Sardine
STierart – Fische > Meeresfische – Speise & Wild
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sardina pilchardus
- Ordnung: Heringsartige (Clupeiformes)
- Familie: Heringe (Clupeidae)
- Gattung: Sardina
- Lebensraum: Küstennahe Meeresgewässer des nordöstlichen Atlantiks und des Mittelmeers
- Größe: 15–25 cm, maximal bis 27 cm
- Gewicht: 50–150 g
- Lebenserwartung: Bis zu 15 Jahre, durchschnittlich 5–8 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Sardine besitzt einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper mit stromlinienförmigem Querschnitt – typisch für pelagische Schwarmfische. Der Rücken ist blaugrün bis olivgrün gefärbt und geht an den Flanken in silbriges Weiß über. Entlang der Körperseiten verläuft bei vielen Exemplaren eine Reihe dunkler Punkte, die sich vom Kiemendeckel bis zur Schwanzwurzel erstrecken kann. Diese Fleckenzeichnung dient als eines der äußeren Unterscheidungsmerkmale gegenüber verwandten Arten wie der Sprotte (Sprattus sprattus) oder dem Atlantischen Hering (Clupea harengus).
Die Schuppen sind groß, dünn und lösen sich leicht vom Körper – ein Merkmal, das bei der Handhabung frisch gefangener Sardinen sofort auffällt. Der Kiemendeckel trägt charakteristische strahlenförmige Rillen, die zur sicheren Artbestimmung herangezogen werden. Das Maul ist leicht oberständig, der Unterkiefer ragt geringfügig über den Oberkiefer hinaus. Die Rückenflosse sitzt relativ weit vorn, die Bauchflossen befinden sich in mittlerer Körperposition. Der Schwanz ist deutlich gegabelt, was auf die ausdauernde Schwimmweise der Art hindeutet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Sardine erstreckt sich über den nordöstlichen Atlantik von der Nordsee und den Gewässern um die Britischen Inseln südwärts bis zur westafrikanischen Küste vor Senegal und Mauretanien. Darüber hinaus besiedelt sie das gesamte Mittelmeer einschließlich des Schwarzen Meeres sowie das Gebiet um die Kanarischen Inseln, Madeira und die Azoren.
Als pelagischer Fisch hält sich die Sardine bevorzugt in den oberen Wasserschichten auf, meist in Tiefen zwischen 10 und 100 Metern. Ihr bevorzugtes Habitat sind küstennahe Gewässer über dem Kontinentalschelf, wo nährstoffreiche Strömungen und Auftriebsgebiete für ein reiches Planktonangebot sorgen. Die Wassertemperatur spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung: Sardinen bevorzugen Temperaturen zwischen 10 und 20 °C. In den letzten Jahrzehnten wurde eine Ausdehnung des Verbreitungsgebiets nach Norden beobachtet, die mit der Erwärmung der Meere in Zusammenhang steht.
Ernährung
Sardinen ernähren sich als Filtrierer überwiegend von Zooplankton – vor allem von Ruderfußkrebsen (Copepoda), Muschelkrebsen und den Larven verschiedener Wirbelloser. Ergänzend nehmen sie Phytoplankton und Fischeier auf. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Filtrieren großer Wassermengen mithilfe der fein ausgebildeten Kiemenreusen. Bei höherer Planktondichte kann die Sardine auch gezielt einzelne Beuteorganismen aufschnappen, wobei sie zwischen Filtrier- und Schnappfütterung wechselt. Die Ernährungsweise variiert saisonal: In den produktiven Frühlings- und Sommermonaten überwiegt tierisches Plankton, während in nahrungsärmeren Phasen der Anteil an pflanzlichem Plankton zunimmt.
Verhalten & Lebensweise
Die Sardine ist ein ausgesprochener Schwarmfisch. Die Schwärme können aus Hunderttausenden bis Millionen von Individuen bestehen und sich über mehrere Kilometer erstrecken. Dieses Schwarmverhalten dient vor allem dem Schutz vor Fressfeinden – darunter Thunfische, Makrelen, Delfine, Seevögel und verschiedene Haiarten. Durch das dichte Zusammenschwimmen entsteht ein sogenannter Verdünnungseffekt, der die Überlebenschance des einzelnen Tieres erhöht.
Sardinen unternehmen ausgeprägte Wanderungen, die sowohl saisonal als auch im Tagesverlauf stattfinden. Tagsüber halten sich die Schwärme in größeren Tiefen auf und steigen in der Dämmerung und nachts in oberflächennahe Schichten auf, um dort Nahrung aufzunehmen. Diese vertikale Migration folgt dem Rhythmus des Zooplanktons, das ebenfalls nachts an die Oberfläche wandert. Saisonale Wanderungen führen die Schwärme im Frühjahr in küstennahe, nährstoffreiche Gewässer zur Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung, während sie sich im Herbst und Winter in tiefere, wärmere Wasserschichten zurückziehen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Sardinen erreichen die Geschlechtsreife je nach Region im Alter von ein bis zwei Jahren bei einer Körperlänge von etwa 10–15 cm. Die Laichzeit variiert stark nach Verbreitungsgebiet: Im Mittelmeer wird hauptsächlich zwischen Oktober und März gelaicht, an der atlantischen Küste der Iberischen Halbinsel zwischen November und Juni mit einem Schwerpunkt im Winter und Frühjahr.
Die Weibchen geben portionsweise zwischen 50.000 und 60.000 Eier pro Laichsaison ins freie Wasser ab, wo sie von den Männchen befruchtet werden. Die Eier sind pelagisch, das heißt sie schweben frei in der Wassersäule. Sie messen etwa 1,5 mm im Durchmesser und enthalten eine Ölkugel, die ihnen Auftrieb verleiht. Nach zwei bis vier Tagen – abhängig von der Wassertemperatur – schlüpfen die Larven mit einer Länge von etwa 3–4 mm. Eine elterliche Brutpflege findet nicht statt. Die Larven ernähren sich zunächst von ihrem Dottervorrat und beginnen nach wenigen Tagen mit der Aufnahme von kleinsten Planktonorganismen. Das Jungfischwachstum ist in den ersten Lebensmonaten