Schellfisch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Melanogrammus aeglefinus
- Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
- Familie: Dorsche (Gadidae)
- Gattung: Melanogrammus
- Lebensraum: Küstennahe und offene Meeresgebiete des Nordatlantiks, bevorzugt über sandigem, kiesigem oder schlammigem Grund
- Größe: Durchschnittlich 40–60 cm, maximal bis etwa 110 cm
- Gewicht: Durchschnittlich 1–3 kg, in Ausnahmefällen bis zu 14 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre, in der Regel 12–15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schellfisch besitzt den für Dorschartige typischen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körperbau mit drei Rückenflossen und zwei Afterflossen. Die Grundfärbung der Oberseite ist dunkelgrau bis violettgrau, die Flanken heller silbergrau und die Bauchseite weißlich. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal ist der dunkle, nahezu schwarze Fleck auf jeder Körperseite in Höhe der Brustflossen, der im Englischen als „Devil's thumbprint" (Daumenabdruck des Teufels) bezeichnet wird. Dieser Fleck unterscheidet den Schellfisch auf den ersten Blick von nahe verwandten Arten wie dem Kabeljau (Gadus morhua) oder dem Pollack (Pollachius pollachius).
Entlang der Flanken verläuft eine deutlich sichtbare, dunkle Seitenlinie, die sich vom Kiemendeckel bis zur Schwanzflosse erstreckt – beim Kabeljau ist diese Linie dagegen hell gefärbt. Am Unterkiefer trägt der Schellfisch eine kurze Bartel, die allerdings weniger ausgeprägt ist als beim Kabeljau. Die Schuppen sind klein und cycloid, die Haut fühlt sich glatt an. Die Augen sind verhältnismäßig groß, was auf die Lebensweise in tieferen, lichtärmeren Wasserschichten hindeutet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schellfischs umfasst weite Teile des Nordatlantiks. Er kommt von der Biskaya im Süden bis nach Spitzbergen und zur Barentssee im Norden vor. Im westlichen Atlantik reicht sein Habitat von der Küste Neuenglands bis nach Neufundland und Labrador. Besonders große Bestände finden sich in der Nordsee, rund um Island, vor der norwegischen Küste sowie auf den Bänken vor Schottland und den Färöer-Inseln.
Der Schellfisch bevorzugt Wassertiefen zwischen 40 und 300 Metern, wobei er gelegentlich auch bis in 600 Meter Tiefe vordringt. Sein Biotop umfasst vorwiegend den demersalen Bereich – er hält sich also überwiegend in Bodennähe auf. Dabei bevorzugt er Untergründe aus Sand, Kies, Schlamm oder Muschelschill. Die bevorzugte Wassertemperatur liegt zwischen 4 und 10 °C. Jungfische halten sich häufig in flacheren Küstengewässern auf und wandern mit zunehmendem Alter in tiefere Zonen ab.
Ernährung
Der Schellfisch ernährt sich vorwiegend von bodenbewohnenden Wirbellosen. Zu seinen Hauptnahrungsquellen zählen Borstenwürmer (Polychaeten), Schlangensterne, Muscheln, Seeigel, kleine Krebstiere wie Garnelen und Flohkrebse sowie Fischlaich. Gelegentlich werden auch kleine Fische wie Sandaale oder Jungheringe erbeutet. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Lebensraum, Jahreszeit und Alter des Fisches. Jungfische ernähren sich zunächst von Zooplankton und kleinen Krebstieren, bevor sie mit zunehmender Größe auf das typische Beutespektrum adulter Tiere umstellen. Die kurze Bartel am Unterkiefer dient als Tastorgan und hilft beim Aufspüren von Beutetieren im Sediment.
Verhalten & Lebensweise
Schellfische sind gesellige Schwarmfische, die sich in teils großen Gruppen zusammenfinden. Die Schwarmbildung bietet Schutz vor Fressfeinden wie Seehunden, Dorschen und verschiedenen Haiarten. Die Tiere sind überwiegend tagaktiv und suchen bodennah nach Nahrung. Saisonale Wanderungen sind gut dokumentiert: Im Frühjahr ziehen die Schwärme in bestimmte Laichgebiete, während sie außerhalb der Fortpflanzungszeit ausgedehnte Nahrungswanderungen unternehmen. Jüngere Tiere halten sich häufig in flacheren Gewässern auf als adulte Exemplare und bilden dort eigene Altersgruppen.
Schellfische kommunizieren mittels niederfrequenter Laute, die durch rhythmische Kontraktionen der Schwimmblase erzeugt werden. Diese Lautäußerungen spielen insbesondere während der Fortpflanzungszeit eine Rolle und dienen der Partnerfindung sowie der Revierabgrenzung innerhalb der Laichgebiete.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife erreichen Schellfische in der Regel mit zwei bis vier Jahren, je nach Bestand und Wachstumsbedingungen. Die Laichzeit erstreckt sich von Januar bis Juni, wobei der Höhepunkt in den meisten Verbreitungsgebieten zwischen Februar und April liegt. Wichtige Laichgebiete befinden sich in der nördlichen Nordsee, vor der norwegischen Küste und südlich von Island.
Die Weibchen geben während der Laichzeit zwischen 100.000 und über 1.800.000 Eier ab, abhängig von Körpergröße und Alter. Die Eier sind pelagisch, das heißt, sie treiben frei im offenen Wasser. Während der Balz erzeugen die Männchen intensive Laute und zeigen auffällige Schwimmmuster, um Weibchen anzulocken. Nach der Befruchtung entwickeln sich die Larven innerhalb von ein bis drei Wochen. Die Jungfische treiben zunächst im Plankton und suchen häufig Schutz unter den Schirmen großer Quallen, bevor sie mit einer Körperlänge von etwa 4–6 cm zum bodennahen Leben übergehen.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Schellfisch wird von der IUCN als „Vulnerable" (