschlechtlichen Medusengeneration abwechselt.

Nesselzellen – das zentrale Merkmal

Die Nesselzellen (Cnidozyten) sind das einzigartige und stammdefinierende Merkmal der Cnidaria. Jede Nesselzelle enthält eine Nesselkapsel (Nematocyste), die unter hohem osmotischem Druck steht. Bei Berührung oder chemischem Reiz wird ein Cnidocil – ein mechanosensorisches Haar auf der Zelloberfläche – ausgelöst, woraufhin ein hohler Nesselfaden explosionsartig herausgeschleudert wird. Dieser Vorgang dauert nur wenige Mikrosekunden und gehört zu den schnellsten zellulären Vorgängen im gesamten Tierreich.

Je nach Typ können die Nesselfäden die Haut der Beute durchdringen und Giftstoffe injizieren, sich um Borsten oder Körperanhänge wickeln oder als klebrige Fäden haften. Das Nesselgift besteht aus einem komplexen Gemisch von Proteinen und Peptiden, die je nach Art neurotoxisch, hämolytisch oder zytotoxisch wirken. Während die meisten Cnidaria für den Menschen harmlos sind, können einige Arten wie die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) oder die Würfelqualle (Chironex fleckeri) schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen.

Systematik und Klassifikation

Der Stamm Cnidaria wird traditionell in mehrere Klassen unterteilt, wobei die genaue Gliederung Gegenstand fortlaufender taxonomischer Revision ist. Die wichtigsten Klassen sind:

  • Hydrozoa (Hydrozoen): Die artenreichste Klasse mit rund 3.500 Arten. Hierzu gehören der Süßwasserpolyp Hydra, koloniebildende Staatsquallen wie die Portugiesische Galeere sowie zahlreiche marine Hydroiden. Viele Hydrozoen zeigen einen typischen Generationswechsel.
  • Scyphozoa (Schirmquallen): Etwa 200 Arten umfassend, bei denen die Medusenform dominiert. Die Polypenphase ist meist klein und kurzlebig. Bekannte Vertreter sind die Ohrenqualle (Aurelia aurita) und die Feuerqualle (Cyanea capillata).
  • Cubozoa (Würfelquallen): Rund 50 Arten mit charakteristisch würfelförmigem Schirm und hochentwickelten Linsenaugen. Einige Arten besitzen extrem potente Gifte.
  • Anthozoa (Blumentiere): Mit über 7.500 Arten die größte Klasse. Anthozoen existieren ausschließlich als Polypen, eine Medusenphase fehlt. Zu ihnen gehören Steinkorallen (Scleractinia), Weichkorallen (Alcyonacea), Seeanemonen (Actiniaria) und Schwarze Korallen (Antipatharia).
  • Staurozoa (Stielquallen): Eine kleine Gruppe von etwa 50 Arten mit becherförmigem Körper, die über einen Stiel am Substrat befestigt leben.
  • Myxozoa: Ehemals den Einzellern zugeordnete, mikroskopisch kleine Parasiten, die inzwischen als stark abgeleitete Cnidaria erkannt wurden. Sie parasitieren vor allem Fische und wirbellose Tiere.

Lebensraum und Verbreitung

Nesseltiere besiedeln nahezu alle aquatischen Lebensräume, von der Tiefsee bis zu tropischen Flachwasserzonen. Die überwältigende Mehrheit der Arten lebt marin. Nur wenige Gattungen wie Hydra und einige Süßwassermedusen der Gattung Craspedacusta kommen in Binnengewässern vor. Besonders hohe Artendichten finden sich in tropischen und subtropischen Meeresgebieten, wo riffbildende Steinkorallen komplexe dreidimensionale Lebensräume schaffen.

Ökologische Bedeutung

Die ökologische Rolle der Nesseltiere lässt sich kaum überschät