Picassodrücker
PTierart – Fische > Meerwasserfische – Aquarium
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rhinecanthus aculeatus
- Ordnung: Tetraodontiformes (Kugelfischartige)
- Familie: Balistidae (Drückerfische)
- Gattung: Rhinecanthus
- Lebensraum: Tropische Korallenriffe, Riffflachs und Lagunen des Indopazifiks
- Größe: Bis zu 30 cm Gesamtlänge
- Gewicht: Ca. 200–500 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn vermutlich ähnlich
Aussehen & Merkmale
Der Picassodrücker verdankt seinen deutschen Trivialnamen dem auffälligen, fast abstrakt wirkenden Farbmuster, das an die Werke des Malers Pablo Picasso erinnert. Der hochrückige, seitlich abgeflachte Körper ist mit kleinen, derben Schuppen bedeckt, die eine raue, lederartige Oberfläche bilden. Die Grundfärbung reicht von gelblich-weiß bis beige. Vom Maul ziehen sich leuchtend blaue und schwarze Streifen über die Kopfregion. Ein breiter, dunkelbrauner bis schwarzer Sattelfleck erstreckt sich vom Rücken schräg nach hinten und umschließt den Schwanzstiel, wo zusätzlich orange-rote Streifen auftreten. Die Lippen sind von einem hellen Blau gesäumt.
Wie alle Drückerfische besitzt Rhinecanthus aculeatus einen charakteristischen Verriegelungsmechanismus der Rückenflosse: Der erste, kräftige Stachel der ersten Dorsalflosse kann aufgestellt und durch den zweiten, kürzeren Stachel arretiert werden – daher der Name „Drückerfisch", denn nur durch Herunterdrücken des zweiten Stachels lässt sich der erste wieder umlegen. Dieser Mechanismus dient als Schutz vor Fressfeinden, da sich der Fisch mit aufgestelltem Stachel in Felsspalten verkeilen kann. Die Augen sind relativ hoch am Kopf angesetzt und unabhängig voneinander beweglich, was dem Tier ein großes Sichtfeld verschafft.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Picassodrückers umfasst weite Teile des Indopazifiks – von der Ostküste Afrikas über das Rote Meer, den Indischen Ozean, Südostasien bis nach Hawaii und zu den Inseln Polynesiens. In Hawaii trägt die Art den einheimischen Namen Humuhumunukunukuāpuaʻa und gilt als inoffizieller Staatsfisch.
Das bevorzugte Habitat sind flache Korallenriff-Bereiche, Riffflachs, sandige Lagunenböden und Geröllzonen in Tiefen von 1 bis 15 Metern, gelegentlich bis 50 Meter. Der Picassodrücker meidet stark exponierte Riffkanten mit starker Brandung und hält sich eher in geschützten Biotopen mit einer Mischung aus Hartsubstrat und Sandflächen auf. Er ist eng an das Riff gebunden, da er dort sowohl Nahrung als auch Schutz findet.
Ernährung
Picassodrücker sind Allesfresser (Omnivore) mit einem breiten Nahrungsspektrum. In der Natur fressen sie vor allem bodenlebende Wirbellose: Krebstiere wie Einsiedlerkrebse und kleine Garnelen, Seeigel, Würmer, Muscheln und Schnecken. Ergänzt wird die Kost durch Algenaufwuchs, Detritus und gelegentlich kleine Fische. Mit ihrem kräftigen, schnabelartigen Gebiss aus verwachsenen Zähnen knacken sie mühelos Schalen und Panzer. Die Zähne wachsen zeitlebens nach, was bei der natürlichen Hartnahrung notwendig ist.
In der Aquarienhaltung nehmen Picassodrücker Frost- und Lebendfutter wie Muschelfleisch, Garnelen, Krill und Artemia an. Auch Trockenfutter wird in der Regel akzeptiert. Gelegentlich sollte hartschaliges Futter angeboten werden, um den Zahnabrieb zu gewährleisten.
Verhalten & Lebensweise
Picassodrücker sind tagaktive Einzelgänger, die ein festes Revier beanspruchen und dieses energisch gegen Artgenossen und andere Fische verteidigen. Die Revierverteidigung kann ausgesprochen aggressiv ausfallen – auch gegenüber deutlich größeren Tieren und sogar gegenüber Tauchern. Bei Gefahr ziehen sie sich in Spalten und Höhlen im Riff zurück, stellen den Rückenstachel auf und verkeilen sich so fest, dass sie kaum herausgezogen werden können.
Die Schwimmweise ist typisch für Drückerfische: Hauptsächlich werden die zweite Rückenflosse und die Afterflosse in wellenförmigen Bewegungen eingesetzt, während die Schwanzflosse nur bei schnellen Fluchtbewegungen zum Einsatz kommt. Dieses Antriebsprinzip erlaubt eine hohe Manövrierfähigkeit im strukturreichen Riff.
In der Aquaristik gelten Picassodrücker als robuste, aber nicht unproblematische Pfleglinge. Ihre Aggressivität und Neugierde führen dazu, dass sie technische Einrichtung beschädigen, an Schläuchen nagen und Mitbewohner attackieren. Ein Aquarium von mindestens 800 Litern mit stabiler Riffstruktur und Versteckmöglichkeiten ist für die Einzelhaltung empfehlenswert. Die Vergesellschaftung mit empfindlichen oder kleineren Arten scheidet aus. Wirbellosen gegenüber sind sie nicht riffkompatibel.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über die Fortpflanzung von Rhinecanthus aculeatus in freier Wildbahn ist einiges bekannt. Zur Balzzeit, die an tropischen Standorten ganzjährig stattfinden kann, gräbt das Weibchen eine flache Mulde im Sand- oder Geröllboden. Die Eier werden in dieses Bodennest abgelegt und vom Weibchen bis zum Schlupf bewacht. Die Brutpflege umfasst das Befächeln der Eier mit den Flossen zur Sauerstoffversorgung und die aktive Verteidigung des Geleges gegen potenzielle Eiräuber. Während der Brutpflege reagieren die Weibchen besonders aggressiv – die Angriffe auf Taucher gehen in den meisten Fällen auf nest