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Quendelbläuling

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pseudophilotes baton (Bergsträsser, 1779)
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
  • Unterfamilie: Polyommatinae
  • Gattung: Pseudophilotes
  • Lebensraum: Trockenrasen, Kalkmagerrasen, sonnige Felshänge, Heiden mit Thymianbeständen
  • Flügelspannweite: 18–24 mm
  • Gewicht: ca. 0,02–0,05 g
  • Lebenserwartung: Imagines ca. 2–3 Wochen; gesamter Lebenszyklus einschließlich Ei, Raupe und Puppe etwa ein Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Quendelbläuling gehört zu den kleinsten einheimischen Tagfaltern. Die Flügeloberseiten der Männchen zeigen ein intensives Violettblau mit einem schmalen, scharf abgesetzten schwarzen Saum und weißen Fransen. Weibchen sind oberseits überwiegend dunkelbraun gefärbt, wobei die Flügelbasis einen mehr oder weniger ausgedehnten blauen Anflug aufweisen kann. Bei beiden Geschlechtern tragen die Hinterflügel an der Außenkante eine Reihe orangefarbener Randflecke, die allerdings bei Männchen oft schwächer ausgeprägt sind.

Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern hellgrau bis beige-grau grundgefärbt. Sie zeigen ein charakteristisches Muster aus kleinen schwarzen, weiß umrandeten Punkten sowie eine deutliche Reihe orangefarbener Submarginalflecke auf den Hinterflügeln. Dieses Zeichnungsmuster erlaubt eine Unterscheidung von ähnlichen Arten wie dem Westlichen Quendelbläuling (Pseudophilotes vicrama), der lange Zeit als Unterart galt und erst durch molekulargenetische Untersuchungen als eigenständige Spezies anerkannt wurde.

Der Körper ist oberseits dicht blaugrau beschuppt und unterseits weißlich behaart. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt und enden in einer deutlichen Kolbe. Wie bei allen Bläulingen ist die Beschuppung der Flügel äußerst fein und empfindlich – bereits leichte Berührungen können die Schuppen ablösen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Quendelbläulings erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Südeuropa bis nach Kleinasien und in den Kaukasus. In Deutschland kommt die Art vor allem in den wärmebegünstigten Regionen Süd- und Mitteldeutschlands vor, etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Nach Norden hin wird das Vorkommen zunehmend lückenhaft.

Als Habitat bevorzugt der Quendelbläuling offene, trockene und sonnige Standorte mit lückiger Vegetation. Typische Biotope sind Kalkmagerrasen, Trockenrasen, Felsbänder, Steinbrüche und Halbtrockenrasen, in denen die Raupenfutterpflanzen – verschiedene Thymianarten – in ausreichender Dichte vorkommen. Der Falter ist eng an das Vorhandensein von Feldthymian (Thymus serpyllum) und verwandten Arten wie Thymus pulegioides (Arznei-Thymian) gebunden. Die Bezeichnung „Quendel" ist der traditionelle deutsche Name für den Feldthymian und gibt dem Schmetterling seinen Namen.

Ernährung

Die Raupen des Quendelbläulings ernähren sich ausschließlich von Blüten und Knospen verschiedener Thymianarten (Gattung Thymus). Sie fressen bevorzugt die Blütenstände, bohren sich in die einzelnen Blütenkelche ein und verzehren die Samenanlagen. Diese hoch spezialisierte Ernährungsweise macht die Art besonders anfällig für den Verlust ihrer Futterpflanzen.

Die erwachsenen Falter (Imagines) saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen. Bevorzugt werden dabei niedrigwüchsige Arten der Magerrasenvegetation, darunter Thymian selbst, aber auch Wundklee (Anthyllis vulneraria), Hornklee (Lotus corniculatus) und andere krautige Pflanzen der Trockenstandorte.

Verhalten & Lebensweise

Der Quendelbläuling ist ein tagaktiver Schmetterling, der ausschließlich bei sonnigem, warmem Wetter fliegt. An bewölkten oder kühlen Tagen ruht er mit zusammengeklappten Flügeln in der Vegetation. Der Flug ist relativ langsam und dicht über dem Boden. Die Falter entfernen sich selten weit von ihren Larvalhabitaten, was die Art als ausgesprochen standorttreu kennzeichnet. Die geringe Mobilität begrenzt die Fähigkeit, neue Lebensräume zu besiedeln, und macht Populationen anfällig für Isolation.

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten: Sie besetzen sonnige Plätze in der Nähe von Thymianbeständen und patrouillieren diese regelmäßig. Bei Annäherung anderer Männchen kommt es zu kurzen Verfolgungsflügen. Die Flugzeit liegt je nach Höhenlage und Region zwischen Mai und Juli, wobei in den meisten Gebieten nur eine Generation pro Jahr (univoltin) ausgebildet wird. In besonders warmen Lagen Südeuropas kann gelegentlich eine partielle zweite Generation auftreten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier an die Blütenknospen und Blütenkelche von Thymianpflanzen ab. Die Eier sind weiß, scheibenförmig und fein strukturiert. Die Raupen schlüpfen nach etwa einer Woche und beginnen sofort mit dem Fraß an den Blütenständen. Sie durchlaufen vier Larvenstadien und sind grünlich bis rosafarben gefärbt mit dunklen Rückenstreifen – eine Tarnfärbung, die sie zwischen den Thymianblüten nahezu unsichtbar macht.

Eine Besonderheit ist die fakultative Myrmekophilie: Die Raupen des Quendelbläulings können eine lose Assoziation mit Ameisen eingehen. Sie besitzen auf dem siebten Hinterleibsseg