Putzerfisch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Labroides dimidiatus (Gemeiner Putzerlippfisch)
- Ordnung: Lippfischartige (Labriformes)
- Familie: Lippfische (Labridae)
- Gattung: Labroides
- Lebensraum: Tropische Korallenriffe, Lagunen, Riffkanten
- Größe: 7–14 cm (je nach Art)
- Gewicht: ca. 5–30 g
- Lebenserwartung: 4–6 Jahre in freier Wildbahn, bis 8 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Begriff „Putzerfisch" bezeichnet keine einzelne Art, sondern eine funktionelle Gruppe von Fischarten, die Ektoparasiten, abgestorbene Hautzellen und Schleim von der Körperoberfläche anderer Fische entfernen. Die bekannteste und am besten untersuchte Art ist der Gemeine Putzerlippfisch (Labroides dimidiatus). Daneben existieren weitere Arten mit Putzerfunktion, darunter der Blaustreifen-Putzerlippfisch (Labroides bicolor), verschiedene Grundelarten der Gattung Elacatinus sowie jugendliche Kaiserfische und Halfterfische.
Labroides dimidiatus besitzt einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper mit kleinen Schuppen. Die Grundfärbung ist hellblau bis weißlich mit einem markanten schwarzen Längsstreifen, der sich von der Schnauzenspitze über das Auge bis zur Schwanzflosse zieht und sich nach hinten verbreitert. Das Maul ist endständig und relativ klein, mit nach vorn gerichteten, feinen Zähnen, die zum Abzupfen von Parasiten optimiert sind. Die Brustflossen sind transparent, Rücken- und Afterflosse verlaufen niedrig entlang des hinteren Körperdrittels. Ein auffälliges Merkmal ist das ständige, wellenförmige Schwimmmuster – eine Art „Tanz", der Klientenfischen die Bereitschaft zur Reinigung signalisiert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Labroides dimidiatus erstreckt sich über den gesamten tropischen Indopazifik – vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Polynesien, Japan und Australien. Sein Habitat sind Korallenriffe in Tiefen von 1 bis 40 Metern. Die Art besiedelt bevorzugt gut strukturierte Riffabschnitte mit ausreichend Korallendeckung, die sowohl Schutz als auch eine hohe Dichte potenzieller Klientenfische bieten.
Putzerfische der Gattung Elacatinus sind dagegen auf karibische und westatlantische Riffe beschränkt. Grundsätzlich kommen Putzerfische in nahezu allen tropischen und subtropischen Riffbiotopen vor, wobei die Artenzusammensetzung je nach Region variiert.
Ernährung
Die Nahrung von Putzerfischen besteht überwiegend aus Ektoparasiten – vor allem aus Ruderfußkrebsen (Copepoda) und Asseln (Isopoda), die sich auf der Haut, den Kiemen und in der Mundhöhle anderer Fische festsetzen. Ergänzend fressen sie abgestorbenes Gewebe, Fischschleim und gelegentlich kleine Wirbellose aus dem umgebenden Riff.
Untersuchungen zeigen, dass ein einzelner Putzerlippfisch pro Tag über 1.200 Parasiten von verschiedenen Klientenfischen entfernen kann. Dabei besteht ein Interessenskonflikt: Putzerfische bevorzugen eigentlich den nährstoffreichen Schleim ihrer Klienten gegenüber den Parasiten. Zu häufiges „Betrügen" durch Schleimfressen führt jedoch dazu, dass Klientenfische die Putzerstation meiden – ein Mechanismus, der das Verhalten der Putzerfische reguliert. In der Aquarienhaltung stellt die Ernährung eine Herausforderung dar, da das natürliche Nahrungsspektrum nur schwer nachgebildet werden kann. Ersatzfutter wie Artemia, Mysis und feines Frostfutter wird nicht von allen Individuen zuverlässig angenommen.
Verhalten & Lebensweise
Putzerfische sind tagaktiv und standorttreu. Sie betreiben sogenannte Putzerstationen – feste Plätze am Riff, die von Klientenfischen gezielt aufgesucht werden. Dort nehmen die Klienten charakteristische Posen ein: Sie öffnen das Maul, spreizen die Kiemendeckel ab oder stellen sich schräg, um dem Putzerfisch Zugang zu parasitenbefallenen Körperstellen zu gewähren. Dieses Verhalten stellt eine der bekanntesten Formen von Mutualismus im Tierreich dar.
Labroides dimidiatus lebt in kleinen Haremgruppen, bestehend aus einem dominanten Männchen und mehreren Weibchen. Das Männchen verteidigt sein Revier aktiv gegen artgleiche Konkurrenten. Die Tiere zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten: Rangordnungen innerhalb der Gruppe werden durch Körperhaltungen und kurze Verfolgungsjagden etabliert. In der Aquarienhaltung sollte daher pro Becken nur ein Exemplar oder ein etabliertes Paar gepflegt werden, da es sonst zu Aggressionen kommt.
Kognitive Studien haben gezeigt, dass Putzerfische ein überraschend komplexes Sozialgedächtnis besitzen. Sie erkennen individuelle Klienten wieder, passen ihr Verhalten an deren Reaktionen an und behandeln „Publikum" – also andere wartende Fische – bevorzugt, um ihren Ruf als zuverlässiger Partner zu wahren. In Spiegelversuchen zeigten Labroides dimidiatus zudem Verhaltensweisen, die auf ein rudimentäres Selbsterkennungsvermögen hindeuten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Labroides dimidiatus ist ein protogynischer Hermaphrodit: Alle Individuen werden als Weibchen geboren und das dominante Tier einer Gruppe wandelt sich bei Verlust des Männchens innerhalb weniger Tage zum funktionsfähigen Männchen um. Dieser Geschlechtswechsel wird hormonell gesteuert und durch soziale Hierarchie ausgelöst.
Die Balz findet in den späten Nachmittagsstunden statt. Das Männchen führt einen auffälligen Schwimmtanz auf, bei dem es in schnellen, aufsteigenden Bögen vor dem Weibchen schwimmt. Die Eiablage erfolgt als Freilaicher im offenen Wasser. Die pelagischen E