Riesengleiter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Galeopterus variegatus (Malaien-Gleitflieger) und Cynocephalus volans (Philippinen-Gleitflieger)
- Ordnung: Dermoptera (Riesengleiter)
- Familie: Cynocephalidae (Pelzflatterer)
- Gattungen: Galeopterus und Cynocephalus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Südostasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 33–42 cm, Spannweite der Gleitmembran bis 70 cm
- Gewicht: 0,9–2,0 kg
- Lebenserwartung: ca. 15–17 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Riesengleiter, auch als Pelzflatterer oder Flattermakis bezeichnet, gehören zu den auffälligsten Säugetieren der südostasiatischen Wälder. Trotz des irreführenden Namens „Flattermaki" sind sie weder Primaten noch echte Flieger. Ihr gesamter Körperbau ist auf das Gleiten zwischen Bäumen ausgelegt. Das zentrale Merkmal ist die Gleitmembran, das sogenannte Patagium. Diese großflächige Hautfalte erstreckt sich vom Hals über die Vordergliedmaßen und die Flanken bis zu den Hinterbeinen und schließt sogar die Finger, Zehen und den Schwanz mit ein. Damit besitzen Riesengleiter die größte Gleitmembran aller lebenden Säugetiere.
Das Fell ist dicht, weich und in der Färbung variabel – von graubraun über rötlich bis olivgrün, häufig mit hellen Flecken und Marmorierungen, die eine hervorragende Tarnung im Blätterdach bieten. Der Kopf ist relativ breit und flach mit großen, nach vorn gerichteten Augen, die für das nächtliche Sehen optimiert sind. Die Ohren sind klein und abgerundet. Ein weiteres taxonomisch bedeutsames Merkmal ist das Gebiss: Die unteren Schneidezähne sind kammartig gezackt – eine unter Säugetieren einzigartige Struktur, deren Funktion vermutlich in der Fellpflege und im Abschaben von Blattmaterial liegt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Riesengleiter beschränkt sich auf Südostasien. Der Malaien-Gleitflieger (Galeopterus variegatus) bewohnt die tropischen Regenwälder von Indochina, der Malaiischen Halbinsel, Sumatra, Borneo und Java sowie zahlreicher kleinerer Inseln. Der Philippinen-Gleitflieger (Cynocephalus volans) ist auf die südlichen und zentralen Philippinen beschränkt.
Beide Arten besiedeln vorwiegend primäre und sekundäre Tieflandregenwälder sowie Bergwälder bis in Höhen von etwa 1.500 Metern. Ihr bevorzugtes Habitat sind dicht bewaldete Gebiete mit hohen Bäumen, die ausreichend Abstand zueinander haben, um effiziente Gleitflüge zu ermöglichen. Vereinzelt kommen sie auch in Kokos- und Kautschukplantagen vor, sofern genügend Baumbestand vorhanden ist. An offene oder baumlose Biotope sind sie nicht angepasst – die Tiere sind für die Fortbewegung am Boden nahezu ungeeignet und dort Fressfeinden schutzlos ausgeliefert.
Ernährung
Riesengleiter sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Ihre Hauptnahrung besteht aus jungen Blättern, Knospen, Blüten und Früchten verschiedener tropischer Baumarten. Gelegentlich nehmen sie auch Baumsäfte und weiche Rinde auf. Die kammartigen unteren Schneidezähne dienen vermutlich dazu, Blattgewebe effizient abzuschaben. Der Verdauungstrakt ist relativ lang und an die Verwertung schwer verdaulicher Pflanzenkost angepasst. Ihre Ernährungsweise ähnelt in mancher Hinsicht der von Faultieren oder blätterfressenden Primaten, allerdings sind Riesengleiter in der Lage, ihren Energiebedarf durch eine vergleichsweise niedrige Stoffwechselrate gering zu halten – eine Anpassung an die nährstoffarme Blattnahrung.
Verhalten & Lebensweise
Riesengleiter sind strikt nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in Baumhöhlen, an Stämmen oder in dichtem Blattwerk, wo ihre Tarnfärbung sie nahezu unsichtbar macht. Mit Einbruch der Dämmerung beginnen sie ihre Nahrungssuche, bei der sie sich kletternd und gleitend durch das Kronendach bewegen. Die Gleitflüge können Distanzen von über 100 Metern überbrücken, wobei Höhenverluste von nur 10–12 Metern pro 100 Meter Horizontaldistanz dokumentiert sind. Diese Effizienz wird durch die enorme Fläche des Patagiums ermöglicht.
Die Tiere leben einzelgängerisch, wobei sich die Reviere von Weibchen und Männchen überlappen können. Direkte aggressive Auseinandersetzungen wurden selten beobachtet. Die Kommunikation erfolgt offenbar überwiegend über Duftmarkierungen. An Baumstämmen klettern Riesengleiter in einer charakteristischen, eher unbeholfenen Art und Weise nach oben, indem sie beide Vorderbeine gleichzeitig vorstrecken und sich dann mit den Hinterbeinen nachziehen – eine Fortbewegungsform, die deutlich langsamer ist als bei spezialisierten Baumkletterern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über die Fortpflanzungsbiologie der Riesengleiter ist vergleichsweise wenig bekannt. Die Tragzeit beträgt etwa 60 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillingsgeburten sind selten. Das Neugeborene ist bei der Geburt relativ unterentwickelt – ein Zustand, der an Beuteltiere erinnert. Das Junge klammert sich am Bauch der Mutter fest, die das Patagium zu einer Art Tragetasche zusammenfaltet. In dieser geschützten Position wird das Jungtier gesäugt und transportiert, auch während der Gleitflüge.
Die Jungtiere werden etwa sechs Monate gesäugt und bleiben darüber hinaus noch einige Monate in der Nähe der Mutter, bevor sie selbstständig werden. Die Geschlechts