Omnivore
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Definition und Überblick
Als Omnivore (von lateinisch omnis = alles und vorare = verschlingen) werden Tiere bezeichnet, die sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung ernähren. Im Deutschen ist der Begriff Allesfresser gebräuchlich. Omnivorie stellt neben der reinen Pflanzenfresserei (Herbivorie) und der reinen Fleischfresserei (Karnivorie) eine der drei grundlegenden Ernährungsstrategien im Tierreich dar. Dabei handelt es sich nicht um eine taxonomische Gruppe, sondern um eine ökologische Klassifikation, die Tiere unterschiedlichster Verwandtschaftsgrade umfasst – von Insekten über Fische und Vögel bis hin zu Säugetieren.
Die omnivore Lebensweise hat sich in der Evolution vielfach unabhängig voneinander entwickelt. Sie gilt als besonders anpassungsfähig, da Allesfresser bei Engpässen einer Nahrungsquelle auf alternative Ressourcen ausweichen können. Diese Flexibilität verschafft ihnen in vielen Lebensräumen einen erheblichen Überlebensvorteil.
Abgrenzung zu anderen Ernährungstypen
Die Grenzen zwischen Omnivorie, Herbivorie und Karnivorie sind in der Praxis oft fließend. Viele als herbivor geltende Tiere nehmen gelegentlich tierisches Eiweiß zu sich – etwa Rehe, die Vogeleier fressen, oder Kühe, die Insekten mit dem Gras aufnehmen. Umgekehrt ergänzen manche Karnivoren ihren Speiseplan mit pflanzlicher Kost, wie es bei Rotfüchsen oder bestimmten Bärenarten der Fall ist.
In der Ökologie unterscheidet man daher häufig zwischen:
- Obligate Omnivore – Tiere, die auf eine gemischte Ernährung angewiesen sind, um ihren Nährstoffbedarf zu decken.
- Fakultative Omnivore – Tiere, die grundsätzlich einer bestimmten Ernährungsweise zuneigen, bei Bedarf aber auf andere Nahrungsquellen zurückgreifen.
Zusätzlich existieren Begriffe wie Euryphag (breitgefächertes Nahrungsspektrum) und Stenophag (eng begrenztes Nahrungsspektrum), die das Ausmaß der Nahrungsvielfalt genauer beschreiben. Omnivore sind in der Regel euryphag.
Anatomische und physiologische Merkmale
Die Körperbau- und Verdauungsmerkmale omnivorer Tiere spiegeln ihre gemischte Ernährung wider. Im Vergleich zu spezialisierten Herbivoren oder Karnivoren zeigen sie häufig eine intermediäre Ausstattung:
- Gebiss: Allesfresser besitzen oft ein vielseitiges Gebiss mit unterschiedlichen Zahntypen. Schneidezähne zum Abbeißen, Eckzähne zum Greifen und Reißen sowie flache Backenzähne (Molaren) zum Zermahlen pflanzlicher Nahrung stehen nebeneinander. Das menschliche Gebiss ist ein typisches Beispiel für diese Kombination. Auch das Gebiss von Schweinen und Braunbären zeigt diese Mischform.
- Verdauungstrakt: Der Magen-Darm-Trakt omnivorer Säugetiere ist in seiner Länge und Komplexität ein Mittelweg zwischen dem kurzen Darm reiner Fleischfresser und dem langen, oft mit Gärkammern versehenen Verdauungssystem reiner Pflanzenfresser. Die Darmflora omnivorer Arten enthält eine besonders diverse Mikrobiota, die sowohl pflanzliche Zellulose als auch tierische Proteine aufspalten kann.
- Sinnesorgane: Viele omnivore Säugetiere verfügen über gut entwickelte Sinne zur Nahrungserkennung – einen ausgeprägten Geruchssinn, ein breites Gesichtsfeld und flexible Extremitäten, die das Greifen und Manipulieren unterschiedlicher Nahrungsobjekte ermöglichen.
Bekannte Vertreter im Tierreich
Omnivorie tritt in nahezu allen Tiergruppen auf. Zu den bekanntesten Allesfressern gehören:
- Säugetiere: Das Wildschwein (Sus scrofa) ist ein klassischer Omnivore, dessen Speiseplan von Eicheln, Wurzeln und Pilzen bis hin zu Insektenlarven, Kleinsäugern und Aas reicht. Braunbären (Ursus arctos) ernähren sich je nach Jahreszeit von Beeren, Gräsern, Fischen und Honig. Auch Ratten, Waschbären, Dachse und zahlreiche Primaten – einschließlich des Menschen – zählen zu den Omnivoren.
- Vögel: Rabenvögel wie Kolkrabe und Elster, Hühnervögel sowie Kraniche nutzen ein breites Nahrungsspektrum aus Sämereien, Früchten, Insekten und kleinen Wirbeltieren.
- Reptilien: Bestimmte Schildkrötenarten und einige Eidechsen ernähren sich omnivor und nehmen sowohl Pflanzenmaterial als auch Wirbellose auf.
- Fische: Karpfen, Piranhas der Gattung Colossoma sowie viele Buntbarsche gelten als Allesfresser.
- Wirbellose: Unter den Insekten sind zahlreiche Arten omnivor, darunter Schaben, bestimmte Ameisenarten und Ohrwürmer.
Ökologische Bedeutung
Omnivore nehmen in Ökosystemen eine besondere Stellung ein, da sie mehrere trophische Ebenen gleichzeitig besetzen. Als Konsumenten erster und zweiter Ordnung verbinden sie Nahrungsnetze miteinander und erhöhen deren Komplexität. Diese Mehrfachvernetzung kann stabilisierend auf ein Ökosystem wirken, weil Allesfresser bei einem Rückgang bestimmter Nahrungsquellen auf Alternativen umstellen, ohne selbst drastische Bestandseinbrüche zu erleiden.
Gleichzeitig können omnivore Arten als Regulatoren wirken, indem sie sowohl Pflanzenbestände als auch Populationen kleinerer Tiere beeinflussen. In gestörten oder fragmentierten Lebensräumen sind es häufig Generalisten mit omnivorer Ernährungsweise, die sich als Erste erfolgreich ansiedeln – darunter Kultur