T Tierlexikon.net
← Lexikon

Ordnung

O

Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Die Ordnung (lateinisch ordo, Plural ordines) ist eine hierarchische Rangstufe innerhalb der biologischen Systematik. Sie steht zwischen der Klasse (übergeordnet) und der Familie (untergeordnet) und fasst verwandte Familien zu einer größeren Einheit zusammen. Jede Ordnung vereint Organismen, die aufgrund gemeinsamer Abstammung und übereinstimmender Merkmale eine natürliche Verwandtschaftsgruppe bilden. Im zoologischen Alltag gehört die Ordnung zu den am häufigsten verwendeten taxonomischen Kategorien, da sie Tiergruppen in einer Auflösung zusammenfasst, die sowohl wissenschaftlich aussagekräftig als auch für Laien greifbar ist.

Stellung in der taxonomischen Hierarchie

Die biologische Klassifikation folgt einem gestuften System, das auf den Arbeiten von Carl von Linné im 18. Jahrhundert beruht und seither vielfach erweitert wurde. Die klassischen Hauptrangstufen lauten in absteigender Reihenfolge:

  • Reich (Regnum) – z. B. Tierreich (Animalia)
  • Stamm (Phylum) – z. B. Chordatiere (Chordata)
  • Klasse (Classis) – z. B. Säugetiere (Mammalia)
  • Ordnung (Ordo) – z. B. Raubtiere (Carnivora)
  • Familie (Familia) – z. B. Katzenartige (Felidae)
  • Gattung (Genus) – z. B. Panthera
  • Art (Species) – z. B. Löwe (Panthera leo)

Zwischen diesen Hauptstufen existieren zahlreiche Zwischenränge. So kann eine Ordnung in Unterordnungen (Subordo) gegliedert werden, während mehrere verwandte Ordnungen zu einer Überordnung (Superordo) oder einer Kohorte zusammengefasst werden können. In der modernen Systematik werden außerdem Ränge wie Infraordnung oder Parvordnung verwendet, um besonders artenreiche Gruppen feiner zu untergliedern.

Historische Entwicklung des Begriffs

Bereits Linné verwendete den Begriff ordo in seinem 1735 erschienenen Werk Systema Naturae, allerdings in einer weniger streng definierten Weise als heute. Im 19. Jahrhundert verfestigte sich die Ordnung als feste Rangstufe, als Zoologen und Botaniker die Linnésche Klassifikation systematisch ausbauten. Mit dem Aufkommen der Evolutionstheorie durch Charles Darwin erhielt die Ordnung eine neue Bedeutung: Sie sollte nicht mehr nur äußerliche Ähnlichkeiten widerspiegeln, sondern tatsächliche Abstammungsgemeinschaften (Monophyla) abbilden.

Im 20. und 21. Jahrhundert haben molekulargenetische Methoden – insbesondere DNA-Sequenzanalysen – dazu geführt, dass viele traditionelle Ordnungen neu bewertet, aufgeteilt oder zusammengelegt wurden. Die phylogenetische Systematik (Kladistik) orientiert sich dabei an gemeinsamen abgeleiteten Merkmalen (Synapomorphien) und rekonstruiert Stammbäume, die den tatsächlichen Verwandtschaftsgrad der Organismen abbilden sollen.

Beispiele aus dem Tierreich

Die Vielfalt zoologischer Ordnungen ist enorm. Einige besonders bekannte Beispiele veranschaulichen die Bandbreite:

  • Raubtiere (Carnivora) – umfassen Familien wie Hunde (Canidae), Katzen (Felidae), Bären (Ursidae) und Robben (Phocidae). Gemeinsame Merkmale sind unter anderem das Scherengebiss und die räuberische Lebensweise.
  • Nagetiere (Rodentia) – die mit über 2.500 Arten artenreichste Säugetierordnung. Kennzeichnend sind die ständig nachwachsenden Schneidezähne.
  • Sperlingsvögel (Passeriformes) – mit mehr als 6.000 Arten die größte Vogelordnung. Zu ihr gehören Singvögel wie Amseln, Finken und Meisen.
  • Schuppenkriechtiere (Squamata) – umfassen Eidechsen, Schlangen und Doppelschleichen und bilden die artenreichste Reptilienordnung.
  • Hautflügler (Hymenoptera) – eine der größten Insektenordnungen mit Ameisen, Bienen und Wespen.

Diese Beispiele zeigen, dass die Größe einer Ordnung stark variieren kann: Manche umfassen zehntausende Arten, andere – wie die Röhrennasen (Procellariiformes) unter den Vögeln – nur wenige hundert.

Nomenklaturregeln und Endungen

Im Unterschied zu Familien, deren wissenschaftliche Namen in der Zoologie stets auf -idae enden, gibt es für Ordnungen keine verbindlich vorgeschriebene Namensendung. In der Praxis haben sich jedoch gewisse Konventionen herausgebildet. Bei Vögeln und Fischen enden Ordnungsnamen häufig auf -iformes (z. B. Passeriformes, Perciformes), bei Insekten auf -ptera (z. B. Coleoptera, Lepidoptera) oder -optera. Diese Endungen erleichtern das Erkennen der taxonomischen Rangstufe, sind aber formal nicht durch den Internationalen Code der Zoologischen Nomenklatur (ICZN) vorgeschrieben.

In der Botanik hingegen regelt der International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants (ICN) die Endung -ales für Ordnungen verbindlich.

Bedeutung für Ökologie und Naturschutz

Die Einordnung von Tierarten in Ordnungen hat über die reine Klassifikation hinaus praktische Bedeutung. In der Ökologie ermöglicht das Wissen um Ordnungszugehörigkeiten Rückschlüsse auf Nahrungsnetze, ökologische Nischen und funktionelle Rollen in Ökosystemen. Im Naturschutz hilft die taxonomische Glieder