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Riesenlibelle

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Meganeura monyi (bekannteste Art); verwandte Gattungen: Meganeuropsis, Meganeura, Meganeurites
  • Ordnung: Meganisoptera (†, ausgestorbene Ordnung; früher: Protodonata)
  • Familie: Meganeuridae (†)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Sumpfwälder, Feuchtgebiete des Karbons und Perms
  • Größe: Flügelspannweite bis ca. 70 cm (Meganeuropsis permiana: bis 71 cm); Körperlänge bis ca. 30 cm
  • Gewicht: Geschätzt 100–150 g (basierend auf biomechanischen Rekonstruktionen)
  • Lebenserwartung: Unbekannt; Schätzungen anhand rezenter Großlibellen liegen bei mehreren Jahren
  • Zeitraum: Oberes Karbon bis unteres Perm (ca. 305–270 Millionen Jahre vor heute)

Aussehen & Merkmale

Die Riesenlibellen der Ordnung Meganisoptera gelten als die größten Fluginsekten, die jemals gelebt haben. Ihr Körperbau erinnert auf den ersten Blick stark an heutige Libellen (Odonata), doch bestehen wesentliche anatomische Unterschiede. So fehlen den Meganisopteren bestimmte Flügelmerkmale der modernen Libellen, etwa das Pterostigma – eine verdickte Zelle nahe der Flügelspitze, die bei rezenten Arten als aerodynamischer Stabilisator dient. Die vier Flügel waren lang, schmal und von einem dichten Adernetz durchzogen. Anders als bei echten Libellen konnten die Meganisopteren ihre Flügel vermutlich nicht unabhängig voneinander bewegen, was ihre Wendigkeit im Flug einschränkte.

Der langgestreckte Hinterleib (Abdomen) bestand aus zehn Segmenten und war – wie bei rezenten Großlibellen – von einer derben Chitinkutikula überzogen. Die großen Facettenaugen nahmen einen erheblichen Teil des Kopfes ein und ermöglichten ein nahezu vollständiges Sichtfeld. Die kräftigen, mit Dornen besetzten Fangbeine dienten dem Ergreifen von Beute im Flug, eine Strategie, die auch bei heutigen Edellibellen (Aeshnidae) zu beobachten ist.

Lebensraum & Verbreitung

Fossile Funde von Meganeuridae stammen überwiegend aus Europa und Nordamerika. Der bekannteste Fund von Meganeura monyi wurde 1880 in Commentry, Zentralfrankreich, entdeckt. Meganeuropsis permiana, die größte bekannte Art, ist aus Fundstätten in Oklahoma und Kansas (USA) beschrieben. Das Verbreitungsgebiet der Riesenlibellen umfasste die äquatornahen Landmassen des Superkontinents Pangäa.

Ihr bevorzugtes Habitat waren die ausgedehnten Steinkohlewälder des Karbonzeitalters – dichte, feuchte Wälder aus Bärlapp-, Schachtelhalm- und Farbbäumen, durchzogen von Flüssen, Seen und Sümpfen. Diese Feuchtbiotope boten sowohl den adulten Tieren Jagdrevier als auch den aquatisch lebenden Larven geeignete Entwicklungsgewässer. Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre lag im Karbon bei geschätzten 30–35 Prozent – deutlich über dem heutigen Wert von rund 21 Prozent. Dieser Umstand wird als ein entscheidender Faktor für die extreme Körpergröße der Riesenlibellen und anderer Riesenarthropoden jener Epoche angesehen.

Ernährung

Die Riesenlibellen waren Prädatoren und jagten aktiv andere Fluginsekten sowie möglicherweise kleine Amphibien und wirbellose Bodenbewohner. Ihre mit Dornen bestückten Fangbeine und die kräftigen Mandibeln deuten auf eine räuberische Lebensweise hin, vergleichbar mit derjenigen heutiger Königslibellen (Anax). Bei der Körpergröße von Meganeuropsis permiana kommen als Beute auch größere Insekten des Karbons in Frage, etwa Großschaben (Blattodea) oder frühe geflügelte Insekten der Ordnung Palaeodictyoptera. Die Larven, die wahrscheinlich aquatisch lebten, ernährten sich vermutlich von Wasserinsektenlarven, kleinen Krebstieren und Würmern – analog zu den Nymphen rezenter Großlibellen.

Verhalten & Lebensweise

Über das Verhalten der Riesenlibellen lassen sich nur Rückschlüsse aus dem Fossilbefund und aus Vergleichen mit rezenten Odonata ziehen. Die Tiere waren mit hoher Wahrscheinlichkeit tagaktive Flugjäger, die ihr Revier entlang von Gewässern patrouillierten. Biomechanische Analysen der Flügelmorphologie deuten auf einen relativ schnellen Geradeausflug hin, während die Manövrierfähigkeit geringer gewesen sein dürfte als bei heutigen Libellen. Die großen Facettenaugen sprechen für eine optisch orientierte Jagdstrategie bei guten Lichtverhältnissen.

Es wird angenommen, dass die adulten Tiere solitär lebten und Territorien beanspruchten, wie dies bei vielen modernen Libellenarten der Fall ist. Männchen dürften Gewässerabschnitte als Reviere verteidigt haben, um Zugang zu Weibchen zu sichern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Meganisoptera ist nur aus Analogieschlüssen rekonstruierbar. Wahrscheinlich legten die Weibchen ihre Eier in Gewässer oder an feuchte Substrate in Ufernähe ab. Die Larvalentwicklung verlief – wie bei rezenten Libellen – über mehrere Häutungsstadien (Nymphenstadien) im Wasser. Angesichts der Körpergröße der Adulttiere dürfte die Larvalphase entsprechend lang gewesen sein, möglicherweise mehrere Jahre. Die Metamorphose zur Imago erfolgte durch einen finalen Schlupf an Land, bei dem das Tier die Larvalhülle (Exuvie) verließ und seine Flügel entfaltete.

Ob eine Balz im engeren Sinne stattfand oder ob sich die Paarung – wie bei vielen rezenten Libellen – durch direkte Ergreifung des Weibchens durch das Männchen vollzog, ist nicht belegbar.

Bedrohung & Schutzstatus

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