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Riesentausendfüßer

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Archispirostreptus gigas (Afrikanischer Riesentausendfüßer); die Bezeichnung „Riesentausendfüßer" wird auch als Sammelbezeichnung für verschiedene großwüchsige Arten der Klasse Diplopoda verwendet
  • Klasse: Doppelfüßer (Diplopoda)
  • Ordnung: Spirostreptida
  • Familie: Spirostreptidae
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, vorwiegend in Afrika, Südamerika und Südostasien
  • Größe: 20–38 cm Körperlänge, je nach Art
  • Gewicht: 30–120 g
  • Lebenserwartung: 7–10 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 12 Jahre

Aussehen & Merkmale

Riesentausendfüßer gehören zu den größten landlebenden Gliederfüßern (Arthropoden) der Gegenwart. Ihr langgestreckter, zylindrischer Körper besteht aus zahlreichen Segmenten – bei Archispirostreptus gigas sind es über 300 Beinpaare, verteilt auf mehr als 150 Doppelsegmente (Diplosegmente). Jedes Diplosegment trägt zwei Beinpaare, ein Merkmal, das die Doppelfüßer von den Hundertfüßern (Chilopoda) unterscheidet, bei denen jedes Segment nur ein Beinpaar aufweist.

Die Körperoberfläche ist von einem harten Exoskelett aus Chitin und eingelagertem Calciumcarbonat bedeckt, das als Schutzpanzer dient. Die Färbung variiert artabhängig von tiefem Schwarz über Dunkelbraun bis hin zu rötlichen oder olivfarbenen Tönen. Manche Arten, etwa die in Südostasien verbreiteten Vertreter der Gattung Thyropygus, zeigen kontrastreiche Muster mit hellen Ringbändern auf dunklem Grund.

Am Kopf befinden sich kurze, gegliederte Antennen, die als wichtigstes Sinnesorgan dienen. Die Augen bestehen aus Gruppen einfacher Ocellen, die lediglich Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen können. Die Mundwerkzeuge sind kauend-malmend und für die Zerkleinerung pflanzlicher Nahrung ausgelegt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Riesentausendfüßer erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Zonen Afrikas, Südamerikas und Südostasiens. Archispirostreptus gigas ist in Ost- und Südafrika beheimatet, von Mosambik über Tansania bis Kenia. Südamerikanische Riesenformen gehören unter anderem zur Ordnung Spirobolida, während in Südostasien Vertreter der Gattungen Thyropygus und Spirobolus vorkommen.

Das bevorzugte Habitat sind feuchte tropische Regenwälder, Monsunwälder und Küstenwälder mit dichter Laubstreu. Riesentausendfüßer leben bodennah und halten sich überwiegend in der Streuschicht auf – unter verrottendem Laub, in morschem Holz, unter Rinde oder in natürlichen Hohlräumen im Erdreich. Die Wahl des Biotops hängt stark von der Feuchtigkeit ab: Da die Tiere über ihre Körperoberfläche leicht Wasser verlieren, meiden sie trockene, offene Habitate und sind auf eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen.

Ernährung

Riesentausendfüßer sind Detritivoren, also Zersetzer abgestorbener organischer Substanz. Ihre Hauptnahrung besteht aus verrottendem Laub, morschem Holz, abgestorbenen Pflanzenteilen, Pilzmyzel und Früchten, die auf den Waldboden gefallen sind. Gelegentlich nehmen sie auch Aas oder Fäkalien auf, was ihren Beitrag zur Nährstoffmineralisierung im Ökosystem zusätzlich unterstreicht.

Die Nahrung wird mit den kräftigen Mandibeln zerkleinert und im Darm unter Mitwirkung symbiontischer Mikroorganismen aufgeschlossen. Der ausgeschiedene Kot ist feinkrümelig und reich an Nährstoffen, wodurch Riesentausendfüßer eine wichtige Rolle im Bodenökosystem einnehmen – vergleichbar mit Regenwürmern in gemäßigten Breiten.

Verhalten & Lebensweise

Riesentausendfüßer sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Totholz, Steinen oder in selbst gegrabenen Gängen im feuchten Erdreich. Bei Einbruch der Dämmerung beginnen sie ihre langsamen, methodischen Streifzüge durch die Laubstreu auf der Suche nach Nahrung.

Die Fortbewegung erfolgt durch koordinierte wellenförmige Beinbewegungen, wobei die Beinpaare in Gruppen synchronisiert arbeiten. Trotz der enormen Beinanzahl bewegen sich die Tiere mit moderater Geschwindigkeit. Sie sind keine Räuber und verfügen über kein Jagdverhalten.

Bei Bedrohung rollen sich Riesentausendfüßer spiralförmig zusammen und schützen so ihre weichere Bauchseite mit dem gepanzerten Rücken. Zusätzlich sondern viele Arten über seitliche Wehrdrüsen (Repugnatordrüsen) ein Sekret ab, das je nach Art Benzochinone, Cyanwasserstoff oder andere reizende Verbindungen enthält. Diese chemische Abwehr schreckt Fressfeinde wie Vögel, Eidechsen und kleine Säugetiere wirksam ab. Die Sekrete können bei Menschen Hautreizungen und Verfärbungen verursachen.

Riesentausendfüßer sind Einzelgänger ohne Revierverhalten oder soziale Strukturen. Begegnungen zwischen Artgenossen verlaufen in der Regel ohne Aggression.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung wird durch chemische Signale (Pheromone) eingeleitet. Das Männchen nähert sich dem Weibchen und überträgt mit seinen zu Gonopoden umgewandelten Beinpaaren des siebten Segments eine Spermatophore in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Die Gonopoden sind artspezifisch geformt und dienen als wichtiges taxonomisches Bestimm