T Tierlexikon.net
← Lexikon

Papageienkrankheit

P

Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Die Papageienkrankheit – in der Tiermedizin als Psittakose (von griech. psittakos = Papagei) oder Ornithose bezeichnet – ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch den intrazellulären Erreger Chlamydia psittaci (früher: Chlamydophila psittaci) verursacht wird. Sie betrifft vor allem Papageienvögel (Psittaziden), kann aber grundsätzlich bei nahezu allen Vogelarten auftreten. Der Begriff Psittakose wird primär für die Erkrankung bei Papageien und Sittichen verwendet, während Ornithose die Infektion bei anderen Vogelspezies wie Tauben, Enten oder Truthühnern beschreibt.

Die Papageienkrankheit hat besondere Bedeutung, weil es sich um eine Zoonose handelt – sie ist also vom Tier auf den Menschen übertragbar. Beim Menschen kann die Infektion eine schwere atypische Pneumonie (Lungenentzündung) hervorrufen. In Deutschland ist die Psittakose nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, und auch das Tierseuchenrecht sieht eine Anzeigepflicht vor. Gerade in Zuchtbeständen, Zoofachhandlungen und Vogelparks kommt dem Erreger eine erhebliche Rolle zu.

Ursachen & Risikofaktoren

Chlamydia psittaci ist ein obligat intrazelluläres Bakterium, das sich ausschließlich innerhalb von Wirtszellen vermehren kann. Der Erreger wird in verschiedene Serovare (Stämme) unterteilt, die unterschiedliche Wirtsspezifität und Virulenz aufweisen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über:

  • Aerogene Infektion: Einatmen von erregerhaltigem Staub aus getrocknetem Kot, Federstaub oder Nasensekret infizierter Vögel
  • Direkten Kontakt: Schnabel-zu-Schnabel-Fütterung, gemeinsame Futter- und Wassernäpfe
  • Vertikale Übertragung: Von Elterntieren auf Küken im Nest

Entscheidende Risikofaktoren sind Stress (Transport, Besitzerwechsel, Vergesellschaftung, Brutstress, Mauser), Immunsuppression, Überbelegung und mangelnde Hygiene. Viele Vögel sind klinisch unauffällige Dauerausscheider (latente Träger), die den Erreger intermittierend über Kot und Nasensekret ausscheiden, insbesondere unter Stressbedingungen. Neuimporte, Jungvögel und immungeschwächte Tiere sind besonders gefährdet.

Symptome & Erkennung

Das klinische Bild der Psittakose ist ausgesprochen variabel und reicht von subklinischen Verläufen bis zu perakuten Todesfällen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 Tage bis mehrere Wochen. Typische Symptome umfassen:

  • Allgemeinbefinden: Apathie, aufgeplustertes Gefieder, Fressunlust (Anorexie), Gewichtsverlust
  • Respiratorische Symptome: Nasenausfluss (serös bis eitrig), Niesen, erschwerte Atmung (Dyspnoe), Atemgeräusche, Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
  • Gastrointestinale Symptome: Wässriger bis gelblich-grünlicher Durchfall, der auf eine Leberbeteiligung (Hepatitis) hinweist
  • Weitere Anzeichen: Polyurie (vermehrter Harnanteil im Kot), Zentralnervöse Störungen wie Zittern, Krämpfe oder Kopfschiefhaltung bei schwerem Verlauf

Bei Wellensittichen und Nymphensittichen verläuft die Erkrankung häufig chronisch mit schleichendem Gewichtsverlust und intermittierendem Durchfall. Großpapageien wie Amazonen oder Graupapageien zeigen dagegen mitunter akute, schwere Verläufe mit plötzlicher Atemnot und hoher Mortalität.

Diagnose

Die klinische Verdachtsdiagnose lässt sich durch die Kombination aus respiratorischen und gastrointestinalen Symptomen bei einem Papageienvogel stellen, eine definitive Diagnose erfordert jedoch den Erregernachweis. Folgende Verfahren stehen zur Verfügung:

  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Goldstandard der Diagnostik. Nachweis von Chlamydien-DNA aus Kloaken-, Konjunktival- oder Choanaltupfern sowie aus Kot. Hochsensitiv und spezifisch.
  • Serologie: Nachweis von Antikörpern mittels ELISA oder Komplementbindungsreaktion (KBR). Ein einzelner Titer ist wenig aussagekräftig; diagnostisch wertvoll ist ein Titeranstieg im Serumpaar (Abstand 2–3 Wochen).
  • Antigentests: Immunfluoreszenz oder ELISA-basierte Schnelltests zum direkten Antigennachweis im Tupfermaterial.
  • Blutuntersuchung: Hämatologie und klinische Chemie zeigen häufig Leukozytose, erhöhte Leberenzyme (AST, LDH) und erhöhte Gallensäuren als Hinweis auf Hepatitis.
  • Röntgen: Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Splenomegalie (Milzvergrößerung) und Luftsacktrübungen können radiologisch dargestellt werden.
  • Pathologie: Bei verstorbenen Tieren sind eine vergrößerte, verfärbte Leber und Milz sowie fibrinöse Luftsackentzündungen (Aerosacculitis) typische Sektionsbefunde.

Zu beachten ist, dass intermittierende Ausscheider bei einer einmaligen Untersuchung negativ testen können. Wiederholte Beprobungen oder die Kombination mehrerer Nachweismethoden erhöhen die diagnostische Sicherheit.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Psittakose basiert auf einer gezielten antibiotischen Behandlung. Mittel der W