Riesenskolopender
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Scolopendra gigantea
- Ordnung: Scolopendromorpha (Riesenläufer)
- Familie: Scolopendridae (Skolopender)
- Gattung: Scolopendra
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Höhlen, Trockenwälder in Südamerika und der Karibik
- Größe: 26–30 cm, Einzelexemplare bis 35 cm Körperlänge
- Gewicht: Bis etwa 30 g
- Lebenserwartung: Circa 10 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn vermutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Der Riesenskolopender, auch als Riesentausendfüßer oder Venezolanischer Riesenhundertfüßer bezeichnet, ist der größte rezente Vertreter der Klasse der Hundertfüßer (Chilopoda). Sein langgestreckter, dorsoventral abgeflachter Körper besteht aus 21 bis 23 beintragenden Segmenten, die jeweils ein Beinpaar tragen – insgesamt also 42 bis 46 Laufbeine. Die Körperfärbung variiert je nach Herkunftspopulation von dunkelrotbraun über kastanienbraun bis hin zu einem tiefen Schwarz, wobei die Beine häufig eine gelbliche oder orangefarbene Tönung aufweisen.
Der Kopf trägt ein Paar langer, vielgliedriger Antennen, die als primäre Sinnesorgane dienen. Statt leistungsfähiger Augen besitzt Scolopendra gigantea lediglich einfache Ocellen (Punktaugen), die nur zwischen Hell und Dunkel unterscheiden können. Das wohl auffälligste Merkmal sind die zu Giftklauen (Forcipulae oder Maxillipeden) umgewandelten Beine des ersten Rumpfsegments. Diese kräftigen, zangenartigen Strukturen sind mit Giftdrüsen verbunden und dienen sowohl dem Beutefang als auch der Verteidigung. Am Hinterende des Körpers befindet sich ein Paar verlängerter Endbeine (Schleppbeine), die keine Fortbewegungsfunktion haben, sondern als Tastorgane und zur Abwehr von Feinden eingesetzt werden.
Das Exoskelett besteht aus einem gehärteten Chitin-Protein-Komplex und wird in regelmäßigen Abständen gehäutet, da es nicht mitwächst. Die Tergite (Rückenplatten) und Sternite (Bauchplatten) der einzelnen Segmente sind durch flexible Membranen verbunden, was dem Tier trotz des starren Panzers eine hohe Beweglichkeit verleiht.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Scolopendra gigantea erstreckt sich über den nördlichen Teil Südamerikas sowie mehrere Karibikinseln. Hauptvorkommen liegen in Venezuela, Kolumbien, Trinidad, Aruba, Curaçao und auf einzelnen Inseln der Kleinen Antillen. Als bevorzugtes Habitat dienen feuchte tropische Regenwälder, in denen sich die Tiere unter verrottendem Laub, umgestürzten Baumstämmen und in Felsspalten verbergen. Daneben besiedeln sie auch Trockenwälder, Buschland und Höhlensysteme.
In einigen venezolanischen Höhlen wurden Populationen dokumentiert, die sich auf die Jagd auf Fledermäuse spezialisiert haben. Diese Höhlenpopulationen klettern an Decken und Wänden, um fliegende oder ruhende Fledermäuse zu ergreifen – ein für Wirbellose ungewöhnliches Jagdverhalten. Der Riesenskolopender ist an warme, tropische Klimazonen mit hoher Luftfeuchtigkeit gebunden und meidet offene, trockene Biotope, da sein Exoskelett keinen wirksamen Verdunstungsschutz bietet.
Ernährung
Scolopendra gigantea ist ein opportunistischer Prädator, der ein breites Beutespektrum nutzt. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen, Skorpione, Frösche, Eidechsen, kleine Schlangen und Mäuse. Die bereits erwähnte Fledermausjagd in Höhlen stellt eine der wenigen dokumentierten Fälle dar, in denen ein wirbelloses Tier gezielt Wirbeltiere erbeutet. Das Gift der Forcipulae wirkt neurotoxisch und kardiotoxisch. Es lähmt die Beute innerhalb weniger Sekunden bis Minuten, je nach Größe des Beutetiers. Die Verdauung erfolgt teilweise extraoral: Der Hundertfüßer zerkleinert die Nahrung mit seinen Mandibeln und nimmt sie als vorverdauten Brei auf.
Für den Menschen ist der Biss von Scolopendra gigantea äußerst schmerzhaft und kann lokale Schwellungen, Fieber, Übelkeit und in seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen. Todesfälle sind bei gesunden Erwachsenen nicht dokumentiert, bei Kindern oder vorerkrankten Personen ist jedoch medizinische Versorgung dringend geboten.
Verhalten & Lebensweise
Riesenskolopender sind strikt nachtaktiv und verbringen den Tag in Verstecken unter Totholz, Steinen oder in selbstgegrabenen Erdgängen. Sie sind Einzelgänger und zeigen ein ausgeprägtes territoriales Verhalten gegenüber Artgenossen. Begegnungen zwischen zwei Individuen enden häufig in aggressiven Auseinandersetzungen, nicht selten mit Kannibalismus. Ihre Fortbewegung ist schnell und wendig; die wellenförmige Koordination der zahlreichen Beinpaare erlaubt rasche Richtungswechsel und das Erklimmen vertikaler Flächen.
Die Orientierung erfolgt vorwiegend über die Antennen und taktile Reize. Chemosensoren an den Antennen ermöglichen das Aufspüren von Beute über Duftstoffe. Bei Bedrohung nimmt der Riesenskolopender eine Verteidigungshaltung ein, bei der er den Vorderkörper aufrichtet und die Giftklauen spreizt. Zusätzlich können die Schleppbeine schmerzhafte Kratzer verursachen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung von Scolopendra gigantea ist wenig ritualisiert. Das Männchen spinnt ein kleines Spermanetz (Spermat