Nierenfleck-Zipfelfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thecla betulae
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
- Unterfamilie: Zipfelfalter (Theclinae)
- Gattung: Thecla
- Lebensraum: Heckenlandschaften, Waldränder, Schlehen- und Weißdorngebüsche
- Flügelspannweite: 30–40 mm
- Gewicht: ca. 0,05–0,1 g
- Lebenserwartung (Imago): ca. 3–5 Wochen
- Flugzeit: Ende Juni bis September
Aussehen & Merkmale
Der Nierenfleck-Zipfelfalter gehört zu den größten Vertretern der Familie der Bläulinge in Mitteleuropa. Die Flügeloberseiten beider Geschlechter sind dunkelbraun, wobei die Weibchen ein auffälliges, orangefarbenes Feld auf den Vorderflügeln tragen – ein Merkmal, das die Geschlechterunterscheidung im Feld deutlich erleichtert. Den Männchen fehlt diese orange Zeichnung nahezu vollständig.
Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern leuchtend orangebraun gefärbt und zeigen eine markante weiße, schwarz umrandete Querlinie. Namensgebend ist der nierenförmige Fleck auf der Unterseite der Hinterflügel, der in einer hellen, weißlich abgesetzten Binde liegt. An den Hinterflügeln befinden sich zudem kurze, schwänzchenartige Fortsätze – die sogenannten „Zipfel" –, die für die gesamte Unterfamilie der Zipfelfalter (Theclinae) typisch sind. Die Fühler sind deutlich gekeult und tragen eine helle Ringelung.
Im Ruhezustand klappt der Nierenfleck-Zipfelfalter seine Flügel stets über dem Körper zusammen, sodass fast ausschließlich die markante Unterseite sichtbar wird. Die Oberseite bekommt man im Freiland daher nur selten zu Gesicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Thecla betulae erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Kleinasien bis nach Zentralasien und in den Fernen Osten Russlands. In Europa kommt die Art von Südskandinavien bis in den Mittelmeerraum vor, fehlt jedoch auf den meisten Mittelmeerinseln sowie in Nordschottland und Island.
Als Habitat bevorzugt der Falter strukturreiche Landschaften mit ausgedehnten Hecken und Gebüschsäumen. Besonders an Waldrändern, entlang von Feldhecken, an Hohlwegen und in verbuschten Magerrasen ist er anzutreffen. Entscheidend für das Vorkommen ist das Vorhandensein der Schlehe (Prunus spinosa), die als Hauptfutterpflanze der Raupen dient. Daneben werden gelegentlich auch andere Prunus-Arten, Weißdorn (Crataegus) sowie vereinzelt Birke (Betula) und Pflaume (Prunus domestica) genutzt – trotz des wissenschaftlichen Artnamens „betulae" ist die Birke allerdings keineswegs die bevorzugte Nahrungspflanze.
Ernährung
Die Raupen des Nierenfleck-Zipfelfalters ernähren sich von den Blättern und Blütenknospen ihrer Futterpflanzen, vor allem von Schlehe und Weißdorn. Sie fressen bevorzugt nachts und verbergen sich tagsüber eng an Äste oder Zweige geschmiegt, wo ihre grüne Färbung mit hellen Seitenstreifen eine gute Tarnung bietet.
Die erwachsenen Falter (Imagines) nehmen Nahrung in Form von Honigtau auf, den Blattläuse auf Blättern ausscheiden. Seltener besuchen sie Blüten, weshalb man sie im Vergleich zu anderen Tagfaltern weniger häufig an Nektarpflanzen beobachtet. Auch an überreifem Obst oder feuchten Bodenstellen können sie gelegentlich saugend angetroffen werden.
Verhalten & Lebensweise
Der Nierenfleck-Zipfelfalter ist ein typischer Tagfalter, der sich jedoch auffällig häufig im Kronenbereich von Bäumen und hohen Sträuchern aufhält. Dieses Verhalten – als „canopy species" bezeichnet – macht ihn trotz seiner relativen Häufigkeit schwer zu beobachten. Am Boden oder in Augenhöhe zeigt er sich nur selten, etwa wenn Weibchen zur Eiablage an niedrige Schlehengebüsche herabfliegen oder Falter zur Honigtauaufnahme tiefere Blattbereiche aufsuchen.
Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Sie besetzen exponierte Sitzwarten in Baumkronen und verteidigen diese gegen Artgenossen und andere Insekten durch kurze, schnelle Verfolgungsflüge. Die Flugweise ist vergleichsweise schnell und geradlinig. Die Flugzeit erstreckt sich von Ende Juni bis in den September, mit einem Schwerpunkt im Juli und August. Pro Jahr wird nur eine Generation ausgebildet (univoltine Art).
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet überwiegend im Kronenbereich der Bäume statt. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an den Astgabeln und Knospenansätzen der Futterpflanzen ab – bevorzugt an Schlehe. Die Eier sind weiß, flach scheibenförmig und tragen eine charakteristische wabenartige Oberflächenstruktur. Sie überwintern am Gehölz und sind in der kahlen Winterzeit mit etwas Übung gut zu finden, was ein beliebtes Nachweisverfahren bei Kartierungen darstellt.
Im zeitigen Frühjahr, meist im April, schlüpfen die Raupen und beginnen an den austreibenden Knospen zu fressen. Die Raupenentwicklung durchläuft fünf Larvenstadien und dauert etwa sechs bis acht Wochen. Die ausgewachsenen Raupen sind grün mit gelblichen Seitenstreifen und einer schwach angedeuteten Rückenzeichnung, die ihre Kontur auf Blättern optisch auflöst. Die Verpuppung erfolgt am Boden in der Streuschicht oder in lockerem Erdreich. Die Puppenruhe dauert rund drei bis vier Wochen.