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Riesenstabschrecke

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phobaeticus chani (längste bekannte Art); Gattung Phobaeticus, häufig in Terraristik: Phobaeticus serratipes
  • Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
  • Familie: Phasmatidae
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Südostasiens
  • Größe: Körperlänge bis 35,7 cm (P. chani), mit ausgestreckten Beinen bis 56,7 cm; P. serratipes bis ca. 30 cm Körperlänge
  • Gewicht: 30–65 g je nach Art und Geschlecht
  • Lebenserwartung: 12–18 Monate (Adulttiere), selten bis 24 Monate

Aussehen & Merkmale

Riesenstabschrecken gehören zu den längsten Insekten der Erde. Ihr gesamter Körperbau ist auf Tarnung durch Mimese ausgerichtet: Der langgestreckte, zylindrische Körper ähnelt einem dünnen Ast oder Zweig. Die Kutikula – die äußere Chitinhülle – ist je nach Art bräunlich, grünlich oder graubraun gefärbt und kann rau strukturierte Oberflächen aufweisen, die Rindenstrukturen imitieren. Einzelne Arten besitzen kleine dornartige Auswüchse an Thorax und Beinen, die das Erscheinungsbild eines verholzten Zweigs noch verstärken.

Der Körper gliedert sich in Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Der kleine Kopf trägt fadenförmige Antennen, die etwa ein Drittel der Körperlänge erreichen, sowie Facettenaugen. Die drei Beinpaare sind extrem lang und dünn; die Vorderbeine werden in Ruhestellung häufig nach vorn gestreckt und verlängern so die Gesamtsilhouette. Die Weibchen sind deutlich massiger und länger als die Männchen, die schlanker gebaut sind und bei manchen Arten rudimentäre Flügel (Alae) besitzen. Eine funktionelle Flugfähigkeit besteht bei den Riesenstabschrecken der Gattung Phobaeticus allerdings nicht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Riesenstabschrecken erstreckt sich über Südostasien. Phobaeticus serratipes kommt auf der Malaiischen Halbinsel, Sumatra und Borneo vor. Phobaeticus chani wurde bislang ausschließlich im Regenwald des malaysischen Bundesstaates Sabah auf Borneo nachgewiesen. Weitere Vertreter der Gattung bewohnen Gebiete in Thailand, Singapur und auf den Philippinen.

Ihr Habitat sind tropische Tiefland- und Bergregenwälder vom Meeresspiegelniveau bis in Höhenlagen von etwa 1.200 Metern. Die Tiere leben in der Kronenregion (Canopy) hoher Bäume, was ihre Erforschung im Freiland erheblich erschwert. Viele Funde gelangen nur durch nächtliche Lichtfallen oder zufällige Entdeckungen herabgefallener Individuen. Die hohe Luftfeuchtigkeit und konstant warme Temperaturen ihres Biotops sind für ihren Stoffwechsel und die Häutungszyklen entscheidend.

Ernährung

Riesenstabschrecken sind ausschließlich herbivor. Sie ernähren sich von den Blättern verschiedener tropischer Baumarten, darunter Guaven (Psidium), Rambutan (Nephelium lappaceum) und diverse Myrtengewächse. Die Nahrungsaufnahme erfolgt vorwiegend in der Nacht. Die Mandibeln sind als kauend-beißende Mundwerkzeuge ausgebildet und ermöglichen es den Tieren, harte Blattränder systematisch abzufressen. In Terrarienhaltung werden sie häufig mit Brombeerblättern, Eichenlaub und Eukalyptus gefüttert, die als Ersatzfutter gut akzeptiert werden.

Verhalten & Lebensweise

Riesenstabschrecken sind strikt nachtaktiv. Tagsüber verharren sie regungslos an Ästen oder zwischen Blättern in der sogenannten Thanatose – einer Starre, die sie für Fressfeinde wie Vögel, Echsen und räuberische Insekten nahezu unsichtbar macht. Bei Störung können sie sekundäre Abwehrmechanismen einsetzen: Einige Arten lassen sich fallen und bleiben am Boden in Totstellung (Katalepsie) liegen. Andere schwingen ihren Körper rhythmisch hin und her, was das Schwanken eines Zweigs im Wind imitiert. Dieses Verhalten wird als Swaying bezeichnet.

Die Tiere sind Einzelgänger und bilden keine sozialen Gruppen. Revierverhalten ist nicht dokumentiert. Ihre Fortbewegung ist langsam und bedächtig; schnelle Bewegungen werden nur in akuten Gefahrensituationen ausgeführt. Ein weiterer Abwehrmechanismus bei P. serratipes ist die Autotomie: Das Tier kann einzelne Beine an vorgebildeten Bruchstellen abwerfen, wenn es von einem Räuber ergriffen wird. Bei juvenilen Tieren können verlorene Gliedmaßen in nachfolgenden Häutungen teilweise regeneriert werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Riesenstabschrecken kann sowohl sexuell als auch parthenogenetisch – also durch Jungfernzeugung ohne Befruchtung durch ein Männchen – erfolgen. Parthenogenetisch erzeugte Nachkommen sind stets weiblich. Bei geschlechtlicher Fortpflanzung klettert das kleinere Männchen auf den Rücken des Weibchens. Die Kopulation kann mehrere Stunden bis Tage andauern.

Die Weibchen lassen ihre Eier einzeln aus der Kronenregion zu Boden fallen. Die Eier sind hartschalig, wenige Millimeter groß und ähneln in Form und Farbe Pflanzensamen – eine zusätzliche Tarnstrategie. Jedes Ei besitzt ein sogenanntes Capitulum, eine nährstoffreiche Struktur, die Ameisen anlockt. Die Ameisen tragen die Eier in ihre Nester, fressen nur das Capitulum und lassen den Embryo unbeschädigt. Dort profitiert das Ei vom stabilen Mikroklima des Ameisennests. Diese Form der Verbreitung wird als Myrmekochorie bezeichnet.