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Rostbinde

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hipparchia semele
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
  • Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
  • Gattung: Hipparchia
  • Lebensraum: Trockene, offene Landschaften wie Heiden, Magerrasen, Dünen, lichte Kiefernwälder
  • Flügelspannweite: 48–56 mm
  • Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
  • Lebenserwartung: Imagines leben etwa 4–6 Wochen; vollständiger Lebenszyklus rund 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Die Rostbinde, auch als Ockerbindiger Samtfalter oder Rostbindiger Samtfalter bezeichnet, gehört zur Gruppe der Augenfalter innerhalb der Edelfalter. Ihr Name leitet sich von der charakteristischen rostbraunen bis ockerfarbenen Binde ab, die sich über die Vorderflügeloberseite zieht. Diese Binde hebt sich deutlich vom dunkelbraunen Grundton der Flügeloberseite ab und enthält in der Regel zwei dunkle Augenflecken – einen größeren nahe der Flügelspitze und einen kleineren weiter innen.

Die Flügelunterseiten sind für die Tarnung entscheidend: Sie zeigen ein fein marmoriertes Muster aus verschiedenen Grau- und Brauntönen, das an Baumrinde oder Gestein erinnert. Eine helle, gezackte Querbinde teilt die Hinterflügelunterseite in einen dunkleren basalen und einen helleren distalen Bereich. Wenn der Falter mit zusammengeklappten Flügeln auf Stein oder Boden sitzt, ist er nahezu unsichtbar. Die Vorderflügeloberseite mit der namensgebenden Rostbinde wird dabei zwischen die Hinterflügel geschoben und ist im Ruhezustand verborgen.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich in der Intensität der Färbung: Weibchen sind insgesamt etwas heller und größer, die rostbraune Binde tritt bei ihnen breiter und kontrastreicher hervor. Männchen besitzen zudem auf der Vorderflügeloberseite einen deutlich sichtbaren Duftschuppenfleck (Androkonien), der als dunkler Streifen erkennbar ist und bei der Balz eine Rolle spielt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Rostbinde erstreckt sich über weite Teile Europas, von Südskandinavien über die Britischen Inseln bis in den Mittelmeerraum und ostwärts bis zum Ural. In Deutschland kommt die Art vor allem in den norddeutschen Tiefebenen, an der Küste sowie in wärmebegünstigten Mittelgebirgslagen vor. Im Alpenraum ist sie dagegen selten.

Als Habitat bevorzugt die Rostbinde trockene, nährstoffarme Standorte mit lückiger Vegetation. Typische Biotope sind Sandmagerrasen, Küstendünen, trockene Heiden, Binnendünen und lichte Kiefernwälder auf Sandböden. Entscheidend ist das Vorhandensein offener Bodenstellen, auf denen sich die Falter sonnen können, sowie geeigneter Gräser als Nahrung für die Raupen. Die Art ist wärmeliebend und reagiert empfindlich auf Verbuschung und Aufforstung ihrer Lebensräume.

Ernährung

Die adulten Falter saugen bevorzugt an Blüten verschiedener Pflanzen, darunter Thymian, Dost, Flockenblumen und Heidekraut. Daneben werden regelmäßig auch überreife Früchte, ausfließender Baumsaft und feuchte Bodenstellen als Nahrungsquelle genutzt. Blütenbesuche sind bei dieser Art im Vergleich zu vielen anderen Tagfaltern eher selten zu beobachten.

Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Süßgräsern. Zu den dokumentierten Futterpflanzen gehören Schafschwingel (Festuca ovina), Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und andere Gräser trockener Standorte. Die Nahrungsaufnahme der Raupen erfolgt vorwiegend in der Dämmerung und nachts, tagsüber verbergen sie sich am Boden zwischen Grasbüscheln.

Verhalten & Lebensweise

Die Rostbinde ist ein ausgesprochener Sonnenanbeter. Die Falter sind tagaktiv, bevorzugen aber heißes, sonniges Wetter und werden bei Bewölkung rasch inaktiv. Typisch ist das Sonnenverhalten auf offenen Bodenstellen, Steinen oder sandigen Wegen, wobei die Flügel in einem flachen Winkel zur Sonnenstrahlung gehalten werden. Bei Annäherung eines Feindes klappt der Falter die Flügel zusammen und verlässt sich auf seine Tarnung – die kryptische Flügelunterseite verschmilzt mit dem Untergrund.

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten und patrouillieren entlang bestimmter Strecken oder verteidigen Sitzwarten gegen Rivalen. Der Flug ist ruckartig und bodennahe, mit kurzen Gleitphasen. Bei Störung fliegen die Tiere rasch ab, landen jedoch meist nach wenigen Metern erneut auf dem Boden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Flugzeit der Rostbinde erstreckt sich je nach Region von Ende Juni bis September, mit einem Schwerpunkt im Juli und August. Es wird pro Jahr nur eine Generation ausgebildet (univoltin). Die Balz der Männchen umfasst einen rituellen Flug um das Weibchen, bei dem die Duftschuppen auf den Vorderflügeln zum Einsatz kommen. Das Männchen umfliegt das sitzende Weibchen und klemmt dabei dessen Fühler zwischen die Vorderflügel, sodass die Androkonien in direkten Kontakt mit den Sinnesorganen des Weibchens geraten.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an Grashalmen oder lassen sie im Flug über geeigneten Flächen fallen. Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und beginnen sofort mit der Nahrungsaufnahme. Sie überwintern als junge Raupen in den Grasbüscheln und setzen ihre Entwicklung im folgenden Frühjahr fort. Die Verpuppung findet am Boden in einer lockeren Erdhöhle statt. Die Pup