Ozean
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Definition und Überblick
Der Ozean bezeichnet die zusammenhängende Masse aus Salzwasser, die rund 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt. Er wird geographisch in fünf Teilozeane untergliedert: den Pazifischen Ozean (Pazifik), den Atlantischen Ozean (Atlantik), den Indischen Ozean (Indik), das Südpolarmeer (Antarktischer Ozean) und das Nordpolarmeer (Arktischer Ozean). Zusammen enthalten sie etwa 1,335 Milliarden Kubikkilometer Wasser und bilden den mit Abstand größten zusammenhängenden Lebensraum der Erde. Von der lichtdurchfluteten Oberfläche bis zu den Tiefseegräben in über 10.000 Metern Tiefe bietet der Ozean eine enorme Vielfalt an ökologischen Nischen, in denen Hunderttausende bekannter – und vermutlich Millionen unentdeckter – Tier-, Pflanzen- und Mikroorganismenarten leben.
Physikalische und chemische Grundlagen
Das Meerwasser enthält durchschnittlich 35 Gramm gelöste Salze pro Liter, wobei Natriumchlorid den größten Anteil ausmacht. Dieser Salzgehalt (Salinität) variiert regional: In abgeschlossenen Nebenmeeren wie dem Roten Meer liegt er höher, in Bereichen mit starkem Süßwasserzufluss – etwa der Ostsee – deutlich niedriger. Die Wassertemperatur reicht von rund −1,8 °C unter dem Meereis der Polarregionen bis über 30 °C in tropischen Flachwasserzonen.
Großräumige Meeresströmungen wie der Golfstrom, der Humboldtstrom oder der Kuroshio transportieren gewaltige Wärmemengen und beeinflussen das Klima ganzer Kontinente. Ergänzend dazu bewegt die thermohaline Zirkulation – angetrieben durch Unterschiede in Temperatur und Salzgehalt – Wassermassen in einem globalen Förderband von der Oberfläche in die Tiefsee und wieder zurück. Dieses System verteilt Nährstoffe, Sauerstoff und Wärme über den gesamten Weltozean.
Zonierung des Ozeans
Die ökologische Gliederung des Ozeans erfolgt sowohl horizontal als auch vertikal. Die vertikale Einteilung unterscheidet mehrere Tiefenzonen, die jeweils eigene Lebensbedingungen bieten:
- Epipelagial (0–200 m): Die lichtdurchflutete Zone, in der Photosynthese stattfindet. Hier leben Phytoplankton, Zooplankton, zahlreiche Fischarten, Meeresschildkröten und marine Säugetiere wie Delfine und Wale.
- Mesopelagial (200–1.000 m): Die Dämmerzone mit stark abnehmendem Licht. Viele Bewohner wie Laternenfische betreiben vertikale Wanderungen und steigen nachts in obere Schichten auf.
- Bathypelagial (1.000–4.000 m): Eine dauerhaft lichtlose Zone mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Hier leben Tiefseefische, Tintenfische und Krebstiere, die an extremen Druck angepasst sind.
- Abyssopelagial (4.000–6.000 m): Die Abyssalzone umfasst weite Tiefseebecken. Seewalzen, Borstenwürmer und spezialisierte Bakterien dominieren die Bodenfauna.
- Hadopelagial (ab 6.000 m): Die Zone der Tiefseegräben, benannt nach Hades, dem griechischen Gott der Unterwelt. Selbst hier existieren Flohkrebse, Seegurken und Einzeller.
Horizontal unterscheidet man zwischen dem Pelagial (Freiwasser) und dem Benthal (Meeresbodenbereich). Das Benthal umfasst Lebensgemeinschaften auf und im Meeresboden – vom Gezeitenbereich (Litoral) über den Kontinentalschelf bis hin zu hydrothermalen Quellen (Black Smokers) in der Tiefsee.
Artenvielfalt und ökologische Bedeutung
Der Ozean beherbergt eine außerordentliche Biodiversität. Korallenriffe, oft als „Regenwälder der Meere" bezeichnet, zählen trotz ihrer geringen Flächenausdehnung zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. In ihnen leben über 25 Prozent aller marinen Fischarten. Seegraswiesen, Mangroven und Kelpwälder erfüllen als Küstenökosysteme zentrale Funktionen: Sie dienen als Kinderstube für Jungfische, stabilisieren Sedimente und speichern erhebliche Mengen Kohlenstoff.
Das marine Phytoplankton – darunter Kieselalgen (Diatomeen) und Cyanobakterien – produziert schätzungsweise 50 Prozent des globalen Sauerstoffs und bildet die Basis des ozeanischen Nahrungsnetzes. Über das Zooplankton gelangt die Energie zu Fischen, Kopffüßern, Meeressäugern und Seevögeln. Große Prädatoren wie Weiße Haie, Schwertwale (Orcas) und verschiedene Haiarten stehen an der Spitze komplexer Nahrungsketten und regulieren die Populationsgrößen nachgeordneter Trophieebenen.
Der Ozean spielt eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Er absorbiert etwa 30 Prozent des von Menschen freigesetzten Kohlendioxids und nimmt über 90 Prozent der zusätzlichen Wärme auf, die durch den Treibhauseffekt entsteht. Damit wirkt er als Puffer im Klimasystem, trägt dabei aber selbst Schäden davon.
Bedrohungen und Schutz
Die Aufnahme von CO₂ führt zur Ozeanversauerung: Der pH-Wert des Oberflächenwassers ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 Einheiten gesunken. Für kalkbildende Organismen wie Korallen, Muscheln und Pteropoden (Flügelschnecken) bedeutet das eine zunehmend schwierige Bildung ihrer Skelette und Schalen. Gleichzeitig verursacht die Erwärmung der Ozeane Korallenbleiche, Verschiebungen von Verbreitungsgebieten und den Rückgang polarer Lebensräume.
Überfischung stellt eine der gravierendsten direkten Bedrohungen dar. Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) gelten rund 35 Prozent aller kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt. Beifang in Schleppnetzen und