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Orchideenmantis

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hymenopus coronatus
  • Ordnung: Fangschrecken (Mantodea)
  • Familie: Hymenopodidae
  • Gattung: Hymenopus
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Südostasiens
  • Größe: Weibchen ca. 60–70 mm, Männchen ca. 25–30 mm
  • Gewicht: Weibchen ca. 5–7 g, Männchen unter 1 g
  • Lebenserwartung: Weibchen ca. 8–12 Monate, Männchen ca. 5–6 Monate

Aussehen & Merkmale

Die Orchideenmantis gehört zu den visuell auffälligsten Vertretern der Ordnung Mantodea. Ihr gesamter Körperbau ist darauf ausgerichtet, die Blütenblätter tropischer Orchideen und anderer Blütenpflanzen nachzuahmen – ein Phänomen, das in der Biologie als aggressive Mimikry bezeichnet wird. Die Grundfärbung variiert zwischen reinem Weiß und verschiedenen Rosatönen, gelegentlich mit zarten violetten oder gelblichen Akzenten. Diese Färbung kann sich über mehrere Häutungen hinweg leicht verändern und passt sich in gewissem Maß der Umgebung an.

Besonders charakteristisch sind die verbreiterten, blütenblattartigen Loben an den mittleren und hinteren Beinpaaren. Diese flachen, lappenförmigen Auswüchse verstärken die Blütenmimikry erheblich. Der Prothorax ist im Vergleich zu vielen anderen Fangschrecken relativ kurz und breit. Die Facettenaugen sind groß und stehen seitlich am dreieckigen Kopf, was der Orchideenmantis ein weites Sichtfeld verschafft. Wie bei allen Mantodea besitzt auch diese Art spezialisierte Fangbeine (Raptorialbeine) am ersten Beinpaar, die mit Dornenreihen besetzt sind und zum blitzschnellen Ergreifen von Beutetieren dienen.

Der Geschlechtsdimorphismus ist bei Hymenopus coronatus extrem ausgeprägt. Weibchen erreichen mehr als die doppelte Körperlänge der Männchen und sind dabei deutlich massiger gebaut. Männchen sind schlanker, besitzen längere Antennen und voll entwickelte Flügel, die ihnen kurze Flüge ermöglichen. Weibchen können zwar ebenfalls Flügel ausbilden, sind aber aufgrund ihres höheren Körpergewichts kaum flugfähig.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Orchideenmantis erstreckt sich über die tropischen Regenwälder Südostasiens. Nachgewiesene Vorkommen gibt es in Malaysia, Indonesien (insbesondere Sumatra und Borneo), Thailand und Myanmar. Ihr bevorzugtes Habitat sind die unteren und mittleren Stockwerke des tropischen Regenwaldes, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit von 60–80 % und Temperaturen zwischen 25 und 30 °C herrschen.

Die Art besiedelt vorrangig Bereiche mit reichem Blütenangebot, da sie für ihre Jagdstrategie auf blühende Pflanzen angewiesen ist. Dabei sitzt sie nicht ausschließlich auf Orchideen, wie der deutsche Trivialname vermuten lässt, sondern nutzt verschiedenste blühende Gewächse als Ansitzplatz. Entscheidend ist, dass die Vegetation ausreichend Deckung bietet und bestäubende Insekten anzieht.

Ernährung

Die Orchideenmantis ist eine rein karnivor lebende Lauerjägerin. Ihre Jagdmethode beruht auf aggressiver Mimikry: Anstatt sich lediglich vor Fressfeinden zu tarnen, lockt sie durch ihre blütenähnliche Erscheinung aktiv Beutetiere an. Fliegende Insekten wie Bienen, Fliegen, Schmetterlinge und andere Bestäuber nähern sich der vermeintlichen Blüte und werden mit einem extrem schnellen Fangschlag der Raptorialbeine ergriffen. Dieser Fangschlag dauert nur wenige Millisekunden.

Studien haben gezeigt, dass Hymenopus coronatus für bestäubende Insekten sogar attraktiver sein kann als echte Blüten in der unmittelbaren Umgebung. Die Tiere reflektieren UV-Licht in einem Muster, das dem vieler tropischer Blüten ähnelt, was die Anlockwirkung auf Insekten zusätzlich verstärkt. Neben fliegenden Insekten werden gelegentlich auch kleine Käfer, Grillen und andere Wirbellose erbeutet. Jüngere Nymphenstadien ernähren sich zunächst von kleineren Beutetieren wie Fruchtfliegen und Blattläusen.

Verhalten & Lebensweise

Die Orchideenmantis lebt solitär. Außerhalb der Paarungszeit meiden die Tiere den Kontakt zu Artgenossen, da bei Fangschrecken generell eine ausgeprägte Neigung zum Kannibalismus besteht. Die Art ist vorwiegend tagaktiv, da ihre Jagdstrategie auf die Aktivität bestäubender Insekten bei Tageslicht angewiesen ist.

Im Ruhezustand verharren die Tiere regungslos auf Pflanzen und sind dabei durch ihre Tarnfärbung selbst für geübte Beobachter schwer zu entdecken. Bei Bedrohung können Orchideenmantiden eine Schreckstellung (Deimatik) einnehmen, bei der sie die Fangbeine spreizen und den Körper vergrößern, um potenzielle Fressfeinde abzuschrecken. Zu ihren natürlichen Feinden zählen insektenfressende Vögel, Geckos und größere räuberische Arthropoden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Geschlechtsreife Männchen suchen aktiv nach Weibchen, wobei sie dabei vermutlich Pheromone zur Orientierung nutzen. Die Annäherung erfolgt vorsichtig und langsam, da das deutlich größere Weibchen das Männchen als Beute betrachten kann. Sexueller Kannibalismus kommt vor, ist aber nicht bei jeder Paarung die Regel – gut genährte Weibchen greifen seltener zu.

Nach erfolgreicher Begattung legt das Weibchen innerhalb von ein bis zwei Wochen eine Oothek (Eipaket) ab. Diese schaumige Struktur wird an Ästen oder Blättern befestigt und härtet an der Luft aus. Eine Oothek enthält je nach