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Nickhaut

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Die Nickhaut (lat. Plica semilunaris conjunctivae, auch Membrana nictitans oder drittes Augenlid genannt) ist eine zusätzliche, halbdurchsichtige bis opake Bindehautfalte am medialen (nasenseitigen) Augenwinkel. Sie stellt neben dem oberen und unteren Augenlid (Palpebra superior und Palpebra inferior) ein drittes, von medial nach lateral über die Hornhaut (Cornea) vorschiebbares Schutzorgan des Auges dar. Die Nickhaut kommt bei den meisten Wirbeltieren vor und ist besonders bei Vögeln, Reptilien, Amphibien und vielen Säugetieren stark ausgeprägt. Beim Menschen ist sie zu einem funktionslosen Rudiment, der sogenannten Plica semilunaris, zurückgebildet.

Aufbau & Struktur

Die Nickhaut besteht aus einer doppelten Lage Bindehautepithel (Tunica conjunctiva), das eine dünne Schicht aus lockerem Bindegewebe, elastischen Fasern und lymphatischem Gewebe umschließt. Im Inneren befindet sich bei den meisten Spezies ein stützendes Skelett aus hyalinem Knorpel (T-förmig bei Hund und Katze) oder elastischem Knorpel, das der Membran ihre Form und Rückstellkraft verleiht.

An der Basis der Nickhaut, dem Knorpel unmittelbar anliegend, sitzt die Nickhautdrüse (Glandula palpebrae tertiae bzw. Glandula nictitantis). Diese akzessorische Tränendrüse produziert – je nach Tierart – 30 bis 50 % der gesamten wässrigen Phase des Tränenfilms. Histologisch handelt es sich um eine tubuloazinöse, überwiegend seröse Drüse, die bei einigen Spezies auch muköse Anteile aufweist.

Die Oberfläche der Nickhaut ist von mehrschichtigem, nicht verhornendem Plattenepithel bedeckt und enthält zahlreiche Becherzellen (Goblet-Zellen), die den Muzinanteil des präkornealen Tränenfilms wesentlich ergänzen. Auf der bulbusseitigen Fläche finden sich zudem lymphatische Follikel, die zur lokalen Immunabwehr (CALT – Conjunctiva-Associated Lymphoid Tissue) beitragen.

Die Innervation erfolgt über Äste des Nervus ophthalmicus (V1) und sympathische Fasern. Die Blutversorgung wird über Äste der Arteria ophthalmia externa gewährleistet.

Funktion

Die Nickhaut erfüllt mehrere zentrale Aufgaben beim Schutz und der Erhaltung der Augengesundheit:

  • Mechanischer Schutz: Bei Bedrohung, Reizung oder bei der Retraktion des Bulbus durch den Musculus retractor bulbi schiebt sich die Nickhaut passiv über die Hornhaut und schützt diese vor Fremdkörpern, Verletzungen und Austrocknung.
  • Verteilung des Tränenfilms: Die wischende Bewegung verteilt den Tränenfilm gleichmäßig über die Corneaoberfläche und transportiert Debris und Partikel zum medialen Augenwinkel.
  • Tränenproduktion: Die Nickhautdrüse liefert einen wesentlichen Anteil der wässrigen und mukösen Tränensekretion.
  • Immunologische Barriere: Das in der Nickhaut enthaltene lymphatische Gewebe bildet eine aktive Abwehrfront gegen pathogene Keime an der Augenoberfläche.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Ausprägung und Funktionsweise der Nickhaut variiert erheblich zwischen den einzelnen Wirbeltierklassen:

  • Vögel: Die Nickhaut ist transparent, äußerst beweglich und wird durch den Musculus pyramidalis und den Musculus quadratus aktiv über die Hornhaut gezogen. Sie schützt das Auge beim Flug, beim Tauchen (z. B. bei Kormoranen) und bei der Fütterung der Jungvögel. Der aktive Nickhautmechanismus ermöglicht blitzschnelles Blinzeln bei gleichzeitigem Sehvermögen.
  • Reptilien: Viele Schlangen besitzen statt einer beweglichen Nickhaut eine fest mit der Cornea verwachsene, transparente Schutzkappe – die Brille (Spectacle). Krokodile und viele Echsen hingegen verfügen über eine voll funktionale, aktiv bewegliche Nickhaut.
  • Amphibien: Frösche und Kröten besitzen eine gut entwickelte Nickhaut, die beim Untertauchen den Schutz der Augen übernimmt und das Beutefangen unterstützt.
  • Hund und Katze: Die Nickhaut wird überwiegend passiv durch die Retraktion des Bulbus vorgeschoben. Der T-förmige Knorpel sorgt für Stabilität. Bei der Katze ist die Nickhaut besonders prominent sichtbar, wenn das Tier erkrankt oder sediert ist.
  • Pferd und Rind: Bei Großtieren ist die Nickhaut kräftig ausgebildet. Beim Pferd enthält sie zusätzlich pigmentierte Bereiche am freien Rand.
  • Primaten und Mensch: Die Nickhaut ist zum funktionslosen Rudiment (Plica semilunaris) zurückgebildet. Dieses Überbleibsel zählt zu den klassischen Beispielen rudimentärer Organe in der vergleichenden Anatomie.

Besonderheiten

Bei Haien und einigen anderen Knorpelfischen existiert eine sogenannte Nickhauttasche, die das gesamte Auge unmittelbar vor einem Beuteangriff vollständig bedecken kann – ein biomechanisch bemerkenswerter Schutzmechanismus. Tauchvögel wie der Kormoran nutzen die transparente Nickhaut als eine Art biologische Taucherbrille, die unter Wasser scharfes Sehen ermöglicht und gleichzeitig die Cornea schützt.

In der Falknerei dient der Nickhautschluss als wichtiger Indikator