Roter Thun
RTierart – Fische > Meeresfische – Speise & Wild
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thunnus thynnus
- Ordnung: Scombriformes (Makrelenartige)
- Familie: Scombridae (Makrelen und Thunfische)
- Gattung: Thunnus
- Lebensraum: Pelagische Zone des Atlantischen Ozeans und des Mittelmeers
- Größe: Durchschnittlich 200–250 cm, maximal bis 450 cm
- Gewicht: Durchschnittlich 150–350 kg, maximal bis 680 kg
- Lebenserwartung: 35–50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rote Thun, auch als Atlantischer Blauflossen-Thunfisch oder Großer Thun bezeichnet, ist der größte Vertreter der Gattung Thunnus und einer der größten Knochenfische überhaupt. Sein Körperbau ist spindelförmig und hydrodynamisch optimiert: Der Querschnitt gleicht einem Torpedo, was dem Tier minimalen Strömungswiderstand verleiht. Die Körperoberfläche ist mit sehr kleinen, glatten Schuppen bedeckt, die einen sogenannten Korsett-Bereich um die Brustregion bilden – eine Besonderheit innerhalb der Familie der Scombridae.
Die Rückenfärbung ist dunkel stahlblau bis schwarz, die Flanken schimmern silbrig, und der Bauch ist weißlich. Die erste Rückenflosse ist gelblich oder bläulich, die zweite Rückenflosse rotbraun. Hinter der zweiten Rücken- und der Afterflosse befinden sich jeweils sieben bis zehn kleine Flössel (Pinnulae), die für die Thunfische typisch sind. Die Schwanzflosse ist sichelförmig (lunat) und extrem kräftig ausgebildet. Seitlich am Schwanzstiel sitzen ein deutlicher medianer Kiel sowie zwei kleinere Seitenkiele, die als Stabilisatoren bei hohen Geschwindigkeiten dienen.
Eine physiologische Besonderheit ist das Rete mirabile – ein Wundernetz aus Blutgefäßen, das den Roten Thun zu einer regionalen Endothermie befähigt. Dadurch kann er seine Körperkerntemperatur um bis zu 20 °C über der Umgebungstemperatur halten, was seine Muskelleistung in kalten Gewässern erheblich steigert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Thunnus thynnus erstreckt sich über den gesamten Nordatlantik – von Neufundland und dem Golf von Mexiko im Westen bis nach Norwegen und ins Mittelmeer im Osten. Vereinzelt dringen Exemplare auch in die westliche Ostsee, an die Küsten Westafrikas und gelegentlich in den Südatlantik vor.
Sein Habitat ist die offene See. Der Rote Thun lebt pelagisch, also im Freiwasser, und hält sich bevorzugt in der epipelagischen Zone bis etwa 200 m Tiefe auf. Bei der Nahrungssuche taucht er jedoch regelmäßig in Tiefen von über 1.000 m ab, wie Daten aus elektronischen Markierungsprogrammen belegen. Er toleriert ein breites Temperaturspektrum von etwa 3 °C bis 30 °C – eine Fähigkeit, die direkt mit seiner endothermen Physiologie zusammenhängt. Anders als viele tropische Thunfischarten ist der Rote Thun ein Bewohner gemäßigter bis subtropischer Gewässer und wandert saisonal über weite Strecken zwischen Nahrungs- und Laichgründen.
Ernährung
Der Rote Thun ist ein opportunistischer Raubfisch, der sich von einer Vielzahl pelagischer Beutetiere ernährt. Zu seinem Nahrungsspektrum zählen Schwarmfische wie Hering, Makrele, Sardine, Sardelle und Sprotte, darüber hinaus Tintenfische und Krebstiere. Juvenile Exemplare fressen vorwiegend Zooplankton und Kleinkrebse, bevor sie mit zunehmender Größe auf Fischbeute umsteigen.
Beim Jagen nutzt der Rote Thun seine enorme Geschwindigkeit – Spitzenwerte von über 70 km/h sind dokumentiert. Er jagt häufig in losen Schwärmen, die koordiniert Beutefischschwärme einkreisen und an die Oberfläche treiben. Diese Jagdstrategie wird an der Wasseroberfläche oft von Seevögeln begleitet, die von den aufgescheuchten Fischen profitieren.
Verhalten & Lebensweise
Rote Thune sind gesellige Tiere, die in Schwärmen unterschiedlicher Größe auftreten. Die Schwarmgröße variiert je nach Lebensalter und Jahreszeit: Juvenile Fische bilden häufig große, dichte Schwärme, während adulte Tiere in kleineren Gruppen oder teils einzeln unterwegs sind. Eine strikte Revierbildung findet nicht statt; vielmehr sind die Tiere hochmobil und folgen den saisonalen Wanderungen ihrer Beutefische.
Die transatlantischen Wanderungen des Roten Thuns gehören zu den ausgedehntesten unter den Knochenfischen. Markierte Tiere haben nachweislich den Atlantik innerhalb weniger Wochen überquert. Aktivität zeigt die Art sowohl bei Tag als auch bei Nacht; die Tauchtiefe variiert mit dem Tagesrhythmus – nachts halten sich die Fische tendenziell in flacheren Wasserschichten auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife erreicht der Rote Thun im östlichen Bestand mit etwa vier bis fünf Jahren, im westlichen Bestand erst mit acht bis zwölf Jahren. Es werden zwei getrennte Laichpopulationen unterschieden: Die westliche Population laicht im Golf von Mexiko und in der Straße von Florida, die östliche im Mittelmeer – insbesondere um die Balearen, vor Sizilien und im östlichen Mittelmeer.
Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Juni. Die Weibchen sind äußerst fruchtbar: Ein großes Weibchen kann pro Saison bis zu 45 Millionen Eier abgeben. Die Eier sind pelagisch und treiben frei im Wasser. Die Larven schlüpfen nach etwa zwei Tagen und sind zunächst nur wenige Millimeter groß. Brutpflege findet nicht statt. Die Sterblichkeit in den ersten Lebenswochen ist extrem hoch; nur ein verschwindend geringer Anteil der Larven erreicht das Juvenilstadium.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Rote Thun stand über Jahrzehnte unter