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Roter Apollo

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Parnassius apollo
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Ritterfalter (Papilionidae)
  • Gattung: Parnassius
  • Lebensraum: Felsige Hänge, Geröllhalden, magere Bergwiesen und sonnige Kalktrockenrasen in Höhenlagen zwischen 400 und 2.500 Metern
  • Flügelspannweite: 60–88 mm
  • Gewicht: ca. 0,3–0,6 g
  • Lebenserwartung: Gesamter Lebenszyklus etwa ein Jahr; Imagines (adulte Falter) leben wenige Wochen

Aussehen & Merkmale

Der Rote Apollo ist einer der größten und auffälligsten Tagfalter Europas. Seine Vorderflügel sind weißlich bis leicht gelblich mit einer durchscheinenden, glasigen Textur an den Rändern. Auf den Vorderflügeln befinden sich mehrere schwarze Flecken, die je nach Unterart und Population in Größe und Anordnung variieren. Das namensgebende Merkmal sind die beiden leuchtend roten, schwarz umrandeten Augenflecken (Ocelli) auf den Hinterflügeln. Diese roten Flecken können bei manchen Populationen auch orangefarben getönt sein. Die Flügeloberfläche ist nur dünn beschuppt, was dem Falter ein leicht transparentes Erscheinungsbild verleiht – ein Merkmal, das ihn von vielen anderen Tagfaltern unterscheidet.

Der Körper ist dicht grau-weiß behaart, was dem Falter bei den kühlen Temperaturen seines Höhenhabitats als Wärmeisolation dient. Die Fühler sind kurz und keulenförmig, wie für Tagfalter typisch. Die Raupen sind samtschwarz mit reihenweise angeordneten orangeroten Flecken an den Seiten und feiner, kurzer Behaarung. Sie erreichen eine Länge von etwa 50 mm.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Parnassius apollo erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Nordeuropa bis nach Zentralasien. In Europa kommt die Art in den Pyrenäen, Alpen, Karpaten, dem skandinavischen Gebirge sowie in zahlreichen Mittelgebirgen vor. In Deutschland beschränken sich die Vorkommen auf wenige isolierte Populationen, vor allem in der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb, an der Mosel und in einigen Gebieten des Schwarzwalds.

Das bevorzugte Habitat sind offene, sonnige und trockene Hanglagen mit Felspartien und spärlicher Vegetation. Typische Biotope umfassen Kalktrockenrasen, Geröllhalden, Felsfluren und aufgelassene Steinbrüche. Entscheidend für das Vorkommen ist die Kombination aus ausreichendem Bestand an Futterpflanzen für die Raupen und einem warmen, sonnenexponierten Mikroklima. Geschlossene Wälder werden gemieden. Der Rote Apollo ist eng an seine spezifischen Standorte gebunden und zeigt eine geringe Ausbreitungstendenz, was isolierte Populationen besonders verwundbar macht.

Ernährung

Die Raupen des Roten Apollo ernähren sich ausschließlich von Dickblattgewächsen der Gattung Sedum, insbesondere von der Weißen Fetthenne (Sedum album) und der Großen Fetthenne (Sedum telephium). In höheren Lagen werden auch Hauswurz-Arten (Sempervivum) als Nahrungsquelle genutzt. Die Raupen fressen bevorzugt in den wärmsten Stunden des Tages und sonnen sich dazwischen auf Steinen.

Adulte Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen. Bevorzugt werden dabei rotblühende und violette Arten wie Flockenblumen (Centaurea), Disteln (Carduus, Cirsium), Skabiosen (Scabiosa) und Thymian (Thymus). Gelegentlich werden auch feuchte Bodenstellen aufgesucht, um Mineralien aufzunehmen – ein Verhalten, das als „Puddling" bezeichnet wird.

Verhalten & Lebensweise

Der Rote Apollo ist ein ausschließlich tagaktiver Falter, dessen Aktivität stark von der Sonneneinstrahlung abhängt. Bei bewölktem Himmel oder Wind bleibt er am Boden sitzen und wärmt sich mit ausgebreiteten Flügeln auf. Der Flug wirkt schwerfällig und gauklerisch, was jedoch täuscht – bei Störung kann der Falter rasch und gezielt ausweichen.

Ein auffälliges Abwehrverhalten zeigt der Apollo, wenn er am Boden bedrängt wird: Er spreizt die Flügel, um die roten Augenflecken zu präsentieren, und erzeugt gleichzeitig durch Reiben der Flügel an den Beinen ein kratzendes Geräusch. Diese Kombination aus optischer und akustischer Abschreckung soll potenzielle Fressfeinde wie Vögel oder Eidechsen irritieren. Zusätzlich sondert der Falter bei Bedrohung ein übelriechendes Sekret ab.

Die Art ist nicht territorial im engeren Sinne. Männchen patrouillieren an Hangkanten und Felsvorsprüngen, um paarungsbereite Weibchen zu finden. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich je nach Höhenlage von Mai bis August, in den Alpen meist von Juni bis August.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung bildet das Männchen am Hinterleib des Weibchens eine feste, chitinöse Struktur, den sogenannten Sphragis. Diese „Begattungstasche" verhindert eine erneute Paarung des Weibchens mit anderen Männchen und stellt damit eine Form der postcopulatorischen Partnerbewachung dar – ein unter Schmetterlingen seltenes Phänomen, das bei mehreren Parnassius-Arten auftritt.

Die Weibchen legen die Eier einzeln an oder in der Nähe der Futterpflanzen ab, teilweise auch an benachbarten Steinen oder trockenen Pflanzenteilen. Die Eier überwintern, und die Raupen schlüpfen im folgenden Frühjahr. Die Larvalentwicklung durchläuft fünf Stadien und dauert je nach Witterung mehrere Wochen. Die Verpuppung erfolgt in einem lockeren Gespinst am Boden, oft zwischen Steinen oder unter Moos. Nach etwa zwei bis vier Wochen schlüpft der fertige Falter. Pro