Regenwald
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Definition und Überblick
Der Regenwald ist ein immergrüner Waldtyp, der in Gebieten mit hohen Niederschlagsmengen – in der Regel über 1.500 bis 2.000 Millimeter pro Jahr – vorkommt. Charakteristisch ist das dichte, mehrschichtige Kronendach, das den Waldboden weitgehend beschattet. Regenwälder zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde und beherbergen schätzungsweise mehr als die Hälfte aller terrestrischen Tier- und Pflanzenarten, obwohl sie nur etwa sechs bis sieben Prozent der Landoberfläche bedecken. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen tropischem Regenwald in Äquatornähe und temperiertem Regenwald in gemäßigten Breiten, etwa an der Pazifikküste Nordamerikas oder im südlichen Chile.
Verbreitung und Klimabedingungen
Tropische Regenwälder erstrecken sich in einem Gürtel rund um den Äquator, vor allem im Amazonasbecken Südamerikas, im Kongobecken Zentralafrikas und in Südostasien (Borneo, Sumatra, Neuguinea). Kleinere Vorkommen existieren in Mittelamerika, Westafrika, Madagaskar und Nordaustralien. Das Klima ist ganzjährig warm mit Durchschnittstemperaturen zwischen 24 und 28 °C, ohne ausgeprägte Jahreszeiten. Die Luftfeuchtigkeit liegt häufig über 80 Prozent. Niederschläge fallen gleichmäßig über das Jahr verteilt oder in zwei Regenzeiten.
Temperierte Regenwälder hingegen gedeihen in kühleren Regionen mit starkem ozeanischem Einfluss. Die Niederschlagsmengen erreichen dort ebenfalls hohe Werte, die Temperaturen sind jedoch deutlich niedriger. Diese Wälder sind weniger artenreich, weisen aber eine enorme Biomasse auf – alte Koniferen wie die Sitka-Fichte oder der Riesenmammutbaum erreichen gewaltige Dimensionen.
Stockwerkbau und Vegetationsstruktur
Ein zentrales Merkmal des tropischen Regenwaldes ist sein Stockwerkbau, also die vertikale Gliederung der Vegetation in mehrere Schichten:
- Bodenschicht: Am Waldboden herrscht Dämmerlicht. Hier wachsen Moose, Farne, Pilze und Keimlinge. Die Streuschicht ist dünn, da organisches Material in der Wärme und Feuchtigkeit rasch zersetzt wird.
- Krautschicht und Unterholz: Niedrige Sträucher, krautige Pflanzen und junge Bäume bilden eine lockere Schicht bis etwa fünf Meter Höhe.
- Mittleres Kronendach: Bäume mit Höhen zwischen 15 und 30 Metern bilden ein dichtes, zusammenhängendes Blätterdach. Diese Schicht fängt den Großteil des Sonnenlichts ab.
- Oberes Kronendach (Canopy): Die höchsten Bäume ragen 30 bis 45 Meter empor. Im Canopy konzentriert sich ein enormer Anteil des tierischen Lebens.
- Überständer (Emergenten): Einzelne Baumriesen durchbrechen das geschlossene Kronendach und erreichen Höhen von 50 bis 70 Metern.
Typisch sind außerdem Epiphyten – Aufsitzerpflanzen wie Bromelien und Orchideen –, die auf Ästen und Stämmen anderer Bäume wachsen, ohne diese zu parasitieren. Lianen verbinden die Baumkronen miteinander und ermöglichen kletternden Tieren die Fortbewegung zwischen den Baumwipfeln.
Tierwelt
Die Biodiversität des Regenwaldes ist in keinem anderen Landlebensraum vergleichbar hoch. Allein im Amazonasgebiet sind über 400 Säugetierarten, rund 1.300 Vogelarten und vermutlich mehr als 100.000 Insektenarten dokumentiert. Viele Arten sind endemisch – sie kommen ausschließlich in einem bestimmten Regenwaldgebiet vor.
Die Tierwelt hat sich an den Stockwerkbau angepasst. Im Kronendach leben Affen wie Brüllaffen und Klammeraffen, Tukane, Papageien und zahllose Insektenarten. Baumfrösche der Familie Dendrobatidae – die Pfeilgiftfrösche – nutzen die wassergefüllten Blattrosetten der Bromelien als Kinderstube. Am Waldboden bewegen sich Tapire, Pekaris und Bodenvögel wie der Helmkasuar in Neuguinea. Raubtiere wie der Jaguar (Südamerika), der Leopard (Afrika) und der Nebelparder (Asien) stehen an der Spitze der Nahrungsketten.
Besonders ausgeprägt sind Symbiosen und Koevolutionen: Feigenbäume und ihre spezifischen Bestäuberwespen, Blattschneiderameisen und ihre Pilzgärten oder Kolibris und die von ihnen bestäubten Blütenpflanzen zeigen das enge Zusammenspiel zwischen Tier- und Pflanzenwelt.
Ökologische Bedeutung
Regenwälder erfüllen zentrale Funktionen im globalen Ökosystem. Sie speichern gewaltige Mengen an Kohlenstoff – sowohl in der lebenden Biomasse als auch im Boden – und wirken damit als Puffer gegen den Klimawandel. Durch Verdunstung und Transpiration beeinflussen sie den Wasserkreislauf ganzer Kontinente. Das Amazonasgebiet erzeugt einen erheblichen Teil seines eigenen Niederschlags durch die Rückführung von Wasserdampf in die Atmosphäre – ein Prozess, der als „fliegende Flüsse" bezeichnet wird.
Die Böden tropischer Regenwälder sind paradoxerweise oft nährstoffarm. Die meisten Nährstoffe sind in der Biomasse gebunden und werden durch einen schnellen Nährstoffkreislauf sofort nach der Zersetzung wieder von Wurzeln und Mykorrhiza-Pilzen aufgenommen. Wird der Wald gerodet, verarmt der Boden innerhalb weniger Jahre.
Bedrohung und Entwaldung
Tropische Regenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen weltweit. Die Hauptursachen für den Verlust sind:
- Landwirtschaftliche Expansion: Umwandlung in W