Quokka
QTierart – Säugetiere > Beuteltiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Setonix brachyurus
- Ordnung: Diprotodontia (Beuteltierartige)
- Familie: Macropodidae (Kängurus)
- Gattung: Setonix (monotypisch)
- Lebensraum: Buschland, lichte Wälder und Küstenvegetation in Südwestaustralien
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 40–54 cm, Schwanzlänge 25–30 cm
- Gewicht: 2,7–4,2 kg
- Lebenserwartung: ca. 10 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 15 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Das Quokka ist ein kleines, gedrungen gebautes Känguru mit rundlichem Körper und vergleichsweise kurzen Hinterbeinen. Das dichte, grobe Fell ist an der Oberseite graubraun bis olivbraun gefärbt und geht an Bauch und Brust in ein helleres Gelblich-Grau über. Die Ohren sind klein und abgerundet, die Augen dunkel und von einem dunklen Fellring umgeben. Auffällig ist die kurze, breite Schnauze, die dem Tier zusammen mit den leicht nach oben gezogenen Mundwinkeln einen scheinbar lächelnden Gesichtsausdruck verleiht.
Der Schwanz ist im Vergleich zu anderen Macropodidae relativ kurz, nahezu unbehaart und dient weniger als Stütze beim Sitzen als bei größeren Kängurus. Die Hinterfüße sind kräftig, die Vorderpfoten klein und geschickt genug, um Nahrung zu greifen. Wie bei allen Diprotodontia besitzt das Quokka an den Hinterfüßen eine sogenannte Syndaktylie: Die zweite und dritte Zehe sind miteinander verwachsen und dienen als Putzkamm für die Fellpflege.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Quokkas beschränkt sich auf den äußersten Südwesten Australiens. Die mit Abstand größte Population lebt auf Rottnest Island, einer 19 km² großen Insel vor der Küste von Perth, wo rund 8.000 bis 12.000 Tiere vorkommen. Eine zweite bedeutende Inselpopulation existiert auf Bald Island nahe Albany. Auf dem australischen Festland gibt es nur noch wenige, isolierte Vorkommen in feuchten Waldbiotopen des Darling-Scarp-Gebirges und vereinzelt in Küstennähe zwischen Perth und Albany.
Das bevorzugte Habitat variiert je nach Standort. Auf Rottnest Island besiedeln Quokkas dichte Bestände von Akazien und niedrigem Buschwerk, die tagsüber Schutz vor Hitze und Prädatoren bieten. Auf dem Festland bevorzugen sie feuchte Sklerophyllwälder und sumpfige Dickichte entlang von Wasserläufen. Die Art ist auf regelmäßigen Zugang zu Frischwasser oder zumindest feuchter Vegetation angewiesen, was ihr Verbreitungsgebiet stark einschränkt.
Ernährung
Das Quokka ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, Blättern, Trieben und Rinde verschiedener Strauch- und Baumarten. Auf Rottnest Island machen Sukkulenten und die Blätter der dort verbreiteten Akazienart Acacia rostellifera einen großen Teil der Kost aus. Diese wasserhaltigen Pflanzen helfen den Tieren, ihren Flüssigkeitsbedarf in den trockenen Sommermonaten teilweise über die Nahrung zu decken.
Wie andere Macropodidae ist das Quokka ein Wiederkäuer im funktionellen Sinn: Es besitzt einen mehrkammerigen Vormagen, in dem Mikroorganismen die schwer verdauliche Zellulose aufschließen. Dieses Fermentationssystem erlaubt es dem Tier, aus nährstoffarmer Pflanzennahrung ein Maximum an Energie zu gewinnen. Gelegentlich wurde beobachtet, dass Quokkas bereits aufgenommene Nahrung erneut kauen – ein Verhalten, das an das Wiederkäuen bei Rindern erinnert, aber konvergent entstanden ist.
Verhalten & Lebensweise
Quokkas sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruhen sie im Schatten dichter Vegetation, oft in kleinen Gruppen von bis zu 25 Individuen. Diese Ansammlungen sind keine festen sozialen Verbände mit stabiler Hierarchie, sondern eher lose Aggregationen, die sich an günstigen Ruheplätzen bilden. Dennoch gibt es unter den Männchen eine Rangordnung, die vor allem während der Fortpflanzungszeit durch Drohen, Boxen und Treten ausgefochten wird.
In der Abenddämmerung verlassen die Tiere ihre Ruheplätze und suchen auf offeneren Flächen nach Nahrung. Sie bewegen sich hüpfend auf den Hinterbeinen fort, können aber bei niedrigem Tempo auch auf allen Vieren laufen. Quokkas sind gute Kletterer und erklimmen gelegentlich niedrige Bäume und Sträucher, um an Blätter zu gelangen. Feste Reviere verteidigen sie nicht; die Aktionsräume einzelner Tiere überlappen stark. Auf Rottnest Island zeigen die Tiere gegenüber Menschen kaum Scheu, was auf das Fehlen natürlicher Feinde auf der Insel zurückzuführen ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung des Quokkas folgt dem für Beuteltiere typischen Muster. Die Tragzeit ist mit etwa 27 Tagen sehr kurz. Das Neugeborene ist bei der Geburt nur etwa so groß wie eine Kirsche, nackt und blind. Es klettert selbstständig in den Beutel der Mutter, wo es sich an einer der vier Zitzen festsaugt und die nächsten sechs Monate heranwächst.
Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa acht Monaten, Männchen erst mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit liegt auf Rottnest Island vorwiegend zwischen Januar und März (australischer Spätsommer). Quokkas besitzen die Fähigkeit zur embryonalen Diapause: Nach der Befruchtung kann sich ein Embryo im Ruhezustand befinden, bis das vorherige Jungtier den Beutel verlassen hat oder verloren geht. Dieses Phänomen, das bei vielen Macropodidae vorkommt, sich