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Nüster

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Als Nüster (lat. naris, Plural nares) wird die äußere Nasenöffnung bei Pferden und anderen Equiden bezeichnet. Der Begriff hat sich in der deutschsprachigen Veterinäranatomie als artspezifische Bezeichnung für die äußeren Nasenlöcher des Pferdes etabliert, wird gelegentlich aber auch auf andere Großtiere wie Rinder übertragen. Im engeren anatomischen Sinne umfasst die Nüster nicht nur die Öffnung selbst, sondern auch die sie umgebenden Weichteilstrukturen, einschließlich der Nasenflügel (Alae nasi), des Nasenknorpels und der angrenzenden Schleimhaut. Die Nüstern bilden den Eingang zu den Nasenhöhlen (Cavum nasi) und stellen damit den Anfang der oberen Atemwege dar. Da das Pferd ein obligater Nasenatmer ist, kommt den Nüstern eine überragende funktionelle Bedeutung zu.

Aufbau & Struktur

Die Nüster des Pferdes hat eine charakteristische kommaförmige bis halbmondförmige Gestalt. Sie wird von einem medialen und einem lateralen Nasenflügel (Ala nasi medialis und Ala nasi lateralis) begrenzt. Diese Nasenflügel bestehen aus elastischem Knorpel, Bindegewebe, glatter Muskulatur und äußerer Haut, die am Übergang zur Nasenhöhle in die Nasenschleimhaut (Tunica mucosa nasi) übergeht.

Folgende Strukturen sind von besonderer Bedeutung:

  • Lateraler Nasenflügel (Ala nasi lateralis): Dieser ist beweglicher und stärker bemuskelt. Er kann durch die Tätigkeit des Musculus dilatator naris apicalis und des Musculus lateralis nasi aktiv erweitert werden, was bei Belastung die Atemöffnung deutlich vergrößert.
  • Medialer Nasenflügel (Ala nasi medialis): Er ist weniger beweglich und bildet die Begrenzung zum Nasenseptum (Septum nasi) hin.
  • Nasentrompete (Diverticulum nasi): Eine für Equiden typische, blind endende Aussackung, die sich dorsolateral zwischen dem lateralen Nasenflügel und dem darunterliegenden Knorpelgerüst befindet. Dieses Divertikel ist etwa 5–7 cm tief und mit Haut ausgekleidet.
  • Knorpelgerüst: Die knorpelige Grundlage bilden die Cartilago nasi lateralis sowie die Cartilago alaris, die den Nasenflügeln Form und Stabilität verleihen.
  • Gefäßversorgung: Die arterielle Versorgung erfolgt über Äste der Arteria facialis, insbesondere die Arteria lateralis nasi. Die Innervation übernehmen Äste des Nervus infraorbitalis aus dem Nervus trigeminus (V. Hirnnerv).

Die Haut im Bereich der Nüstern ist dünn, pigmentiert und mit feinen Tasthaaren (Vibrissae) besetzt, die als Sinnesorgane dienen.

Funktion

Die Nüstern erfüllen beim Pferd mehrere zentrale Funktionen:

  • Atemfunktion: Da das Pferd aufgrund der anatomischen Lage des Gaumensegels (Palatum molle) ausschließlich durch die Nase atmet, sind die Nüstern der alleinige Zugang für die Atemluft. Unter körperlicher Belastung können die Nasenflügel durch aktive Muskelkontraktion maximal erweitert werden, wodurch der Atemwiderstand erheblich gesenkt wird. Dies ist besonders bei Galopp und Leistungssport überlebenswichtig.
  • Klimatisierung der Atemluft: Bereits im Bereich der Nüstern beginnt die Erwärmung, Befeuchtung und Filterung der eingeatmeten Luft – Funktionen, die sich in den tieferen Abschnitten der Nasenhöhle fortsetzen.
  • Geruchswahrnehmung: Die Nüstern leiten die Atemluft zur Riechschleimhaut (Regio olfactoria) im dorsalen Abschnitt der Nasenhöhle. Das typische Flehmen, bei dem die Oberlippe hochgezogen und die Nüstern verengt werden, dient dem gezielten Transport von Duftstoffen zum Jacobson-Organ (Organum vomeronasale).
  • Kommunikation: Das Spiel der Nüstern – ihre Weitung, Verengung oder das Blähen – ist Bestandteil der Körpersprache des Pferdes und signalisiert Erregung, Aufmerksamkeit, Angst oder Entspannung.
  • Tastfunktion: Die Vibrissen an den Nüsternrändern nehmen taktile Reize wahr und helfen dem Pferd, Futter und Gegenstände in unmittelbarer Nähe zu prüfen.

Unterschiede zwischen Tierarten

Der Begriff Nüster wird primär für Equiden verwendet, doch äußere Nasenöffnungen existieren bei allen luftatmenden Wirbeltieren in artspezifischer Ausprägung:

  • Pferd (Equus caballus): Große, kommaförmige Nüstern mit ausgeprägter Beweglichkeit und einem Nasendivertikel. Obligater Nasenatmer.
  • Rind (Bos taurus): Die Nasenöffnungen sind in den breiten, feuchten Flotzmaul (Planum nasolabiale) eingebettet. Weniger beweglich als beim Pferd, kein Nasendivertikel vorhanden.
  • Hund (Canis familiaris): Die Nasenlöcher liegen im Nasenspiegel (Planum nasale). Ihre Form variiert erheblich zwischen brachyzephalen und dolichozephalen Rassen, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Atmung hat.
  • Schwein (Sus domesticus): Die Nasenöffnungen befinden sich auf der Rüsselscheibe (Planum rostrale), die als taktiles und olfaktorisches Organ beim Wühlen dient.
  • Kat