Rotbarsch
RTierart – Fische > Meeresfische – Speise & Wild
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sebastes norvegicus (syn. Sebastes marinus)
- Ordnung: Barschartige (Perciformes) bzw. nach neuerer Systematik Drachenkopfartige (Scorpaeniformes)
- Familie: Skorpionfische (Sebastidae)
- Gattung: Sebastes
- Lebensraum: Nordatlantik, kühle bis kalte Meeresgewässer, Tiefen von 100 bis 1.000 Metern
- Größe: 35–55 cm, maximal bis etwa 100 cm
- Gewicht: 1–3 kg, selten bis 15 kg
- Lebenserwartung: 40–75 Jahre, Einzelexemplare möglicherweise über 75 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rotbarsch verdankt seinen deutschen Namen der leuchtend orangeroten bis roten Färbung seiner Schuppen, die den gesamten Körper bedeckt. Die Bauchseite ist etwas heller und kann ins Gelblich-Rosa übergehen. Die Körperform ist hochrückig und seitlich leicht komprimiert, was typisch für viele Vertreter der Gattung Sebastes ist. Der Kopf ist groß und kräftig gebaut, mit auffallend großen Augen – eine Anpassung an das Leben in lichtarmen Tiefen.
Die Rückenflosse ist durchgehend und weist im vorderen Teil kräftige Stachelstrahlen auf, die mit leicht giftigen Drüsen versehen sind. Stiche durch diese Stacheln verursachen schmerzhafte, aber in der Regel ungefährliche Schwellungen. Der Unterkiefer ragt leicht vor, das Maul ist endständig bis leicht oberständig. An der Unterseite des Unterkiefers befindet sich ein kleiner Kinnhöcker, der als Unterscheidungsmerkmal zu verwandten Arten dient.
Vom eng verwandten Tiefenbarsch (Sebastes mentella), der mitunter ebenfalls als Rotbarsch im Handel geführt wird, unterscheidet sich Sebastes norvegicus durch eine etwas kräftigere Körperform, die hellere Rotfärbung und einen weniger ausgeprägten Knochenfortsatz am Unterkiefer. Beide Arten werden im Fischhandel häufig nicht differenziert, obwohl sie unterschiedliche Tiefenbereiche besiedeln.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Rotbarsches erstreckt sich über weite Teile des Nordatlantiks. Bedeutende Vorkommen finden sich vor der Küste Norwegens, um Island, bei den Färöer-Inseln, vor Grönland und in der Irminger-See. Vereinzelt tritt die Art auch westlich bis zu den Küsten Neuenglands auf.
Als Habitat bevorzugt der Rotbarsch felsige Untergründe und Gebiete mit steil abfallenden Kontinentalschelfen. Juvenile Tiere halten sich in geringeren Tiefen von 100 bis 300 Metern auf und suchen oft Tangwälder oder felsige Strukturen als Deckung. Adulte Exemplare bewohnen überwiegend Tiefen zwischen 300 und 500 Metern, wobei sie in der Irminger-See auch in Tiefen bis über 900 Meter nachgewiesen wurden. Die bevorzugte Wassertemperatur liegt zwischen 3 und 8 °C.
Ernährung
Der Rotbarsch ist ein opportunistischer Räuber. Seine Nahrung setzt sich vorwiegend aus Krill, Flohkrebsen, kleinen Garnelen und anderen Krebstieren zusammen. Mit zunehmender Körpergröße steigt der Anteil an Fischen in der Beute. Erwachsene Exemplare erbeuten unter anderem Lodde, Heringe und kleine Dorsche. Gelegentlich werden auch Tintenfische gefressen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt bevorzugt in den Dämmerungsphasen und während der Nacht. Der Rotbarsch steigt dabei häufig aus tieferen Wasserschichten auf, um in nahrungsreicheren Zonen zu jagen – ein Verhalten, das als vertikale Wanderung oder Diel-Migration bezeichnet wird.
Verhalten & Lebensweise
Rotbarsche leben gesellig und bilden zum Teil sehr große Schwärme, die in mittleren Wassertiefen über dem Meeresboden stehen. Diese Aggregationen können mehrere Tausend Individuen umfassen und werden von der kommerziellen Fischerei gezielt mit pelagischen Schleppnetzen befischt.
Die Art ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sich die Tiere meist bodennah in ruhiger Position auf, während sie in den Abend- und Nachtstunden aktiv auf Nahrungssuche gehen. Trotz ihrer geselligen Lebensweise zeigen Rotbarsche kein ausgeprägtes Territorialverhalten. Gegenüber Artgenossen kommt es nur selten zu aggressiven Auseinandersetzungen.
Ein besonderes Merkmal der Lebensweise ist die ausgeprägte Langlebigkeit. Die extrem langsame Wachstumsrate bedingt, dass die Tiere erst spät die Geschlechtsreife erreichen und über Jahrzehnte hinweg wachsen. Diese Eigenschaft macht die Art besonders anfällig gegenüber Überfischung, da dezimierte Bestände sich nur sehr langsam erholen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Im Gegensatz zu den meisten Knochenfischen ist der Rotbarsch lebendgebärend (ovovivipar). Die Befruchtung erfolgt innerlich: Die Paarung findet im Herbst zwischen September und November statt, wobei das Männchen mit Hilfe einer modifizierten Afterflosse Spermien an das Weibchen übergibt. Die Eier entwickeln sich im Körper des Weibchens und werden erst als weit entwickelte Larven im Frühjahr – meist zwischen April und Juni – freigesetzt.
Ein Weibchen kann je nach Körpergröße zwischen 40.000 und 350.000 Larven ausstoßen. Die Larven sind bei der Geburt etwa 5 bis 8 Millimeter lang und pelagisch lebend. Sie treiben in den oberen Wasserschichten und ernähren sich zunächst von Planktonorganismen. Die Geschlechtsreife wird bei Männchen mit etwa 10 bis 12 Jahren und bei Weibchen mit 12 bis 15 Jahren erreicht – ein im Vergleich zu vielen anderen Speisefischen sehr hoher Wert.
Bedrohung & Schutzstatus
Der