Riesenkalmar
RTierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Architeuthis dux
- Ordnung: Kalmare (Teuthida)
- Familie: Riesenkalmare (Architeuthidae)
- Gattung: Architeuthis
- Lebensraum: Tiefsee, mesopelagische bis bathypelagische Zone (200–1.000 m Tiefe)
- Größe: Mantellänge bis ca. 2,25 m; Gesamtlänge einschließlich Tentakel bis etwa 13 m (Weibchen) bzw. 10 m (Männchen)
- Gewicht: bis ca. 275 kg
- Lebenserwartung: geschätzt 3–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Riesenkalmar gehört zu den größten bekannten wirbellosen Tieren überhaupt. Sein Körperbau entspricht dem typischen Bauplan der Zehnarmigen Tintenfische (Decabrachia): Er besitzt einen torpedoförmigen Mantel, an dessen hinterem Ende zwei dreieckige Flossen sitzen, die der Fortbewegung und Stabilisierung dienen. Am Kopf setzen acht kürzere Fangarme sowie zwei deutlich längere Tentakel an. Die Tentakel können im ausgestreckten Zustand eine Länge von über zehn Metern erreichen und tragen an ihren verbreiterten Keulen Hunderte von Saugnäpfen. Diese Saugnäpfe sind mit scharfen, gezahnten Chitinringen ausgestattet, die beim Beutefang in das Gewebe der Opfer schneiden und kreisrunde Narben hinterlassen – solche Abdrücke finden sich regelmäßig auf der Haut von Pottwalen.
Die Augen des Riesenkalmars zählen mit einem Durchmesser von bis zu 27 cm zu den größten im gesamten Tierreich. Sie ermöglichen es dem Tier, in der lichtarmen Tiefsee selbst schwache Biolumineszenz und minimale Restlichtverhältnisse wahrzunehmen. Die Haut enthält Chromatophoren – pigmentgefüllte Zellen, die eine Farbveränderung zwischen Rot, Braun und Weiß erlauben. Die Grundfärbung lebender Exemplare ist tiefrot bis rotbraun, was in der Tiefsee als Tarnung wirkt, da rotes Licht in großen Tiefen nicht mehr vordringt.
Wie alle Kopffüßer (Cephalopoda) besitzt Architeuthis einen hornigen Schnabel, der in Form und Funktion einem Papageienschnabel ähnelt und stark genug ist, um Fische und andere Kalmare zu zerkleinern. Im Inneren des Mantels liegt ein dünner, federartiger Schulp (Gladius) als Stützstruktur – ein Überbleibsel der Schale, die bei den Vorfahren der heutigen Kalmare noch vorhanden war.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Riesenkalmars erstreckt sich über nahezu alle Ozeane. Strandungsfunde und Beifänge wurden aus dem Nordatlantik (insbesondere vor Neufundland, Norwegen und den Britischen Inseln), dem Nordpazifik (Japan, Neuseeland), dem Südatlantik sowie aus subantarktischen Gewässern dokumentiert. Die Art bewohnt vorwiegend die mesopelagische und bathypelagische Zone in Tiefen zwischen 200 und 1.000 Metern, gelegentlich auch tiefer. Das bevorzugte Habitat scheint an Kontinentalabhänge und Tiefseegräben gebunden zu sein, wo nährstoffreiche Auftriebsströmungen eine ausreichende Beutedichte gewährleisten.
Trotz der weiten Verbreitung sind direkte Beobachtungen lebender Riesenkalmare äußerst selten. Erst 2004 gelangen japanischen Forschern um Tsunemi Kubodera die ersten Fotografien eines lebenden Architeuthis in seiner natürlichen Umgebung, und 2012 wurde erstmals Videomaterial in der Tiefsee vor den Ogasawara-Inseln aufgezeichnet.
Ernährung
Magenuntersuchungen gestrandeter und in Fischernetzen gefangener Exemplare zeigen, dass sich der Riesenkalmar hauptsächlich von Tiefseefischen und anderen Kalmaren ernährt. Zu den nachgewiesenen Beutetieren gehören verschiedene Arten der Familien Myctophidae (Laternenfische) und Onychoteuthidae (Hakentintenfische). Die beiden langen Tentakel dienen als Fangwerkzeuge: Sie werden blitzschnell vorgeschleudert, um Beute zu ergreifen, die dann mit den acht kürzeren Armen zum Schnabel geführt wird. Eine mit feinen Zähnchen besetzte Radula (Raspelzunge) hilft beim Zerkleinern der Nahrung, bevor sie durch die enge Speiseröhre zum Magen gelangt – die Speiseröhre verläuft beim Riesenkalmar direkt durch das ringförmige Gehirn, weshalb die Nahrung besonders gründlich zerkleinert werden muss.
Verhalten & Lebensweise
Über das Verhalten lebender Riesenkalmare ist aufgrund der schwierigen Beobachtungsbedingungen in der Tiefsee wenig gesichert. Die bisherigen Videoaufnahmen deuten darauf hin, dass Architeuthis ein aktiver Jäger ist, der seine Beute gezielt ansteuert und nicht – wie früher vermutet – passiv in der Wassersäule auf vorbeitreibende Nahrung wartet. Die Fortbewegung erfolgt sowohl durch Flossenschlag als auch durch Rückstoß mittels des Trichters (Siphon), durch den Wasser aus der Mantelhöhle gepresst wird. Bei Bedrohung kann das Tier eine Tintenwolke ausstoßen, um Angreifer zu irritieren.
Riesenkalmare leben nach bisherigem Kenntnisstand solitär. Hinweise auf Schwarmverhalten oder soziale Interaktionen zwischen Artgenossen gibt es nicht. Ob die Art nachtaktiv ist oder einem bestimmten Tagesrhythmus folgt, ist nicht abschließend geklärt; einige Beobachtungen deuten auf vertikale Wanderungen hin, bei denen die Tiere nachts in geringere Tiefen aufsteigen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie von Architeuthis dux ist nur bruchstückhaft bekannt. Männchen besitzen einen spezialisierten Arm (Hectocotylus), mit dem sie Spermatophoren – mit