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Ohrmuschel

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Die Ohrmuschel (lat. Auricula auris, auch Pinna) ist der äußerlich sichtbare Anteil des Ohres und bildet den ersten funktionellen Abschnitt des äußeren Ohres (Auris externa). Sie besteht aus einem elastischen Knorpelgerüst, das von Haut überzogen ist, und dient primär dem Auffangen und Weiterleiten von Schallwellen in den äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus). Die Ohrmuschel ist bei Haussäugetieren in Form, Größe, Stellung und Beweglichkeit außerordentlich variabel – sowohl zwischen den Tierarten als auch zwischen einzelnen Rassen. Neben der akustischen Funktion spielt sie eine wichtige Rolle in der Thermoregulation und der innerartlichen Kommunikation.

Aufbau & Struktur

Das Grundgerüst der Ohrmuschel bildet der Ohrknorpel (Cartilago auriculae), eine Platte aus elastischem Knorpel, die der Pinna ihre charakteristische Form verleiht. Dieser Knorpel ist dünn, aber formstabil und lässt sich in mehrere topographische Abschnitte gliedern:

  • Scapha (Ohrmuschelrinne): die löffelförmig vertiefte Innenfläche, die Schallwellen sammelt und zum Gehörgang leitet.
  • Helix: der aufgerollte freie Rand der Ohrmuschel.
  • Antihelix: eine Erhebung auf der Innenfläche, die parallel zur Helix verläuft.
  • Tragus und Antitragus: kleine Knorpelvorsprünge am Eingang des Gehörgangs, die bei einigen Tierarten als Schutzstruktur dienen.
  • Concha auriculae: die tiefste muschelförmige Vertiefung, die direkt in den äußeren Gehörgang übergeht.

Der Knorpel wird beidseitig von dünner, eng anliegender Haut überzogen. Die Innenfläche trägt bei vielen Arten spärliche Schutzhaare (Tragi), während die Außenfläche dichter behaart sein kann. In der Haut der Ohrmuschel finden sich Talgdrüsen und vereinzelt Schweißdrüsen.

Die Beweglichkeit der Ohrmuschel wird durch eine Gruppe von Ohrmuskeln (Musculi auriculares) ermöglicht. Bei den meisten Haussäugetieren sind über 20 quergestreifte Muskeln an der Ohrmuschel befestigt, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: die rostralen (Mm. auriculares rostrales), dorsalen (Mm. auriculares dorsales) und kaudalen Ohrmuschelmuskeln (Mm. auriculares caudales). Diese ermöglichen eine unabhängige Rotation der Ohrmuschel um nahezu 180° – beim Pferd sogar in alle Richtungen. Die Innervation erfolgt über Äste des Nervus facialis (VII. Hirnnerv) für die motorische Versorgung und über den Nervus auriculotemporalis sowie den Ramus auricularis nervi vagi für die sensible Innervation. Die Blutversorgung wird hauptsächlich durch die Arteria auricularis caudalis und die Arteria auricularis rostralis sichergestellt.

Funktion

Die zentrale Aufgabe der Ohrmuschel ist die Schallaufnahme. Die trichterförmige Struktur der Pinna sammelt Schallwellen aus der Umgebung und bündelt sie in Richtung Trommelfell (Membrana tympani). Durch die Möglichkeit, die Ohrmuscheln unabhängig voneinander zu bewegen, können viele Tierarten die Richtung einer Schallquelle präzise orten, ohne den Kopf zu drehen.

Darüber hinaus erfüllt die Ohrmuschel eine bedeutende Funktion in der Thermoregulation. Bei Tierarten mit großen, stark vaskularisierten Ohrmuscheln – etwa beim Afrikanischen Elefanten oder beim Wüstenfuchs (Fennec) – dient die große Oberfläche der Wärmeabgabe über das dichte subkutane Gefäßnetz.

Nicht zuletzt ist die Ohrmuschel ein wichtiges Instrument der sozialen Kommunikation. Die Stellung der Ohren signalisiert bei Pferden, Hunden, Katzen und zahlreichen anderen Arten emotionale Zustände wie Aufmerksamkeit, Aggression, Unterwerfung oder Angst.

Unterschiede zwischen Tierarten

  • Pferd (Equus caballus): Aufrecht stehende, relativ große und hochbewegliche Ohrmuscheln. Die Muskulatur ist besonders stark entwickelt, was eine Rotation um fast 180° erlaubt. Die Ohrstellung ist ein zentrales Element der Pferdesprache.
  • Hund (Canis lupus familiaris): Extreme rassebedingte Variation – von aufrecht stehenden Ohren (Spitz, Deutscher Schäferhund) über Kippohren (Collie) bis zu stark hängenden Schlappohren (Basset Hound, Beagle). Hängeohren resultieren aus einem weniger steifen Ohrknorpel und einer veränderten Muskelspannung. Diese Zuchtform begünstigt Belüftungsprobleme im Gehörgang.
  • Katze (Felis catus): Dreieckige, aufrecht stehende Ohrmuscheln mit ausgeprägter Beweglichkeit. Die Innenfläche trägt charakteristische Haarbüschel, die als Filterschutz dienen.
  • Rind (Bos taurus): Seitlich abstehende, relativ steife Ohrmuscheln mit geringerer Beweglichkeit im Vergleich zu Pferd und Katze. Die Ohrform dient bei einigen Rassen als Rasseerkennungsmerkmal.
  • Kaninchen (Oryctolagus cuniculus): Besonders lange Ohrmuscheln, die neben der Schallortung maßgeblich der Thermoregulation dienen. Bei Widderkaninchen hängen die Ohren aufgrund eines veränderten Kn