Numbat
NTierart – Säugetiere > Beuteltiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Myrmecobius fasciatus
- Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
- Familie: Myrmecobiidae (Ameisenbeutler)
- Gattung: Myrmecobius
- Lebensraum: Eukalyptuswälder und offene Waldlandschaften im Südwesten Australiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 20–29 cm, Schwanz 12–21 cm
- Gewicht: 280–700 g
- Lebenserwartung: ca. 5 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 8 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Numbat, im Deutschen auch als Ameisenbeutler bezeichnet, ist ein kleines, schlankes Beuteltier mit einer auffälligen Fellzeichnung. Das Fell ist rötlich-braun bis graubraun gefärbt und wird zur Hinterpartie hin von vier bis elf markanten weißen bis cremefarbenen Querstreifen durchzogen. Diese Bänderung auf dem Rücken macht den Numbat unverwechselbar und dient vermutlich der Tarnung in lichtdurchfluteten Wäldern mit Schattenwurf. Über die Augen zieht sich beidseitig ein dunkler Streifen, der an eine Gesichtsmaske erinnert – ein Merkmal, das bei Beuteltieren selten vorkommt.
Der Kopf ist schmal und flach, die Schnauze spitz und länglich. Die Ohren sind aufrecht und relativ groß. Die Zunge ist dünn, zylindrisch und kann bis zu 10 cm weit aus dem Maul gestreckt werden – eine Anpassung an die spezialisierte Ernährungsweise. Das Gebiss weist eine ungewöhnlich hohe Zahl von bis zu 52 Zähnen auf, die allerdings klein und degeneriert sind, da die Nahrung nicht gekaut wird. Der buschige Schwanz wird beim Laufen oft aufgerichtet getragen und dient als Balancehilfe.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Numbats erstreckte sich über weite Teile Süd- und Westaustraliens, von New South Wales bis zur Westküste. Heute ist das natürliche Vorkommen auf wenige isolierte Populationen im Südwesten von Western Australia beschränkt. Die Art bewohnt bevorzugt offene Eukalyptus-Wandoo-Wälder (Eucalyptus wandoo) und lichte Jarrah-Wälder, in denen ausreichend Totholz am Boden vorhanden ist. Umgestürzte Baumstämme und hohle Äste dienen als Unterschlupf und Nistplätze.
Das Habitat des Numbats ist eng an das Vorhandensein von Termitenpopulationen gebunden, die sein Hauptnahrungsmittel darstellen. Offene Waldlandschaften mit lockerem Unterwuchs und gutem Zugang zum Boden bieten ideale Bedingungen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Biotop durch Rodung, Landwirtschaft und Fragmentierung erheblich verkleinert. Wiederansiedlungsprogramme haben neue Populationen in eingezäunten Schutzgebieten in South Australia und New South Wales etabliert.
Ernährung
Der Numbat ist ein hochspezialisierter Termitenfresser (Myrmekophage). Seine Nahrung besteht nahezu ausschließlich aus Termiten, wobei ein einzelnes Tier täglich bis zu 20.000 Termiten verzehrt. Die Nahrungsaufnahme erfolgt, indem der Numbat mit seinen kräftigen Vorderpfoten die oberflächlichen Gänge von Termitenbauten aufkratzt und die Insekten mit seiner langen, klebrigen Zunge aufnimmt. Im Gegensatz zu echten Ameisenbären bricht er die massiven Termitenbauten nicht auf, sondern nutzt die flachen, unterirdischen Galerien, durch die die Termiten zwischen Nest und Nahrungsquellen wandern.
Die Nahrungssuche richtet sich nach der Aktivität der Termiten, die wiederum stark von der Bodentemperatur abhängt. Im Sommer sucht der Numbat vorwiegend in den kühleren Morgen- und Abendstunden nach Nahrung, während er im Winter die wärmeren Mittagsstunden nutzt. Gelegentlich werden auch Ameisen aufgenommen, diese machen jedoch nur einen geringen Anteil der Gesamtnahrung aus.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu den meisten australischen Beuteltieren ist der Numbat tagaktiv. Dieses Verhalten steht in direktem Zusammenhang mit der Aktivität seiner Beute: Termiten sind in ihren oberflächennahen Gängen vor allem tagsüber unterwegs, wenn der Boden sich erwärmt. Nachts und bei niedrigen Temperaturen zieht sich der Numbat in hohle Baumstämme, Erdbauten oder selbst gegrabene flache Höhlen zurück, wo er in einen Torpor-Zustand fallen kann, um Energie zu sparen.
Numbats sind Einzelgänger. Sowohl Männchen als auch Weibchen besetzen ein Revier, das je nach Nahrungsangebot zwischen 25 und 50 Hektar umfassen kann. Die Reviere von Männchen und Weibchen können sich überlappen, gleichgeschlechtliche Tiere meiden einander jedoch weitgehend. Die Kommunikation erfolgt über Duftmarken, die mit einer Brustdrüse an Steinen, Ästen und dem Boden abgesetzt werden. Bei Bedrohung durch Raubfeinde – darunter Greifvögel, Warane und eingeschleppte Rotfüchse – flüchtet der Numbat in den nächsten hohlen Baumstamm und blockiert den Eingang mit seinem Hinterteil.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die australischen Sommermonate Dezember bis Januar. Nach einer Tragzeit von nur etwa 14 Tagen bringt das Weibchen in der Regel vier Jungtiere zur Welt. Eine anatomische Besonderheit unterscheidet den Numbat von den meisten anderen Beuteltieren: Das Weibchen besitzt keinen vollständig ausgebildeten Beutel. Stattdessen hängen die winzigen, bei der Geburt nur wenige Millimeter großen Jungtiere frei an den vier Zitzen der Mutter und werden lediglich durch das umgebende Bauchfell und die Körperbehaarung geschützt.
Die Jungtiere bleiben etwa sechs Monate an den Zitzen fixiert, bevor sie sich lösen und in einem Nestbau aus Blättern und Gras abgesetzt